Studie zur Gewalt in ehemaligem Bottroper Kinderheim
Bildquelle: Caritas Bottrop2 Min. 32 Sek.. Verfügbar bis 07.09.2028.
Die Caritas in Bottrop betreibt seit vielen Jahrzehnten ein eigenes Kinderheim im Stadtteil Fuhlenbrock. Jetzt liegen Hinweise vor, dass Kinder in den 1960er und 1970er Jahren in dem Heim Leid erfahren haben.
Heim in Bottrop-Fuhlenbrock
Es geht um Hinweise auf Fälle sexualisierter, körperlicher und psychischer Gewalt im ehemaligen Kindervollheim St. Konrad. Heute heißt das Heim "Kinderdorf am Köllnischen Wald". Gab es wirklich Vorfälle in dem idyllisch gelegenen Heim mitten im Wald?
Anonymer Hinweis auf Gewalt in Kinderheim St. Konrad
"Im Januar hat sich eine betroffene Person bei uns gemeldet", erzählt Caritas-Direktor Alexander Hohler. Dabei soll es sich um eine Person im Alter von über 60 Jahren gehandelt haben, die in dem Heim sowohl sexualisierte als auch körperliche und psychische Gewalt erlitten haben soll. Weitere Informationen will die Caritas nicht preisgeben, die Person soll anonym bleiben.
Direktor der Caritas Bottrop: Alexander Hohler
Bildquelle: WDR / Fabienne StrohmerDas hat die Caritas aber zum Anlass genommen, weitere Recherchen anzustellen und eine Studie in Auftrag zu geben. Denn der Wohlfahrtsverband vermutet weitere Fälle: "Ziel ist es, das Leid der Betroffenen anzuerkennen und die damaligen Ereignisse transparent aufzuarbeiten", sagt der Caritas-Direktor.
"Dass gerade an einem Ort, wo Kinder und Jugendliche Schutz und Geborgenheit erfahren sollten, dann dort Leid entsteht und Kinder und Jugendliche Leid erfahren, das macht einen zutiefst betroffen." Alexander Hohler, Direktor Caritas Bottrop
Experten aus Süddeutschland für Studie in Bottrop gewonnen
Für die Studie hat die Caritas die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm beauftragt. Die Ärztliche Direktorin Manuela Dudeck hat langjährige Erfahrung in der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Machtmissbrauch und institutioneller Gewalt.
"Das Erleben von psychischer, körperlicher und sexualisierter Gewalt in der Kindheit durch Autoritäts- und Erziehungspersonen reißt große Wunden in der Seele eines Kindes und führt dazu, dass man tatsächlich eine posttraumatische Belastungsstörung und auch eine Depression entwickeln kann." Prof. Dr. Manuela Dudeck, Ärztliche Direktorin der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm
Besonders wichtig zur Verarbeitung der Erlebnisse und des Traumas sei laut Dudeck, dass die Geschehnisse ausgesprochen und anerkannt werden. Nach Dudecks Erfahrung vergehen oft mehr als 25 Jahre, bevor Betroffene über das Erlebte sprechen können. Wenn Aufklärungsstudien in einem größeren Rahmen stattfinden, ermutige das häufig auch weitere Betroffene, ihre Gewalterfahrungen zu teilen.
Studienteilnahme für Betroffene anonym möglich
Mögliche Betroffene sind nun aufgerufen, sich zu melden. In einem geschützten Rahmen können sie den Wissenschaftlern schildern, was sie damals in dem Kinderheim erlebt haben. Auf der Internetseite der Caritas Bottrop ist eine Ansprechaprtnerin der Uni Ulm angegeben.
Die Studie will dann klären, in welchem Ausmaß Kinder und Jugendliche Gewalt ausgesetzt waren und welche strukturellen Bedingungen Übergriffe ermöglicht oder begünstigt haben.
Das betroffene Caritas-Heim liegt mitten im Wald
Bildquelle: Caritas BottropAußerdem möchte die Caritas der Frage nachgehen, ob sich daraus auch Konsequenzen für das aktuelle Konzept zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ziehen lassen. Neben der Interviewstudie gibt es auch noch eine Recherche in den historischen Archiven, um die damaligen Gegebenheiten möglichst umfassend zu rekonstruieren.
Kinderheim in Bottrop noch in Betrieb
Das betroffene Kinderheim in Bottrop-Fuhlenbrock gibt es heute immer noch. Dort sind aktuell um die 100 Kinder und Jugendliche untergebracht. Die Caritas betont, dass die Gewaltfälle ausschließlich die 1960er und 1970er Jahre betreffen und es keine Hinweise auf aktuelle Fälle gibt.
Mit den Ergebnissen der Studie wird im Herbst 2027 gerechnet.
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Direktor der Caritas Bottrop, Alexander Hohler
- Interview mit Manuela Dudeck von der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Ulm
Sendung: WDR.de, Caritas untersucht Gewalt in ehemaligen Bottroper Kinderheim, 07.09.2026, 12:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 07.09.2026, 19.30 Uhr

