Als Kind war ich oft im nördlichen Zipfel von Rheinland-Pfalz unterwegs. Zum Fragenstellen und Fotosmachen. Mein Vater fuhr als Lokaljournalist zu großen und kleinen Terminen in der Region. Wenn sie kindertauglich waren, war ich oft an seiner Hand mit dabei. Dass er fremden Menschen Fragen stellen durfte und meistens auch Antworten bekam, fand ich beeindruckend. Und dass er beharrlich bohrte, wenn er keine bekam, auch.
Genauso beeindruckend war der Moment, wenn nach dem Termin in der Dunkelkammer aus weißem Papier plötzlich Fotos wurden. Und wie blitzschnell seine Finger über die Tastatur der Schreibmaschine huschten! Aus dem Erlebten entstand durch ihn ein Zeitungsartikel, der Menschen informierte, aufregte oder berührte. Das wollte ich auch können!
Anstelle von Fotoapparat und Block bin ich heute mit Kamera, Mikro und Smartphone unterwegs und berichte nicht für die Zeitung, sondern für die TV-, Hörfunk- und Online-Angebote des WDR. Aber mein wichtigstes Arbeitsmittel habe ich von ihm geerbt: die Leidenschaft für Menschen und ihre Geschichten.