Müssen Wildtiere wegen Schutzzäunen verdursten?
Bildquelle: WDR/ Mike KülpmannWDR. 01:29 Min.. Verfügbar bis 13.08.2028.
Die Fotos von Tierschützern sehen drastisch aus: Ein Reh hat sich mit seinen Läufen in den Maschen eines Zaunes verheddert und liegt hilflos auf der Seite. Wo genau es aufgenommen wurde, ist unklar. Wollte das Reh an der Talsperre trinken? Tierschützerin Belinda Exner aus Netphen ist davon überzeugt.
Sie findet die Zäune, die infizierte Wildschweine daran hindern sollen ihr Revier zu verlassen, gefährlich für alle übrigen Wildtiere. Zudem würden sie daran gehindert, an ihre natürlichen Wasserquellen zu gelangen.
Keine Kadaver in der Talsperre
Sowohl die Obernautalsperre in Netphen als auch die Breitenbachtalsperre in Hilchenbach sind von Schweinepest-Schutzzäunen umgeben. Nach Angaben des Kreises Siegen-Wittgenstein soll so verhindert werden, dass infizierte Wildschweine dort trinken und eventuell als Kadaver in der Trinkwassertalsperre landen.
Der Schutzzaun wegen der Afrikanischen Schweinepest
Bildquelle: WDR/Ulf PriesterDie Schutzzäune selbst hält der Kreis für wirksam. Sie seien "ein wesentliches und effektives Instrument, das Wandern möglicherweise infizierter Wildschweine zu verhindern und die Verbreitung dieser mit erheblichem Tierleid verbundenen Viruserkrankung zu unterbinden", heißt es in einer Mitteilung.
Insgesamt 600 Kilometer Schutzzäune
Am Zaun verendete Wildtiere seien die Ausnahme. Seit dem vergangenem Jahr seien in Siegen-Wittgenstein lediglich fünf tote Rehe gefunden worden, so der Kreis. Insgesamt sind in den drei betroffenen Landkreisen (Siegen-Wittgenstein, Olpe und Hochsauerland) rund 600 Kilometer Zäune errichtet worden.
Auch bei der Versorgung der Tiere mit Trinkwasser gebe es keine Probleme. Trotz der Trockenheit gebe es in den eingezäunten Gebieten weiterhin genügend Wasserstellen, so der Kreis.
Forderung: Stattdessen Schweinezuchtbetriebe schützen
Belinda Exner hält die Zäune generell für wirkungslos. Erfahrungen aus anderen Bundesländern hätten das gezeigt. Sie fordert stattdessen, die Schweinezuchtbetriebe besser vor dem Virus zu schützen. Das Übergreifen des Virus auf Schweineställe gilt als eine der größten wirtschaftlichen Gefahren der Schweinepest.
Dem widerspricht Henning Setzer von der Kreisjägerschaft. Die Zäune seien das richtige Mittel, die Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern. Würde man nur die Schweineställe schützen, würde sich das Virus unkontrolliert ausbreiten.
Unsere Quellen:
- Gespräche und Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Kreis Siegen-Wittgenstein
- Gespräch mit Henning Setzer, Kreisjägerschaft Siegen-Wittgenstein
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Sauerland, Siegerland und Südwestfalen, 13.08.2026, 17:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 13.08.2026, 19:30 Uhr