Sprengstoffdrohne in Leipzig

Wie groß ist die Drohnengefahr in NRW?

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Nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff auf dem Leipziger Flughafen spricht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) von einer neuen Gefahrenqualität. Nach Angaben von Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) ist es der erste Vorfall dieser Art auf einem deutschen Flughafen.

Am Dienstagabend - kurz vor Mitternacht - entdeckt ein Flughafenmitarbeiter die Drohne, unmittelbar in der Nähe von vier ukrainischen Transportflugzeugen. Sie war mit Sprengstoff und Zünder bestückt - ein Szenario, das es so in Deutschland bislang noch nicht gab.

Kriminaltechniker der Polizei in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs auf dem Flughafen Leipzig/Halle | Bildquelle: dpa/Hendrik Schmidt

Die Drohne soll laut Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung mit den Sprengstoffen PETN und Semtex präpariert gewesen sein. Diese Stoffe werden auch militärisch verwendet. Eine zweite Drohne soll mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen sein, das leicht beschädigt wurde. Nach dieser zweiten Drohne oder Teilen davon wird gesucht.

Der Generalbundesanwalt und der sächsische Staatsschutz ermitteln zu den Hintergründen. Der Flughafen könnte nur knapp einer Katastrophe entkommen sein: Der Spiegel berichtet mit dem Verweis auf Sicherheitsbehörden, dass der Sprengsatz nur nicht explodiert sein soll, weil der Zünder defekt war.

Flughafen Leizpig als Drehkreuz für westliche Rüstungsgüter in die Ukraine

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (rechts) und Sachsens Innenminister Armin Schuster (links) am Flughafen Leipzig/Halle. | Bildquelle: AFP / John MacDougall

Der Flughafen in Sachsen ist das Drehkreuz für westliche Rüstungsgüter in die Ukraine. Schon im Juli 2024 hatte es einen gefährlichen Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle gegeben. Ein Frachtpaket, in dem ein Brandsatz war, entzündete sich, bevor es in ein DHL-Flugzeug geladen wurde.

Wir haben es hier mit einem hybriden Anschlagsszenario zu tun und mit einem Wettbewerb, der möglicherweise auch fremde Mächte mit einschließt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei einer Pressekonferenz am Flughafen Leipzig/Halle

Mit hybriden Angriffen sind in der Regel Angriffe im Verborgenen gemeint, die nicht auf direkte Konfrontation abzielen, aber Verunsicherung auslösen sollen. Dabei kommen oft mehrere Faktoren zusammen, wie Sabotage, wirtschaftlicher Druck oder Desinformation.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach bei einer Pressekonferenz am Flughafen Leipzig/Halle von einem sehr ernsten sicherheitsrelevanten Vorfall. Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter schließt in der Augsburger Allgemeinen nicht aus, dass Russland hinter der in Leipzig gefundenen Drohne steckt.

Neue Debatte über Drohnenabwehr

Der Vorfall hat das Thema hybride Kriegsführung, zu dem der Einsatz von Drohnen oder auch die Sabotage von Infrastruktur zählt, schlagartig wieder aufs Tableau gehoben. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warnt davor, das auch Nordrhein-Westfalen zum Ziel werden könnte.

Wie sieht es an Flughäfen in NRW aus? Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung hat im laufenden Jahr 2026 der Flughafen Köln/Bonn fünf Fälle von Störungen im Luftraum, zum Beispiel durch Drohnen, gemeldet. Zwei solcher Vorfälle gab es demnach am Flughafen Münster/Osnabrück und einen am Flughafen Düsseldorf.

NRW Schwerpunkt für Drohnenüberflüge

Eine Drohne fliegt am Himmel. | Bildquelle: WDR / picture alliance / Hauke-Christian Dittrich

Das NRW-Innenministerium bezeichnet das Land wegen seiner vielen Industrieanlagen, militärischen Einrichtungen und Rüstungsunternehmen als einen regionalen Schwerpunkt für Drohnenüberflüge. Der Polizei wurden im vergangenen Jahr insgesamt 351 Drohnensichtungen in NRW bekannt, 2024 waren es 232. Grund dafür seien vor allem die vielen kritischen Industrieanlagen, militärischen Einrichtungen oder Rüstungsunternehmen.

