Gemischte Gefühle zum Ende der Spargelsaison in NRW

00:35 Min. Verfügbar bis 24.06.2027

Gemischte Gefühle zum Ende der Spargelsaison in NRW

Stand:

Am 24. Juni, dem Johannistag, wird traditionell der letzte Spargel gestochen. Die Saison war dank des Wetters gar nicht mal so übel. Dier Spargelbauern im Rheinland und Westfalen sind einigermaßen zufrieden.

Von Merle Giebeler

Herrliche Spargelspitzen statt fieser Wetterspitzen – so könnte man die Spargelsaison 2025 im Rheinland und in Westfalen zusammenfassen. Aus rein "pflanzlicher" Sicht ein gelungenes Frühjahr: Es sei nicht zu kalt, nicht zu heiß, nicht zu nass gewesen, sagt etwa Maritta Schäfer-Bernschein, die in Niederkassel bei Bonn einen Spargelhof betreibt.

Ohne große Wetterschwankungen konnte der Spargel kontinuierlich wachsen, so auch der Vorsitzende des Verein Bornheimer Spargelanbauer e.V. Leonhard Palm im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Einzige Ausnahme war die Hitze des vergangenen Wochenendes, aber da war für viele Spargelbauern die Ernte schon gelaufen.

Auch die Spargelbauern in Westfalen sind froh, dass es keine dauerhaften Hitzeperioden gab. Denn sonst wächst der Spargel zu schnell und muss zu Dumpingpreisen auf den Markt. Die Gesamternte war nach bisherigen Schätzungen eher durchschnittlich.

Pflanzen bekommen jetzt Ruhe

Zwei Personen in einem Bauernladen beim Spagelverkauf

Die Hofladenchefin verkauft ihren letzten Spargel.

Am 24. Juni, dem Johannistag, endet die Spargelernte laut Bauernkalender offiziell: Dann wird der letzte Spargel gestochen. Auf dem Hof Große-Wächter in Verl im Kreis Gütersloh ist bereits ein Teil der Erntehelfer abgereist, andere reinigen Maschinen.

Am Johannistag wird hier schon kein Spargel mehr gestochen, erklärt die Chefin des Hofladens Verena Hollenberg: "Der Spargel braucht halt seine Zeit, um sich wieder zu erholen." Spargel muss nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden, sondern bleibt in der Erde und kommt dann immer wieder neu.

Gemischte Gefühle zum Ende der Spargelsaison in NRW

WDR Studios NRW 24.06.2025 00:40 Min. Verfügbar bis 24.06.2027 WDR Online

Eine landwirtschaftliches Fahrzeug bei der Spargelernte

Das Spargelfeld in Verl wird jetzt winterfest gemacht.

Guido Niermeyer hat Glück, er bekommt noch Spargel im Hofladen von Hollenberg: "Haben uns im Urlaub gedacht, komm wir essen nochmal Spargel." Noch gibt's ein paar letzte Stangen im Sortiment.

Mindestlohn treibt Spargelpreis in die Höhe

"Verlauf und Qualität waren gut, der Absatz zufriedenstellend", so auch die Bilanz von Peter Muß vom Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern. Der Verband vertritt die Interessen der Bauern in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf.

Doch so gut das Wetter es auch meinte mit dem Spargel, der Preis war etwas höher als im Vorjahr. Die Kosten im Spargelanbau sind massiv gestiegen – für Energie, Dünger, Folien. Dazu kommt der Mindestlohn für die Erntehelfer. Und das bekommen am Ende die Kundinnen und Kunden zu spüren.

"Eine ganz große Herausforderung"

Die Diskussion darum, den Mindestlohn auf 15 Euro zu erhöhen, bereitet den Betrieben Sorge. "Es wird immer schwieriger", so drückt es Maritta Schäfer-Bernschein aus. Die Kunden seien schon jetzt zurückhaltender und kauften Spargel eher nur noch am Wochenende. Der Provinzialverband nennt jede weitere Anhebung des Mindestlohns "eine ganz große Herausforderung". Bio-Spargelbauer Palm in Bornheim formuliert es drastischer:

"Die Branche wird an die Wand gefahren." Leonhard Palm, Verein Bornheimer Spargelanbauer e.V.

Der Landwirt ärgert sich über die niedrigen Preise, mit denen manche Discounter auch in diesem Jahr in die Saison eingestiegen seien. Teils habe der Preis im Supermarkt vor Ostern bei 6,50 Euro für ein Kilo Spargel gelegen - nur möglich mit Spargel aus dem Ausland, wo die Produktionskosten günstiger sind. Er selbst müsse für seinen Bornheimer Spargel den doppelten Preis verlangen, so Palm. "Das ist ein Ungleichgewicht, das politisch gewollt ist."

Seine Prognose: Viele werden aufgeben. Die Anbaufläche für Spargel und auch für Erdbeeren werde sich in Deutschland in den kommenden Jahren halbieren.

Unsere Quellen:

  • Leonhard Palm, Verein Bornheimer Spargelanbauer e.V.
  • Spargelhof Große-Wächter, Verl
  • Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
  • Maritta Schäfer-Bernschein, Spargelhof Bernschein
  • Peter Muß, Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauern

Gemischte Gefühle zum Ende der Spargelsaison im Rheinland

WDR Studios NRW 24.06.2025 00:19 Min. Verfügbar bis 24.06.2027 WDR Online

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