Sicherheitspanne: Kölner Flugbetrieb kurzzeitig eingestellt
Bildquelle: ddp/Michael BihlmayerAktuelle Stunde . 13.02.2026. 33:57 Min.. UT. Verfügbar bis 13.02.2028. WDR. Von Frank Piotrowski.
Ein Reisender, der sich bereits um 7 Uhr morgens in die Warteschlange zur Sicherheitskontrolle gestellt hatte, stand mittags immer noch da. Er habe "zwei Fliesen in anderthalb Stunden geschafft".
So wie ihm ging es Tausenden. Der Grund: Eine Panne im neuen Sicherheitssystem, das erst einen Tag vorher in Betrieb genommen wurde. Wie kam es zu der Panne?
Neue CT-Scanner lösen alte Röntgengeräte ab
Tausende mussten am Freitag warten
Bildquelle: dpa/ Henning KaiserKonkret geht es um moderne CT-Scanner, die die Kontrolle erheblich beschleunigen - theoretisch. Diese Geräte liefern ein viel genaueres und vor allem ein räumliches Bild des Inhalts von Gepäckstücken. Sie ähneln technisch den Computertomographie-Geräten, die auch in der Medizin eingesetzt werden.
Die neuen CT-Scanner können das Gepäck rundherum durchleuchten.
Bildquelle: dpa/Sebastian GollnowBei einem Scan rotieren sogenannte Röntgen-Projektoren um das Gepäckstück herum und zeigen den Inhalt aus hunderten Blickwinkeln. Im Gegensatz zu den alten Röntgen-Geräten, die meistens nur aus einer Richtung durch den Koffer schauen, kann so nichts überlagert oder verdeckt werden. Zusätzlich prüfen die Geräte auch die Dichte und das Material der Gegenstände im Koffer. So kann das System auch berechnen, ob explosive Gegenstände oder Substanzen enthalten sind. Dadurch können zum Beispiel elektronische Geräte und auch Flüssigkeit im Gepäckstück gelassen werden.
Die Scanner sind bereits an vielen deutschen Flughäfen im Einsatz, von strukturellen Problemen ist bisher nichts bekannt. Experten warnten allerdings vor möglichen Schwierigkeiten beim Übergang auf die neue Technik, deshalb müsste unter anderem das Personal gut geschult werden.
Neue Technik erst seit Donnerstag im Betrieb
Am Flughafen Köln/Bonn wurden die neuen Scanner an drei Gepäckspuren an der Sicherheitskontrolle am Donnerstagmorgen gegen 8.30 Uhr in Betrieb genommen. Acht Spuren laufen weiter mit den alten Röntgen-Geräten. Insgesamt gab es also elf Spuren, sieben Spuren mit der alten Technik wurden außer Betrieb genommen. CT-Scanner können etwa 250 Fluggäste pro Stunde abfertigen, die alten Geräte nur etwa 100.
Selbst wenn alles reibungslos läuft, werden mit diesen 11 Spuren rein rechnerisch also 250 Gäste weniger pro Stunde abgefertigt als zuvor mit 18 Spuren.
Sicherheitsrelevanter Fehler am Freitagmorgen
Am Freitagmorgen zeigte sich dann, dass das neue System noch nicht reibungslos funktioniert. Gegen 6.30 Uhr sollen Mitarbeiter in einer Tasche verdächtige Gegenstände identifiziert haben. Auf den Kontrollmonitoren seien diese Gegenstände deutlich als möglicherweise gefährlich zu erkennen gewesen. Die Tasche hätte deshalb von der Anlage aussortiert werden müssen. Statt die Tasche zur Nachkontrolle auf ein gesondertes Band zu leiten, hat das System das Handgepäckstück aber zum Passagier auf das Band geschickt. Die unbekannte Person nahm die Tasche und verschwand damit im Sicherheitsbereich.
