Starke Gewitterlage während einer Hitzewelle: Wolken ziehen auf, der Himmel ist dunkel.

Gewitter genau vorhersagen Warum Wettermodelle oft danebenliegen

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Gewitter entstehen auf kleinstem Raum und lassen sich selbst mit KI und Milliarden Wetterdaten nur begrenzt genau vorhersagen.

Von Johannes Weckwerth

Ob wir morgen die Sonnenbrille oder den Regenschirm brauchen, lässt sich heute oft erstaunlich zuverlässig vorhersagen. Dahinter steckt allerdings weit mehr als ein Blick aus dem Fenster: Weltweit liefern Tausende Wetterstationen, Satelliten, Radaranlagen, Bojen, Flugzeuge und Wetterballons ununterbrochen neue Messdaten. Sie bilden die Grundlage für moderne Wettermodelle, die berechnen, wie sich die Atmosphäre in den nächsten Stunden und Tagen entwickelt.

Die sogenannten "Fische" - Sensoren am Rumpf von Flugzeugen - liefern mittlerweile viele Atmosphärendaten, trotzdem bleibt Wetter ein schwieriges Geschäft: Schon kleinste Unterschiede im Ausgangszustand können dazu führen, dass sich das Wetter einige Stunden oder Tage später völlig anders entwickelt.

So rechnen Wettermodelle in die Zukunft

Die eigentliche Wettervorhersage beginnt mit einem möglichst genauen Bild der aktuellen Wetterlage. Computermodelle berechnen dann, wie sich Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind verändern. Dafür kommen Hochleistungsrechner zum Einsatz.

Ergänzt werden die klassischen Modelle inzwischen durch Künstliche Intelligenz. Das KI-Modell AICON des Deutschen Wetterdienstes hat aus früheren Wetterlagen gelernt, typische Entwicklungen zu erkennen. Es kann Vorhersagen besonders schnell berechnen und hilft dabei, Unsicherheiten besser einzuschätzen.

Warum ausgerechnet Gewitter so schwierig sind

Während sich große Hoch- und Tiefdruckgebiete oft über Hunderte Kilometer erstrecken, entstehen Gewitter häufig auf engstem Raum. Genau darin liegt das Problem. Wettermodelle teilen die Atmosphäre in ein dreidimensionales Gitter auf. Berechnet werden die Wettergrößen nur an den Gitterpunkten, die - je nach Modell - mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen. Dazwischen muss das Modell abschätzen, was passiert.

Entsteht ein Gewitter genau an einem berechneten Punkt, erkennt das Modell die Entwicklung oft recht gut. Bildet sich die Gewitterzelle aber wenige Kilometer daneben, kann sie im Modell deutlich schwächer erscheinen oder sogar ganz fehlen.

Hinzu kommt: Für die Entstehung eines Gewitters müssen viele Zutaten gleichzeitig stimmen. Temperatur, Luftfeuchtigkeit in verschiedenen Höhen, die Schichtung der Atmosphäre sowie Auf- und Seitenwinde müssen genau zusammenpassen. Schon kleine Unterschiede entscheiden darüber, ob sich eine harmlose Quellwolke bildet oder ein kräftiges Gewitter entsteht.

Wie ein furzender Schlittenhund

Das Problem lässt sich mit einem ungewöhnlichen Vergleich beschreiben:

Man hat die Schlittenhunde vor den Schlitten gespannt, gefüttert und weiß mit Sicherheit, dass sie in der nächsten halben Stunde furzen werden. Aber an welchem Punkt der Strecke genau - und welcher Hund damit anfängt - das kann man nicht exakt vorhersagen. Jürgen Vogt, WDR-Wetterredaktion

Ähnlich verhält es sich mit Gewittern. Sind die Bedingungen günstig, wissen Meteorologinnen und Meteorologen oft, dass sich irgendwo in einer Region Gewitter bilden werden. Wo die erste Gewitterzelle tatsächlich entsteht und wann genau sie loslegt, entscheidet sich aber häufig erst kurzfristig.

Auch der Boden spielt eine Rolle

Wettermodelle müssen auch berücksichtigen, was am Boden passiert. Sonneneinstrahlung erwärmt Böden und Gewässer, Feuchtigkeit verdunstet und Pflanzen geben Wasser an die Luft ab. Ein großer Laubbaum kann an einem warmen Sommertag mehrere hundert Liter Wasser verdunsten. All diese Prozesse beeinflussen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und letztlich auch die Bildung von Wolken und Nebel.

Erfahrung bleibt unverzichtbar

Deshalb verlassen sich Meteorologinnen und Meteorologen nicht auf ein einziges Modell. Sie vergleichen verschiedene Modelle miteinander, kennen deren typische Stärken und Schwächen und ordnen die Ergebnisse anhand ihrer Erfahrung ein. Eine hundertprozentige Treffsicherheit wird es beim Wetter nie geben.

Warum Gewitter schwer vorherzusagen sind

WDR 05.08.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 04.08.2028

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Unsere Quellen:

  • Jürgen Vogt, WDR-Wetterredaktion

Sendung: WDR.de, Warum Gewitter schwer vorherzusagen sind, 05.08.2026, 06:22 Uhr

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