In einem Teich in Bünde im Kreis Herford kommen immer wieder Karpfen an die Oberfläche, vermutlich aus Sauerstoffmangel. Der Teich wird immer heißer. Gespeist wird er aus der Else nebenan. Aber auch die trocknet zunehmend aus. Müssen Fische bald in andere Gewässer gebracht werden, wie in Bayern?
Mehr als 25 Grad im Wasser sind für einige Fische tödlich
Im Kreis Herford ist es noch nicht so weit, sagt Klaus Nottemeyer von der Biologischen Station Ravensberg in Herford. Von einer Caféterrasse mitten in der Stadt beobachtet er die Aa, einen Nebenfluss der Werre, und er entdeckt direkt eine relativ große Rotfeder. Das ist ein Fisch, der anders als Forellen, auch mit höheren Temperaturen zurechtkommt. Forellen aber droht bei über 25 Grad warmem Wasser der Tod.
"Es ist eine schlechte Nachricht für die Fische, wenn sie weniger Wasser haben, das wärmer ist und dadurch sauerstoffärmer. Aber wir sehen hier viele kleine Fische, das heißt, sie vermehren sich, und so ist es offenbar für viele Fische noch nicht zu spät." Klaus Nottemeyer, Biologische Station Ravensberg, Herford
Gewinner und Verlierer der Trockenheit
Während Nottemeyer den Fluss absucht, fliegen zwei Eisvögel vorbei. Sie gehören zu den Gewinnern der Hitzeperiode. Wenn Fische wegen der Verdunstung im Wasser zusammengepfercht werden, ist die Jagd einfacher. Das gilt auch für den Graureiher, der am Zusammenfluss von Aa und Werre gerade ein Päuschen macht, am reich gedeckten feuchten Tisch.
Womöglich droht den vielen kleinen Fischen bald Ungemach, weil Ufer- und Laichzonen bei anhaltender Hitze austrocknen. Dann können sie sich nur noch schwer vor Feinden verstecken.
Amphibien könnten auf dem Trockenen sitzen
Und auch viele Amphibien könnten bald im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen sitzen. Manche leben in Tümpeln und Pfützen. Und die verschwinden bei zu großer Hitze. Dabei gibt es ohnehin zu wenige Laichgewässer in Ostwestfalen-Lippe.
Und was ist mit den Bibern? Die meisten leben an größeren Flüssen wie Weser oder Werre. Und die haben immer noch so viel Wasser, dass die Tiere in ihre Bauten hineintauchen können. Fällt der Pegel zu stark, werden sie die Gewässer aufstauen. Das könnte an kleineren Flüssen und Bächen passieren.
Menschengemachte Probleme
Für Klaus Nottemeyer ist klar wer Schuld an der Situation hat: der Mensch. Seit Jahrhunderten wurden Flüsse begradigt, Wehre gebaut, wurde alles getan, damit sie nicht so oft über die Ufer treten. Jetzt fließen sie schnell ab, und es gibt bei Trockenheit zu wenige Auen, die Wasser speichern können.
Und wie geht es weiter? Das ist ganz schwer zu prophezeien.
"Bei Gewässern gibt es sogenannte Kippmomente, wo sich die Geschwindigkeit der Veränderungen so beschleunigt, dass ganz viele Organismen nicht mehr mitkommen und sterben." Klaus Nottemeyer, Biologische Station Ravensberg, Herford
Unsere Quellen:
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
- Klaus Nottemeyer, Biologische Station Ravensberg, Herford
- BUND Ostwestfalen-Lippe
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 06.08.2026