Schwimmbad in Niederkassel vor dem Aus
WDR. 02:39 Min.. Verfügbar bis 22.05.2028.
Schwimmer in Remagen können die Saison schon jetzt abhaken: Seit dem Herbst ist ihr Freizeitbad wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Für rund 18 Millionen Euro werden die Außenbecken mit Edelstahl ausgestattet. Außerdem entsteht auf dem Gelände ein völlig neuer Indoor-Bereich mit energiesparender Technik. Wann genau die Sanierung beendet ist, steht noch nicht fest. Die Stadt peilt die Eröffnung im Jahr 2027 an.
Bis dahin müssen Sportler auf die andere Rheinseite ausweichen. Der Schwimmunterricht für die Remagener Grundschulen findet im benachbarten Unkel statt. Doch auch wenn die Sanierung für Schwimmer noch viel Fahrerei und Ärger mit sich bringt: Im kommenden Jahr werden sie voraussichtlich ein hochmodernes Bad nutzen können.
Bäderallianz verlangt eine Milliarde - jedes Jahr
In vielen anderen NRW-Kommunen sind die Aussichten nicht so gut. Den deutschen Schwimmbädern geht es schlecht, warnt die Bäderallianz Deutschland. Der Zusammenschluss mehrerer Verbände und Institutionen wie der DLRG oder des Deutschen Schwimmverbands wirbt seit Jahren für eine bessere Finanzierung der Bäderlandschaft. Aktuell macht die Organisation mit einer Plakatkampagne in deutschen Innenstädten auf sich aufmerksam. Motto: "Retten wir die Bäder!" Dazu sei eine Unterstützung von einer Milliarde Euro nötig. Und zwar jedes Jahr.
Ohne die massive Geldspritze könnten bald zahlreiche Bäder vor dem Aus stehen, warnt die Allianz. Viele Anlagen seien teilweise schon seit 60 Jahren in Betrieb. Ohne grundlegende (und teure) Sanierung sei schon jetzt abzusehen, dass sie bald für immer schließen müssen.
Die Diskussion ist nicht neu. Schon seit Jahren heißt es, die Lage in den NRW-Schwimmbädern sei katastrophal und es gebe ein Bädersterben. Nach der letzten Sportstättenstatistik der Sportministerkonferenz aus dem Jahre 2002 verfügte Nordrhein-Westfalen im Jahr 2001 noch über 1.401 Frei-, Hallen- und Kombibäder. Im Jahr 2025 hatte sich diese Zahl offenbar halbiert. Nach Daten des Online-Projekts "Bäderleben" befinden sich nur noch rund 700 Bäder im Betrieb. Und der Trend scheint sich fortzusetzen: Nach einer im Januar 2025 veröffentlichten Studie der KfW drohen 16 Prozent der deutschen Frei- und 14 Prozent der Hallenbäder innerhalb weniger Jahre die Schließung wegen notwendiger Sanierung.
Klage über zu wenige Lehrbecken
Das Bädersterben sei weit mehr als nur ein lästiger Einschnitt bei der Freizeitgestaltung, sagt Frank Rabe vom Schwimmverband NRW dem WDR. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der DLRG aus dem Jahr 2022 verließen nur noch etwa 50 Prozent der Grundschülerinnen und Grundschüler die Primarstufe als sichere Schwimmer. Demgegenüber ständen rund 25 Prozent, die über keinerlei Schwimmfähigkeiten verfügen. Ein Grund dafür sei auch der Mangel an geeigneten Lehrbecken. Manchmal müssten Schüler für den Schwimmunterricht sehr weite Wege zurücklegen. "Eine Schule, die jeweils eine halbe Stunde für die Hin- und Rückfahrt zum Schwimmbad einplanen muss - da bleibt nicht mehr viel Zeit für den Schwimmunterricht", so Rabe.
Auch der Mangel an Fachkräften macht den Bädern zu schaffen. Nach Einschätzung von Reinhard Nowak, Landesvorsitzender des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister in NRW, fehlen im Land mehrere Hundert Fachkräfte - insbesondere 250 bis 350 Bademeister. Das mache sich besonders dann bemerkbar, wenn sich während einer Grippewelle mehrere Mitarbeiter gleichzeitig krankmelden: Oft müssten dann die Öffnungszeiten eingeschränkt werden oder das betroffene Bad bleibt vorübergehend geschlossen.
Kerpen hat nur Personal für ein Bad
In Kerpen musste die Stadt jetzt auf die Personalnot reagieren: Weil nicht genug Mitarbeiter zur Verfügung stehen und Neuanstellungen angesichts der Haushaltslage vorerst nicht möglich sind, musste mit dem Saisonstart des Freibads Türnich das Spaßbad Erftlagune vorübergehend geschlossen werden. Für beide Bäder gleichzeitig hätte das Personal nicht ausgereicht.
Marc Riemann
"Schwimmbäder sind für die Kommunen die teuersten Sportstätten überhaupt", betont auch Marc Riemann, Vorstand bei der IAKS und Fachleiter bei den Kölnbädern. In Köln habe man darauf bereits in den Nullerjahren reagiert und zahlreiche städtische Bäder grundsaniert. "Dabei wurden zwar Standorte geschlossen, aber gleichzeitig in den verbliebenen Sportstätten mehr Wasserfläche geschaffen." Insgesamt habe das Konzept funktioniert, so Riemann, und könne auch auf andere Kommunen übertragen werden. "Denn so kann man beim Personal und den Betriebskosten sparen und gleichzeitig den Service für die Bürger sichern."
Unsere Quellen:
- eigene Berichterstattung
- WDR-Gespräche mit Frank Rabe und Marc Riemann
- Pressemitteilung Bäderallianz
- Sportstättenstatistik 2002
- Online-Projekt "Bäderleben"
- Kfw Research
Sendung: WDR.de, Schwimmbad in Niederkassel vor dem Aus, 22.05.2026, 10:21 Uhr