2025 wurde in NRW eine niedrige dreistellige Zahl von Sichtungen über diesen Einrichtungen registriert. Werden beispielsweise am Flughäfen Drohnen gesichtet, gibt es festgellegte Protokolle um diese an die Deutsche Flugsicherung und die Polizei zu melden, schreiben die Flughafenbetreiber von Düsseldorf und Dortmund auf WDR-Nachfrage.

Finanzierung und Zuständigkeit von Drohnenabwehr noch offen

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Bundesverkehrs- und Bundesinnenministerium entwickelt derzeit ein Gesamtkonzept zur Drohnenabwehr an Verkehrsflughäfen. Noch offen ist nach Angaben der Deutschen Flugsicherung, wer die Kosten für so ein System tragen soll oder wie sie verteilt werden.

Seit Dezember hat die Bundespolizei außerdem eine bundesweit einsetzbare Drohnenabwehreinheit. Für Jörg Diehl, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, bleibt dennoch ein entscheidendes Problem: Erkennungssysteme können eine Drohne zwar aufspüren – damit ist aber noch nicht geklärt, wer sie anschließend wie stoppt.

Effektiver Drohnenschutz nicht möglich

Auch die nordrhein-westfälischen Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf sollen noch in diesem Jahr Erkennungssysteme bekommen. Diehl sagte, es stelle sich nicht nur die Frage, wie man Drohnen erkenne, sondern auch, wenn man sie erkannt habe, wie man sie vom Himmel hole. "Und da ist, glaube ich, guter Rat teuer.“ Zunächst ist in Deutschland die Polizei zuständig. Weil ihr aber meist die Möglichkeiten fehlen, sind die Kompetenzen der Bundespolizei ausgeweitet worden.

Die soll künftig in solchen Fällen auch von den Streitkräften Amtshilfe bekommen. Um die Drohnenabwehr in Deutschland zu verbessern, hat die Bundesregierung im März ein Gesetz beschlossen, dass die Bundeswehr Drohnen in Notfällen abschießen darf. Bisher war der Einsatz mit Störsendern oder Waffen eng begrenzt.

Aus Diehls Sicht sind Bundes- und Landespolizei in NRW vom Personal und der Ausrüstung her nicht in der Lage, einen effektiven Drohnenschutz zu gewährleisten. Das liege zum einen an der Größe vieler Areale, aber auch an der Vielzahl möglicher Ziele - von Flughäfen über Chemieanlagen bis hin zu militärischen Einrichtungen. Das sollte auch die NRW-Landesregierung den Menschen klar vermitteln, so Diehl. "Wir sind, was Drohnen anbelangt, noch vergleichsweise hilfslos in Deutschland."

Wie groß ist die Drohnengefahr?

Bildquelle: Getty Images

Verfügbar bis 06.08.2028

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz am Flughafen Halle/Leipzig mit Bundesinnenminister Dobrindt und Sachsens Innenminister Schuster vom 05.08.2026
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • Deutsche Flugsicherung auf WDR-Anfrage
  • Flughäfen in NRW auf WDR-Anfrage
  • Jörg Diehl, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und SZ
  • Geschäftsbericht der Deutschen Flugsicherung 2025
  • Spiegelbericht "Die Drohne war eine fliegende Bombe" vom 05.08.2026
  • Augsburger Allgemeine-Bericht "Dobrindt warnt vor "hybridem Anschlagsszenario" nach Spreng-Drohne am Leipziger Flughafen" vom 05.08.2026

Sendung: WDR-Fernsehen, Aktuelle Stunde, 05.08.2026, 18.45 Uhr
Sendung: WDR-Hörfunk, WDR2 Am Nachmittag, 05.08.2026, 16.45 Uhr