Nach tragischem Unfall: Die Chance der Assistenzsysteme
Bildquelle: Michael Bihlmayer / Chromorange / vario imagesAktuelle Stunde . 28.05.2026. 38:14 Min.. UT. Verfügbar bis 28.05.2028. WDR. Von Thomas Kramer.
Für Autofahrer ist das Szenario ein Albtraum. Ein Herzinfarkt oder ein anderer medizinischer Notfall am Steuer sorgt dafür, dass man die Kontrolle über das Fahrzeug verliert. So wahrscheinlich auch bei dem Unfall in Dinslaken, bei dem zwei 12-Jährige ums Leben gekommen sind.
Systeme überwachen Fahrer und Umgebung
Hersteller versprechen Assistenzsysteme, die in medizinischen Notfällen die Inaktivität des Fahrers erkennen und das Kommando übernehmen. In einem Werbevideo von Volkswagen ist zu sehen, wie ein Auto von allein die Spur hält, die Warnblinker einschaltet und schließlich kontrolliert zum Stillstand kommt. "Kann agieren, wenn Sie nicht reagieren", so bewirbt VW seinen "Emergency Assist". Mercedes bezeichnet sein System als "aktiven Nothalt-Assistenten".
"Wir haben auf der einen Seite Systeme, die überwachen, wie es dem Fahrer geht. Das betrifft Fahrtüchtigkeit, Müdigkeit und die allgemeine Gesundheit", erklärt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Andere Systeme seien nach außen gerichtet, wie zum Beispiel Abstandshaltesysteme.
Neue EU-Vorgabe für Notbremsassistenzsysteme ab Juli
Die Sicherheitsfunktionen sollen nicht nur die Autoinsassen schützen, sondern auch die Umgebung des Fahrzeuges. Ab dem 7. Juli greift diesbezüglich eine neue EU-Vorgabe. Demnach werden Notbremsassistenzsysteme zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern bei der Erstzulassung von neuen Pkw zur Pflicht, so der ADAC.
Automobilexperte: Systeme technisch sehr ausgereift
"Die Notbremsassistenzsysteme sind technisch sehr ausgereift", sagt Automobilexperte Bratzel. Er erhofft sich von der EU-Vorgabe mehr Sicherheit im Straßenverkehr. "Gesetzliche Vorgaben können Innovationen mit vorantreiben, gerade auch im niedrigeren Preissegment", so Bratzel.
Ein weiteres Feature moderner Fahrzeuge sind eCall-Systeme, die bei Unfällen automatisch den Notruf kontaktieren. Dadurch können sie Leben retten, wenn die Insassen bewusstlos oder eingeklemmt sind und selbst keine Hilfe holen können. Für neu entwickelte Fahrzeugtypen ist die eCall-Funktion seit Januar verpflichtend.
Zahl der Verkehrstoten deutlich gesunken
Die bisherige Entwicklung im Straßenverkehr zeigt beeindruckende Erfolge. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Verkehrstoten deutlich zurückgegangen. 2025 haben 479 Menschen ihr Leben bei Verkehrsunfällen auf nordrhein-westfälischen Straßen verloren. In ganz Deutschland starben 2.814 Menschen. Vor 30 Jahren gab es noch etwa drei Mal so viele Verkehrstote. Bessere Fahrzeuge haben wohl einen Beitrag dazu geleistet.
Die stärkere Verbreitung von Assistenzsystemen könnte dafür sorgen, dass sich der Trend fortsetzt, glaubt Stefan Bratzel. Seiner Einschätzung nach können Unfälle dadurch zwar nicht vollständig vermieden, aber immerhin sehr stark reduziert werden.
Unsere Quellen:
- ADAC
- Interview mit Stefan Bratzel, Center of Automotive Management (CAM) Bergisch Gladbach
- Mercedes
- Statistisches Bundesamt
- Volkswagen
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr , Lokalzeit, 28.05.2026, 15:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 28.05.2026, 18.45 Uhr