Längere Staus durch die Sperrung der Bonner Nordbrücke

WDR 01:57 Min. Verfügbar bis 23.06.2028

Bonner Nordbrücke "Dass es so dramatisch wird, hätten wir nicht gedacht"

Stand:

Der ADAC hat untersucht, wie lange Autofahrer in Bonn im Stau stehen - vor und nach der Sperrung der Nordbrücke. Die Analyse zeigt: Vor allem stadteinwärts dauert es jetzt richtig lange.

Autofahrer bemerken es seit der Sperrung der Nordbrücke deutlich: Viele Ausweichstrecken sind überlastet. Jetzt liefert der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) konkrete Zahlen zur Stausituation. Dazu hat er die Stauzeiten in der Woche vor der Sperrung (4. bis 10. Mai) mit der vergangenen Woche nach der Sperrung (15. bis 21. Juni) verglichen.

Um die 100 Stunden Stau wegen Nordbrücken-Sperrung

Ein Ergebnis: Vor allem auf den Ausweichbrücken staut es sich. Auf der Kennedybrücke (B56) zwischen Bonn-Vilich und dem Endenicher Ei steckten Pendler demnach 93 Stunden im Stau, was einer Steigerung um 66 Prozent im Vergleich zur Woche vor der Brückensperrung entspricht. Stadtauswärts waren es in der Woche nach der Sperrung 107 Stunden.

Staukarte des Bonner Stadtgebiets mit rot markierten Ausweichrouten und stark erhöhtem Verkehrsaufkommen. Die größten Zunahmen liegen bei 150% auf der B9, 125% auf der A562 und 66% auf der B56.

Staulage auf den Brücken und im Bonner Stadtgebiet

Auch auf der Konrad-Adenauer-Brücke, der sogenannten Südbrücke, hat sich die Stauzeit seit der Sperrung mehr als verdoppelt. Auf der B9 in Richtung Innenstadt stieg die Stauzeit laut ADAC Nordrhein sogar um 150 Prozent.

Auch auf den Autobahnen A555 und A4 brauchen Pendler seit der Sperrung der Nordbrücke deutlich mehr Geduld. Vor allem während des Berufsverkehrs kommt es zwischen dem Kreuz Bonn-Nord und dem Kreuz Köln-Süd (A555), beziehungsweise zwischen dem Kreuz Köln-Süd und dem Dreieck Heumar (A4), zu Staus und stockendem Verkehr.

Karte des Raums Köln-Bonn mit einer rot markierten Verkehrsroute entlang des Rheins. Angezeigt werden Verkehrszunahmen von 35% auf der A4 und 76% auf der A555.

Auf der A4 und A555 gibt es jetzt mehr Stau

ADAC: Rücknahme der Fahrradspuren auf Adenauerallee

Mit einer Zunahme des Staus habe man gerechnet, so ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold, aber "dass es an einzelnen Hotspots so dramatisch wird, das hätten wir nicht gedacht."

Roman Suthof steht im Anzug vor einer gelben Wand mit der Aufschrift ADAC

ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthof

Der ADAC empfiehlt, die Fahrradspuren als Entlastung der Bonner Adenauerallee temporär zurückzunehmen. Denn damit gäbe es mehr Platz für Autos. Er argumentiert, Radfahrende könnten gut über andere Straßen ausweichen.

Die Stadt Bonn hat das in einem Ratsentscheid bereits beschlossen. Der Verkehrsversuch auf der Adenauerallee mit je einer ganzen Fahrspur für Radfahrer soll beendet werden - und wieder zwei Spuren pro Richtung für Autofahrer freigegeben werden. Die Stadt prüft, ob Radfahrer in Zukunft sicher auf einem markierten Weg daneben fahren können, oder ob der Radverkehr über Kaiserstraße, Rheinufer und Weberstraße umgeleitet werden muss.

Radentscheid Bonn: Mehr Radverkehr auf Adenauerallee seit Sperrung

Steffen Schneider vom Radentscheid Bonn kann das nicht nachvollziehen: "Unsere Zählungen haben ergeben, dass seit der Sperrung der Nordbrücke der Radverkehr auf der Aenauerallee noch stärker zugenommen hat als der Autoverkehr." Außerdem seien Schulen und Universitäten entlang der Straße auf sichere Radwege angewiesen. Die Rücknahme der Radspur sei deshalb eine Fehlentscheidung.

ADACTipp für Bonn: Homeoffice und antizyklisch fahren

Wer auf das Fahrrad ausweichen kann, sollte das laut ADAC auch unbedingt tun. Wer aber zwingend auf das Auto angewiesen ist, sollte versuchen, möglichst die Stoßzeiten zu meiden oder das letzte Stück in die Innenstadt mit Bus und Bahn zu fahren. Bis Ende Juni ist der ÖPNV in Bonn auch kostenlos. Homeoffice-Tage lohnen sich vor allem am Mittwoch und Donnerstag, weil da die Staugefahr am größten ist.

Autos stauen sich an der Auffahrt zu einer Brücke

Stau an der Bonner Kennedybrücke

Und das werde auch auf absehbare Zeit so bleiben, nämlich bis eine neue Brücke stehe.

"Wir werden diese Staubelastung auch in den nächsten zwei Jahren haben." Roman Suthold, ADAC-Verkehrsexperte

Teil-Neubau der Bonner Nordbrücke unverzichtbar

Die Analyse des ADAC zeigt deutlich, wie viel länger Autofahrer seit der Sperrung der Bonner Nordbrücke im Stau stehen. Der ADAC betont deshalb, wie wichtig es ist, die linksrheinische Vorlandbrücke schnell zu erneuern.

Eine Satelliten-Ansicht der Stadt Bonn rund um die Bonner Nordbrücke, ein Teil der Brücke ist rot markiert.

Auf der hier markierten Vorlandbrücke sind die Schäden aufgetreten.

Wegen der schweren Schäden an der Vorlandbrücke ist die Nordbrücke seit dem 3. Juni voll gesperrt. Bis Ende 2028 soll die Vorlandbrücke abgerissen und erneuert werden. Fußgänger und Radfahrende sollen die Nordbrücke aber voraussichtlich schon Ende des Sommers wieder nutzen können.

ADAC-Analyse Sperrung Nordbrücke

WDR 23.06.2026 00:33 Min. Verfügbar bis 23.06.2028

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Unsere Quellen

  • WDR Reporter vor Ort
  • ADAC Analyse: Hier sorgt die Sperrung der Bonner Nordbrücke für längere Staus
  • WDR.de-Berichte zur gesperrten Bonner Nordbrücke
  • Pressemitteilung der Stadt Bonn

Sendung: WDR.de, ADAC-Anaylse Sperrung Nordbrücke, 23.06.2026, 09:15 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 23.06.2026, 19:30 Uhr

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