Marode Straßen und Schienen in Deutschland | WDR aktuell

WDR 00:26 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Verkehrsminister Krischer "Marodeste Straßen und Schienen in Deutschland"

Stand:

Laut Oliver Krischer hat NRW die marodesten Straßen und Schienen Deutschlands. Im WDR-Interview spicht der Verkehrsminister über seine Erwartungen an den Bund, seine Erinnerungen an ehemalige CSU-Verkehrsminister und den neuen Mann im Verkehrsministerium.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) erwartet von seinem neuen Amtskollegen im Bund, Steffen Bilger (CDU), dass dieser sich künftig vor allem um die Autobahnen und Schienen in NRW kümmert statt um "Prestigeprojekte in Bayern". Wir haben im WDR5-Morgenecho mit ihm gesprochen - hier das Interview im Wortlaut.

WDR: Das Verkehrssystem muss saniert werden, vor allem auch Bahn und Schiene. Da sind sich Bund und Länder einig, oder?

Oliver Krischer: Ja, da sind wir uns völlig einig. Die Frage ist, wie kommt man dahin, wie arbeitet man daran, welche Prioritäten setzt man, wo setzt man die Mittel ein. Da gibt es schon unterschiedliche Perspektiven auf das Thema. Da erwarten wir natürlich vom Bund, dass er sich um die Autobahnen und die Schienen in Nordrhein-Westfalen kümmert. Die sind die marodesten in Deutschland und da muss das Sondervermögen investiert werden. Das ist die Hauptaufgabe von Steffen Bilger jetzt in den nächsten Jahren.

Die sind die marodesten in Deutschland und da muss das Sondervermögen investiert werden. Oliver Krischer über Straßen und Scheinen in NRW

WDR: Nordrhein-Westfalen bekommt gut 21 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen. Das klingt nach einem fairen Deal.

Krischer: Naja, also wenn man bedenkt, dass das Sondervermögen 500 Milliarden ist. Wir als größtes Bundesland bekommen davon 21 Milliarden. Da würde ich sagen: Das ist wichtig, das hilft uns, das bringt uns auch voran, aber das könnte schon einiges mehr sein.

Entscheidend ist aber, dass der Bund wirklich auch bedarfsorientiert investiert. Und dass das wirklich dahin kommt, wo die Probleme am größten sind und die sind in Nordrhein-Westfalen am größten: kaputte Autobahnbrücken, ein marodes Schienensystem.

Wir alle erleben das jeden Tag, wo die Probleme sind - und in der Vergangenheit hat es leider Verkehrsminister auf Bundesebene gegeben, die nicht nach Prioritäten, sondern die nach Himmelsrichtung und regionaler Präferenz investiert haben.

Und ich hoffe, dass diesen Kurs, den Patrick Schnieder jetzt wirklich gut gemacht hat, dass der unter Stefan Bilger weitergeht.

Luftaufnahme vom Baustellenbereich West der neuen Leverkusener Rheinbrücke in Köln-Merkenich.

Wichtige Verkehrsader: Die Rheinbrücke Leverkusen

WDR: Sie sind sich ja auch im Parlament schon begegnet, Herr Bilger und Sie. Sie klingen gerade recht zuversichtlich, dass es gelingen könnte, dass große Ganze gemeinsam zu stemmen.

Krischer: Naja, das Gute ist, dass die vielen Grundsatzauseinandersetzungen nicht dazu führen dürfen, dass wir uns bei der notwendigen Sanierung der Infrastruktur gegenseitig blockieren. Das hat in der Vergangenheit teilweise stattgefunden, also in der weiteren Vergangenheit, ich erinnere an die CSU-Verkehrsminister.

Ich kenne Steffen Bilger aus dem Bundestag aus langjähriger Zusammenarbeit so, dass er da auch sachorientiert ist, dass er hier auch die Bodenständigkeit eines Patrick Schnieders hat und dass wir uns konkret um die Fragestellungen, die bei uns anstehen, die jetzt wirklich auch angepackt werden müssen - das ist eine Bonner Nordbrücke, das ist eine Wiehltalbrücke, das sind die nicht gut laufenden Generalsanierungen bei der Deutschen Bahn und vieles, vieles mehr, was da gemacht werden muss - dass wir uns da gemeinsam drauf verständigen können.

Ein Lkw auf der Autobahnbrücke

Sorgenkind: Die Bonner Nordbrücke

WDR: Herr Krischer, Sie wissen schon, was für Schlagzeilen draus werden - nämlich: "lieber Herr Bilger, mach bloß keine CSU-Verkehrspolitik". Aber Danke, dass Sie es so pointiert zusammengefasst haben.

Krischer: Es ist ja nun so, dass es alle Verkehrsminister trifft, dass wir die Scherben der Vergangenheit im Moment zusammenkehren und dass das eine große Herausforderung ist. Und da muss man auch mal benennen, wo die Scherben herkommen. Da sind halt falsche Prioritäten gesetzt worden. Da ist sich mit einer Pkw-Maut auseinandergesetzt worden, wo man hätte sich um die Infrastruktur kümmern müssen.

Und insofern bin ich optimistisch, auch bei Steffen Bilger, dass hier die richtigen Prioritäten erkannt werden. Es gibt in der Verkehrspolitik noch genug Themen.

Das Gespräch führte Uwe Schulz im WDR5-Morgenecho. Für die Online-Version haben das Interview leicht eingekürzt und sprachlich geglättet, ohne den Inhalt zu verändern.

Verkehrswege in NRW: "Marodeste in Deutschland"

WDR 5 Morgenecho - Interview 30.07.2026 06:26 Min. Verfügbar bis 30.07.2027 WDR 5

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Unsere Quelle:

  • Interview mit Verkehrsminister Oliver Krischer im WDR5-Morgenecho

Sendung: WDR5, Morgenecho, 30.07.2026, 6 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 30.07.2026, 12:45 Uhr

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