Interview mit dem Eurostarpassagier Gordon Lueckel | WDR Aktuell

WDR 00:39 Min. Verfügbar bis 28.06.2028

Bahnpanne Passagiere steckten stundenlang in heißem Eurostar-Zug fest

Stand:

Der Kölner Gordon Lueckel hat einen Hitze-Albtraum erlebt. Er saß mit seiner Frau und anderen Fahrgästen stundenlang in einem liegen gebliebenen Eurostar-Zug fest - bei 40 Grad. Dem WDR berichtet er von der Horrorfahrt.

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Katja Goebel

Ein Eurostar-Zug macht sich am Samstag um 16 Uhr bereits verspätet auf den Weg von Paris nach Köln - bei Rekordtemperaturen. Doch aus technischen Gründen ist die Fahrt plötzlich abrupt vorbei. Nur wenige Minuten nach dem Start stoppt der Zug schon kurz hinter dem Bahnhof Gare du Nord - dort steht der Zug mitten auf freier Strecke in der prallen Sonne.

Vier Stunden Hitze-Hölle im Eurostar

Gordon Lueckel steckte mehrere Stunden im liegengebliebenen Eurostar-Zug fest. Der Zug sollte nach Köln fahren.

Gordon Lueckel saß im Pannenzug

Im Zug sitzt auch der Kölner Gordon Lueckel. Er erzählt dem WDR, dass der Zug noch auf dem Stadtgebiet von Paris zum Stehen kommt. Klimaanlage, Strom und Lüftung - alles plötzlich aus. Die Bahnpassagiere ahnen da noch nicht, dass sich der außerplanmäßige Halt zum Horrortrip entwickeln wird.

"Wir haben nach zwei Stunden die Ansage bekommen, dass wir evakuiert werden." Gordon Lueckel, saß im liegen gebliebenen Eurostar-Zug

Um 18 Uhr sei die Ansage gekommen, dass der Zug evakuiert werde. Doch es tut sich nichts. "Wir mussten weiterhin warten, da sich die Türen nicht öffnen ließen", erzählt Lueckel.

"Das Bordpersonal war nicht in der Lage, die Tür dieses Fahrzeugs zu öffnen. Es kam da mittlerweile schon zu Panikattacken in dem Wagen." Gordon Lueckel

Neben Gordon Lueckel sitzen ein Arzt und eine Ärztin. "Die waren im Dauereinsatz wegen Kreislaufproblemen und Herzproblemen bei weit über 40 Grad."

"Das Ding ist ne Konserve, wenn die Lüftung ausfällt." Gordon Lueckel

Meditation und Randale im Eurostar-Zugabteil

Gordon Lueckel und seine Frau versuchen, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Sie helfen sich mit Meditation. In anderen Wagen sei es aber zu Randalen gekommen. Dort hätten Menschen auch versucht, Scheiben einzuschlagen. Eine Frau sei mit blutigen Händen durch den Zug gelaufen. Sie habe versucht, die Menschen davon abzuhalten, auf die Gleise zu laufen. "Unmittelbar daneben sausten ja die Züge durch."

Erst um 20 Uhr habe der Wechsel in den Ersatzzug stattgefunden. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte seien im Einsatz gewesen. "Erst um 21.15 Uhr ging es weiter, weil man in dem anderen Zug die Türen nicht schließen konnte."

"Es hat keinen Notfallplan gegeben"

Dass ein Zug mit technischen Problemen ausfalle, könne passieren, sagt Gordon Lueckel in der Nachbetrachtung einen Tag später. "Besser ein Hochgeschwindigkeitszug mit technischen Problemen, der steht, als einer, der fährt", sagt der Kölner. Doch er habe kein Verständnis, dass es offenbar keinen Notfallplan gegeben habe. Das Personal sei panisch gewesen. Es gab kein Wasser. Menschen hätten sich auf den Boden gelegt, andere hätten geweint.

Geschockt war Lueckel, dass das Personal die Türen nicht öffnen konnte. "Stellen Sie sich vor, es hätte gebrannt. Wir wären da nicht rausgekommen."

Am Tag danach noch keine Entschuldigung

Hat das Unternehmen sich bislang gemeldet? Nein, sagte Lueckel am Sonntag. Ihnen sei lediglich mitgeteilt worden, dass ihnen der Fahrpreis erstattet werde. Der Ersatzzug fuhr allerdings nicht nach Köln, sondern nach Brüssel.

"Wir werden da nie mehr einsteigen." Gordon Lueckel

Weitere Eurostar-Züge in Belgien gestoppt

Der unfreiwillige Halt auf freier Strecke nördlich von Paris war offensichtlich nicht der einzige in diesen Tagen. Laut Nachrichtenagentur AFP mussten in Belgien ebenfalls zwei liegen gebliebene Eurostar-Züge evakuiert werden. Darunter ein Zug von Köln nach Paris mit 400 Reisenden an Bord.

Das Unternehmen Eurostar berichtet auf der eigenen Homepage selbst von etlichen Zugausfällen "aufgrund einer außergewöhnlichen Hitzewelle." Betroffen seien nach eigenen Angaben allein sieben Züge zwischen dem 28. und dem 30. Juni 2026.

Guter Rat von Eurostar: Reise verschieben

Und das Unternehmen veröffentlicht auf der Seite mit der Überschrift "Aktualisierte Liste der Zwischenfälle" auch noch einen guten Rat für seine Kunden:

"Derzeit herrschen an allen unseren Reisezielen extrem heiße Wetterbedingungen, was sich möglicherweise auf ihr Reiseerlebnis auswirken könnte. Wenn Sie eine Reise zwischen Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland gebucht haben, raten wir Ihnen dringends, Ihre Reise auf einen anderen Termin zu verschieben."

Eurostar: Keine Info über Verletzte auf WDR-Anfrage

Auf eine schriftliche Anfrage des WDR zu den Ereignissen reagierte ein Eurostar-Sprecher schließlich am Montagmorgen. Darin heißt es, der Konzern spreche den betroffenen Fahrgästen "seine volle Unterstützung" aus. Das Eurostar-Team sei sich der aufgetretenen Schwierigkeiten bewusst: "Wir danken unseren Kunden aufrichtig für ihr Verständnis und ihr Vertrauen."

Den Angaben zufolge werden die Ticketkosten den Fahrgästen erstattet, zusätzlich erhalten diese hundert Prozent des Ticketpreises als E-Gutschein. Auf konkrete Fragen zu Verletzten antwortete Eurostar hingegen nicht - ebensowenig, warum sich die Türen nicht öffnen ließen.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR-Fernsehen, WDR aktuell, 28.06.2026, 12:45 Uhr

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