Leere Autobahn 40 im Ruhrgebiet

Idylle im Ruhrgebiet: die leere A40 in Mülheim

A40-Sperrung im Ruhrgebiet Staus zum Start ja, Chaos nein

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Seit Donnerstagabend ist die A40 in Essen und Mülheim gesperrt. Das befürchtete Chaos ist bisher aber ausgeblieben.

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Stefan Weisemann

Der Freitag beginnt in Mülheim-Winkhausen mit einem großen Stück Ruhrgebietsromantik: Die Sonne geht langsam am Horizont auf und scheint durch die hellen Wolken hindurch. Wer an diesem Morgen von der Brücke der Aktienstraße auf die sonst so trubelige A40 herunterguckt, sieht Leere. Keine Autos, kein Stau, kein Rauschen. Es ist still, fast schon idyllisch.

Es ist der erste Morgen der A40-Sperrung. Seit Donnerstagabend ist die wichtigste Autobahn im Ruhrgebiet dicht, zwischen dem Dreieck Essen-Ost und Mülheim-Winkhausen. In Richtung Dortmund müssen alle Autos an der Aktienstraße von der A40 herunter. Dann geht es quer durch Essen, um dort in der Innenstadt wieder aufzufahren. Viele stellen sich die bange Frage: Wie groß wird das Chaos?

A40-Sperrung: Staus aber kein Chaos

Das Chaos bleibt an diesem Morgen aus. An der Sperrung bildet sich zwar Stau, auch an einigen Ampeln auf der Umleitungsstrecke. Dazu kommen ein paar Baustellen auf der Strecke, um die die Autofahrer Slalom fahren müssen. Zwischendurch ist ein Hupen zu hören. Doch größere Probleme gibt es nicht, bestätigt auch die Essener Polizei.

Deshalb ist Jan Klare vorsichtig optimistisch. Er ist Geschäftsführer der Garten- und Landschaftsbaufirma Trautmann, die nur ein paar Meter von der Sperrung entfernt liegt. "Unsere Teams sind heute Morgen ganz früh losgefahren. Die hatten keine Probleme", sagt er. Auch er selbst ist auf seinem Weg von Bochum aus zur Arbeit gut durchgekommen. Er hofft, dass es so bleibt.

Metzger in Essen rechnet mit Einbußen

Anders ist die Stimmung ein paar Meter weiter, auf der anderen Straßenseite. Dort hat Jürgen Bickert seine Metzgerei. Sonst herrscht im Laden morgens um halb acht Hochbetrieb. Handwerker, Pendler und andere holen sich dann etwas zu essen. Jetzt kommt nur zwischendurch mal jemand herein.

Jürgen Bickert vor seiner Metzgerei

Freut sich, wenn die A40-Sperrung vorbei ist: Metzger Jürgen Bickert

Die Einbußen sind spürbar: "Sonst verkaufen wir rund 400 belegte Brötchen an einem Vormittag", sagt Bickert, "jetzt haben wir bewusst nur 200 gemacht und sind schon froh, wenn wir die wegbekommen". Die üblichen Vormittagskunden fahren wegen der Sperrung lieber andere Wege, aber immerhin kommen seine Stammkunden trotzdem.

Paketzusteller Ali steht vor den geöffneten Türen seines Transporters

Gute Laune trotz Verspätung: Paketzusteller Ali

Auch Paketzusteller Ali merkt die Sperrung am Vormittag. Er liefert an der Aktienstraße Pakete aus und braucht länger als sonst. "Ich habe schon eine Stunde Verspätung", sagt er.

A40-Sperrung bringt Nachbarn Ruhe

Jede Stunde Sperrung genießen dagegen Ibrahim und seine beiden Töchter Shavi und Lisa. Die Familie wohnt an der Papestraße in Essen-Holsterhausen, mit direktem Blick auf die A40. Direkt unter ihrem Fenster rauschen sonst jeden Tag 80.000 bis 90.000 Autos vorbei. Jetzt ist es auch hier verhältnismäßig ruhig. Sogar bei geöffnetem Fenster.

Ibrahim, Shavi und Lisa stehen in ihrer Wohnung am geöffneten Fenster, darunter verläuft die leere A40

Die Autobahn-Sperrung ist für Ibrahim, Shavi und Lisa wie Urlaub

"Endlich kann man mal das Fenster aufmachen, besser schlafen und auch mal ein Buch lesen", sagt Shavi. Und Vater Ibrahim ergänzt: "Das ist gerade ein bisschen wie Urlaub für uns, denn jeder Mensch braucht Ruhe."

Neuer Asphalt für die A40

Zurück an der Stadtgrenze zwischen Essen und Mülheim machen sich viele Anwohner auch Sorgen. Aus Erfahrung. Die letzte A40-Sperrung in Mülheim ist gerade ein paar Wochen her. Da haben sich viele Autofahrer durch enge Wohnstraßen gequetscht. Immer auf der Suche nach dem Schleichweg, auf dem es schneller geht. Jetzt stehen an den Wohngebieten überall Schilder, die die Einfahrt verbieten.

Anliegerstraße in Essen mit einem "Anlieger frei"-Schild

Autofahrer sollen auf der offiziellen Umleitungsstrecke bleiben

Das soll die Autos bis Donnerstag, den 30. Juli, aus den Wohngebieten heraushalten. So lange dauert die Sperrung der A40. Sie bekommt auf knapp sechs Kilometern neuen Flüsterasphalt. Rund 110.000 Quadratmeter werden erneuert.

Dafür sind die Auf- und Abfahrten in Mülheim-Heißen, Mülheim-Heimaterde, Essen-Fronhausen und Essen-Holsterhausen ganz dicht. In Essen-Zentrum und Essen-Huttrop kann man zumindest in Richtung Dortmund normal auffahren.

Auch wenn das befürchtete Chaos ausgeblieben ist und die Sperrung an einigen Stellen für Ruhe und Idylle sorgt: Die meisten freuen sich jetzt schon das Ende - Autofahrer, Handwerker, Paketzusteller und auch der Metzger. "Ist ja nur eine Woche. Das werden wir schon überstehen", sagt dieser.

Sperrung der A40 im Ruhrgebiet gestartet

WDR 24.07.2026 00:47 Min. Verfügbar bis 23.07.2028

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Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräche mit Menschen an der Aktienstraße
  • Autobahn GmbH
  • Stadt Essen

Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 24.07.2026, 7:30 Uhr

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