Die Brücke auf der A42 über den Rhein-Herne-Kanal zwischen Bottrop und Essen ist eine von vielen maroden Brücken in NRW. Bis zu 85.000 Fahrzeuge müssen diese täglich passieren, darunter bis zu 14.000 Lkw. Seit über zwei Jahren dürfen die nur noch über die Brücke, wenn sie weniger als 3,5 Tonnen wiegen. Eigentlich.
Zehntausende Verstöße trotz Verbot
Obwohl Schilder eindeutig signalisieren, dass für Lkw hier Schluss ist, zählt die Stadt Bottrop seit März 2024 fast 64.000 eingeleitete Verfahren mit Verwarn- und Bußgeldern. Die Stadt Essen am anderen Ende der Brücke nochmal knapp 30.000 bis Ende Mai diesen Jahres. Gut vier Millionen Euro sind dadurch in die Stadtkassen gespült worden, davon etwa drei in die Bottroper.
Dafür sorgt ein System, das die Fahrzeuge kurz vor der Fahrt über die Brücke wiegt. Sind sie zu schwer, werden sie fotografiert und die Schranken senken sich. Personal leitet die Fahrzeuge - meist Lkw - dann ab. Manchmal seien auch überladene Wohnmobile oder Pritschenwagen von Handwerkern dabei, schreibt die Stadt. Für die zuständige Autobahn GmbH ist die Waage in Kombination mit der Schranke die einzige effektive Lösung, um die sanierungsbedürftige Brücke zu schützen und eine Vollsperrung zu vermeiden.
Ausstehende Zahlungen in Millionenhöhe
Dabei müssten es mehr als sieben Millionen Euro Einnahmen sein, wenn alle noch offenen Strafen gezahlt würden. Dass mehr als die Hälfte des Geldes fehlt, hat nach Angaben einer Stadtsprecherin aus Bottrop verschiedenen Gründe.
Nicht alle Beträge werden demnach am selben Tag beglichen, das sei grundsätzlich normal. Teilweise würden Wochen zwischen Versand der Bescheide und der Zahlung vergehen. Manche Strafen würden überhaupt nicht gezahlt oder das Geld nicht eingetrieben werden können, weil die Halter der Lkw im Ausland sitzen oder die Fahrer nicht ermittelt werden können.
Bußgeld fließt in städtische Straßen
Was nach einem regelrechten Geldsegen klingt, reicht allerdings gerade so aus, um die Folgen auszugleichen, die die umgeleiteten schweren Transporter oder Lkw auf den Straßen in Bottrop anrichten, erklärt der Technische Beigeordnete Klaus Müller.
"Wir haben hochgerechnet, dass der zusätzliche Verkehr allein auf Bottroper Straßen 6,5 Millionen Euro kostet." Klaus Müller, Diplom-Ingenieur für Raumplanung
Zudem gelte die Belastung auch für Anwohnerinnen und Anwohner sowie Unternehmen. Alle seien massiv beeinträchtigt, so Müller weiter. Und das wird wegen des Neubaus der A42-Brücke über den Rhein-Herne-Kanal noch einige Jahre so bleiben. Einen konkreten Termin nennt die Autobahn GmbH nicht.
Unsere Quellen:
- Stadt Bottrop
- Stadt Essen
- Autobahn GmbH
Sendung: WDR.de, Bußgelder in Millionenhöhe auf A42-Brücke in Bottrop, 29.06.2026, 5:02 Uhr