Auf einer Leinwand läuft ein Film. Rechts und links sitzen mehrere Menschen auf Fahrrädern.

Kino mal anders: In Soest wurde mit Fahrrädern Energie erzeugt.

Bildquelle: WDR/ A.Höngen

Fahrradkino in Soest Nur wenn alle strampeln, läuft der Film

Stand:

Kino als Teamleistung: Beim Fahrradkino in Soest erzeugen die Zuschauer den Strom für den Projektor selbst. Aufgeben ist erlaubt – aber nur, wenn jemand übernimmt. Ob so ein Filmabend rucklerfrei über die Leinwand geht?

Es ist kurz nach 20 Uhr. Die Sonne ist untergegangen. Der Innenhof des Soester Cafés "hier & jetzt" ist stockdunkel. Kinofans schauen gebannt auf die Leinwand. Vor der steht gerade Tim Baudermann. Er warnt, dass gleich alle ran müssen. Denn der Strom für den Film muss mit dem Fahrrad erstrampelt werden.

"Also wer Lust hat, kann jetzt gerne nach vorne kommen", ruft Baudermann ins Publikum. Innerhalb von Sekunden stehen die ersten Gäste von ihren Plätzen auf, um sich auf die acht Fahrräder zu setzen, die links und rechts neben der Leinwand stehen. Schnell noch den Sattel einstellen und dann geht es los.

So funktioniert das Fahrradkino

Während die ersten Freiwilligen in die Pedale treten, startet der erste von zwölf Kurzfilmen. Die Fahrräder sind über ein Kabel an einen Akku angeschlossen. Die von den Rädern erzeugte Energie wird in dem Akku gepuffert und dann über einen Wechselrichter an den Beamer und die Soundanlage abgegeben.

Ein Film läuft auf einer Leinwand. Davor sitzen mehrere Personen auf Fahrrädern und schauen den Film.

Oben auf der Leinwand können alle sehen, wie viel Strom erzeugt wird.

Bildquelle: WDR/ A.Höngen

Die Fahrradfahrer und das Kinopublikum können live verfolgen, wie viel Strom gerade erzeugt wird. Am oberen Rand der Leinwand steht nämlich der aktuelle Akkustand. Außerdem können alle sehen, wie viel Energie gerade auf den acht Fahrrädern produziert wird.

90 Minuten Tretarbeit: WIe lange halten die Zuschauer durch?

Das kann einen aber auch unter Druck setzen. So geht es zum Beispiel Georg Brinkmann. Er sitzt als einer der ersten auf dem Fahrrad und tritt seit mehr als zehn Minuten in die Pedale. "Es ist ziemlich schwer sich auf den Film zu konzentrieren. Ich schaue ständig auf die Wattzahl", gibt er zu. "Es ist anstrengend."

Eine Leinwand. Davor stehen links und rechts Fahrräder, auf denen Leute sitzen.

Sich beim Fahrradfahren auf den Film zu konzentrieren, fiel vielen schwer.

Bildquelle: WDR/ A.Höngen

Wer nicht mehr kann, klingelt

Auf der gegenüberliegenden Seite tropft Edda von Glinski eine Schweißperle von der Stirn. Sie sitzt schon seit drei Kurzfilmen auf dem Rad. "Ich kann langsam nicht mehr", schnauft sie.

Als der Abspann des Films läuft, geht Edda von Glinskis Hand zur Fahrradklingel. Sie klingelt mehrmals. Das Zeichen, dass sie jemanden braucht, der sie ablöst. Im Publikum steht sofort jemand auf. Edda steigt ab und setzt sich auf einen Stuhl im Innenhof. Jetzt strampelt jemand anders.

"Das ist tolles Gemeinschaftsgefühl, was da entsteht. Alle machen mit. Das ist eine Teamleistung hier." Edda von Glinski

Kurzfilme laufen ruckelfrei bis zum Ende durch

Nach eineinhalb Stunden flimmert der Abspann des letzten Kurzfilms über die Leinwand. "Das wars! Ihr könnt aufhören", ruft jemand aus dem Innenhof nach vorne. Applaus brandet auf. Die Freiwilligen auf den Fahrrädern klingeln was das Zeug hält. Es wurde genügend Strom erzeugt für einen ganzen Filmabend.

Nur wenn alle in die Pedale treten, läuft der Film

WDR 20.09.2026 59 Sek. Verfügbar bis 19.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Nur wenn alle in die Pedale treten, läuft der Film, 20.09.2026, 12:42 Uhr

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