Mitte August schon Herbststimmung auf dem Ochsenkopf zwischen Arnsberg und Sundern.
Bildquelle: WDR/Corina WeglerWer derzeit durchs waldreiche Sauerland und Siegerland fährt, sieht es sofort: Viele Bäume wirken schlapp, fast wie im Herbst. Hunderttausende Jungpflanzen verschiedener Baumarten, die nach der Borkenkäferplage gesetzt worden sind, haben massiv gelitten.
"Wir gucken mit größter Sorge auf Buchen und Eichen. Besonders auf Standorten mit geringer Wasserversorgung ist mit erheblichen Schäden zu rechnen." Thomas Wälter, Leiter des Zentrums für Wald- und Holzwirtschaft
Milliardenwert für NRW
Damit sind zwei Hauptbaumarten betroffen, die nicht nur ökologisch wichtig sind und schöne Erholungsgebiete bilden, sondern auch wirtschaftlich hohe Relevanz haben. Das Cluster Wald und Holz NRW setzt jährlich rund 31 Milliarden Euro um und beschäftigt 130.000 Menschen.
Die Suche nach klimafesten Bäumen wird schwieriger. Schon nach Orkan Kyrill 2007 und erst recht seit der Borkenkäferplage 2018 ist klar: Fichtenmonokulturen sind kein Wald der Zukunft. Wald und Holz propagiert daher seit Jahren mindestens vier Baumarten pro Fläche - doch welche?
Die Fichten haben ausgedient
Lange galt die Douglasie als guter Fichtenersatz, dann war von Krankheiten die Rede. Das Zentrum für Wald- und Holzwirtschaft experimentiert deshalb im Sauerland mit exotischen Bäumen. In Arnsberg-Rumbeck etwa haben Forstfachleute Edelkastanien aus dem Mittelmeerraum gepflanzt.
"Die reagieren aber empfindlich auf Spätfrost", sagt Wälter. Auf dem Lattenberg bei Oeventrop und auf dem Ochsenkopf zwischen Arnsberg und Sundern wachsen Atlaszedern und Küstentannen. Aktuell sehen sie gut aus, doch: "Nach neuesten Erkenntnissen stirbt die Art im Alter um die 40 durch Pilzbefall."
Exoten mit Schwachstellen
Auch andere Arten haben ihre Schwachstellen: Der Riesenmammutbaum ist anfällig für Pilzbefall, Riesenlebensbäume dagegen wachsen aktuell gut. Wälters Fazit: "Fremdländer wachsen nicht automatisch besser. Sie erweitern aber das Baumartenportfolio."
Waldbesitzer sollen das Risiko deshalb über viele Baumarten streuen und die Standortbedingungen berücksichtigen, sagen die Fachleute - nicht alles wächst überall gleich gut. Welche Bäume den Wald der Zukunft bilden, zeigt sich erst in vielen Jahren. Eins aber steht laut Wälter fest: "Es gibt keinen 1:1-Ersatz für die Fichte."
Unsere Quellen:
- Thomas Wälter, Leiter Zentrum Wald- und Holzwirtschaft
- Helmholtz-Zentrum, Dürremonitor
- Waldbrandindex
- Homepage Waldbauernverband zu Wirtschaftsrelevanz
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Sauerland, Siegerland und Südwestfalen, 12.08.2026, 15:31 Uhr
