Die Azubis diskutierten kontrovers mit NRW-Schulministerin Feller und Vertretern von SPD und Grünen.
Bildquelle: WDR/Corina WeglerPlakate mit Sprüchen wie "Hate Speech ist keine Meinung" hängen im Raum, vorn sitzen NRW-Schulministerin Dorothee Feller, der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Maximilian Reeck und Grüne-Jugend-Landessprecherin Lina Roßkamp. Gut 80 Azubis aus 15 Unternehmen haben sich heute in Arnsberg zu einem Demokratie-Workshop getroffen.
Sie haben in Gruppen zwei Fragen diskutiert, die es in sich haben: Sollen klimaschädliche Produkte teurer werden? Und: Soll es ein verpflichtendes Jahr für junge Menschen geben, im sozialen Bereich oder bei der Bundeswehr? Im Plenum stellen sie ihre Ergebnisse vor und diskutieren mit den Politik-Profis.
Nachholbedarf durch Corona-Krise
"Man hat gesehen, dass gerade viele Jüngere echt aufgeschmissen waren", sagt Fatima Bakouri, Pflegeschülerin aus dem Klinikum Hochsauerland. Und das, obwohl Politik- und Sowi-Unterricht doch eigentlich zum Lehrplan jeder Schule gehört. Die 20-Jährige hat für das Informations-Defizit eine Erklärung: Ihre Generation ist mit Corona und Homeschooling groß geworden.
"Es ist viel Lernstoff untergegangen. Vor allen Dingen in Haushalten, in denen man nicht deutschsprachige Eltern hat, die einem eine Unterstützung sein können." Auszubildende Fatima Bakouri
15 Unternehmen haben ihre Azubis zum Workshop geschickt - aus gutem Grund, findet Antonio Villani, bei der Wepa Gruppe zuständig für Personal. "Wir befinden uns in Zeiten, in der auch Diskussionen sehr gerne zugespitzt geführt werden. Ich glaube, Tage wie heute zeigen, es geht auch konstruktiv und gemeinschaftlich."
"Mitbestimmung, Dialogfähigkeit und Respekt spielen auch im Arbeitsleben eine wichtige Rolle." Antonio Villani, Wepa-Personalleiter
Die Diskussion bleibt nicht nur brav: "Junge Menschen haben kein Vertrauen in die Politik." "Deutschland muss sauberer werden." "Obdachlose sollen zur Bundeswehr" - Sätze, die Ministerin Feller dazu bringen, über Menschenwürde zu sprechen. Und darüber, dass Deutschland ein gutes Land sei, in dem es sich lohne, sich einzubringen.
Kompromiss ist ein Ziel
Dustin Nickel, Azubi zum Industriekaufmann im zweiten Jahr bei Wepa, trägt für seine Gruppe die Ergebnisse vor. Einfach war die Arbeit nicht: "Man hat schon gemerkt, dass die Sichtweisen extrem auseinandergingen. Wir haben uns aber einen Kompromiss zur Aufgabe gemacht, und das haben wir hinbekommen."
"Wir sehen, was auf der Welt los ist, wir sehen, was in Deutschland los ist und deswegen ist es wichtig, Demokratie zu thematisieren." Dustin Nickel, Azubi Wepa Gruppe
Kein Ticket für die AfD
Veranstalter des Demokratie-Workshops ist der Verein "Children for a Better World". Die AfD lädt er bewusst nicht aufs Podium ein und begründet das damit, dass er für die Achtung der Menschenwürde, Respekt vor Vielfalt und ein klares Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe.
Außerdem sei der Verein für einen faktenbasierten Austausch verantwortlich. "In dem Format können wir nicht jede Behauptung unmittelbar überprüfen oder einordnen. Deshalb achten wir bei der Auswahl unserer Gäste darauf, dass sie zu einem konstruktiven und verantwortungsvollen Dialog beitragen", sagt Vorstandsvorsitzender Raphael Langenscheidt.
Die Demokratie-Workshops für Azubis werden wissenschaftlich begleitet. Ein Ergebnis: Das Vertrauen in ein Funktionieren der Demokratie stieg um 45 Prozent. Und die Motivation, sich zu engagieren, um 34 Prozent. Fast die Hälfte überdenkt nach dem Workshop die eigene politische Verortung.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin bei der Podiumsdiskussion
- Children for a better world
- Wepa Stiftung
- Antonio Villani
- Fatima Bakouri
- Dustin Nickel
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Sauerland, Siegerland und Südwestfalen, 06.08.2026, 17:30 Uhr