Offenbar handelte es sich also nicht um ein technisches Versagen des CT-Scanners. Zu den Sicherheitsfragen, was genau falsch gelaufen ist, konnte der Flughafen bisher noch nichts offizielles mitteilen.
Etwa drei Stunden lang Stillstand
Als das betroffene Gepäckstück nicht mehr kontrolliert werden konnte, räumte die Bundespolizei den Abflugbereich, etwa drei Stunden lang ging gar nichts mehr. Ob Gepäckstück und Passagier gefunden wurden, ist nicht bekannt. Anschließend mussten sich die etwa 800 Passagiere wieder in die Warteschlange stellen - zusammen mit vielen neuen Passagieren. Für deren Sicherheitskontrollen konnten nun nur die acht Spuren mit der alten Röntgen-Technik eingesetzt werden.
Etwa 800 Passagiere waren direkt von der Panne in Köln/Bonn betroffen.
Bildquelle: WDR/Oliver KöhlerIn der Folge gab es den ganzen Tag über stundelange Wartezeiten, für Tausende Passagiere. Einige, die bereits seit dem frühen Morgen warteten, beschwerten sich darüber, dass vor Ihnen Fluggäste eincheckten, die viel spätere Flüge hätten. Viele kritisierten allgemein, dass man schwer an Informationen komme. Zeitweise gab es auch Ansagen über Megaphon von der Polizei, andere Hinweise kamen über die Lautsprecher des Flughafens.
Und es gab falsche Angaben zur Wartezeit auf der Internetseite des Flughafens, dort waren 40 Minuten angegeben, obwohl es mehrere Stunden waren. Ein Fehler, wie ein Flughafenprecher sagte, die Angaben zur Wartezeit hätten eigentlich ganz abgeschaltet werden sollen. Einzelne Flüge wurden gestrichen, andere mussten ohne Passagiere abheben.
"Karneval können die Kölner, aber sonst auch nix", so der Kommentar eines Wartenden.
Auch beim zweiten Versuch versagt die Technik
Am Nachmittag sollen dann nach WDR-Informationen gegen 14 Uhr die drei CT-Scanner wieder eingeschaltet worden sein. Etwa eine Stunde später habe sich dann laut Flughafen eine Unregelmäßigkeit an einem der neuen Geräte gezeigt. Daraufhin seien alle CT-Scanner wieder außer Betrieb genommen worden.
Aktuell ist nicht klar, wann die neuen Anlagen wieder laufen. Der Flughafen Köln/Bonn erneuert zur Zeit die gesamte Passagierkontrolle. Die neue Technik sei umfassend getestet worden, auch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden, betont der Flughafen Köln/Bonn.
Gewerkschaft kritisiert "Umbaumaßnahmen im laufenden Betrieb"
Grundsätzlich habe er nichts gegen neue Technik als unterstützende Maßnahme, sagte Özay Tarim von der Gewerkschaft Verdi dem WDR am Freitag auf dem Flughafen. Er kritisiert jedoch, dass das zum Personalabbau genutzt werde.
"Wir haben immer kritisiert, dass die Umbaumaßnahmen im laufenden Betrieb stattfinden und gleichzeitig Personal abgebaut wird", so Tarim. Die Gewerkschaft habe darauf gedrängt, doch erst einmal zu schauen, wie es im echten Betrieb läuft und dann zu schauen, wieviel Personal nötig ist. "Das was jetzt passiert, wundert uns nicht, man hat den ersten vor dem zweiten Schritt gemacht."
Am Freitagabend wurden die Wartezeiten dann wieder spürbar kürzer beim Abflug in Köln/Bonn. Wie es am Wochenende läuft, wann die neuen Scanner wieder in Betrieb gehen können, muss sich erst noch zeigen.
Unsere Quellen:
- Lukas Weinberger, Flughafen Köln/Bonn
- Özay Tarim, Verdi
- Fluggäste in Köln/Bonn
- Eindrücke von WDR-Reportern vor Ort
- Bisherige WDR-Berichterstattung