Schwere Vorwürfe stehen im Raum: Kollegen im Team des privaten Rettungsdienstes Falck auf Wache 3 in Duisburg sollen Patienten fotografiert und verhöhnt und möglicherweise in einzelnen Fällen sogar bewusst gefährdet haben. Das berichteten Team-Insider im WDR. Das Unternehmen kündigte eine umfassende Untersuchung an, die Staatsanwaltschaft prüfte die Aufnahme von Ermittlungen. Jetzt gibt es erste Ergebnisse.
Mehrere Verdachtsmomente gegen Falck-Mitarbeiter
Die Staatsanwaltschaft Duisburg teilt auf WDR-Anfrage mit: "Es wurde nun ein Ermittlungsverfahren gegen vier Beschuldigte wegen des Verdachts der Beleidigung, der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und der Belohnung und Billigung von Straftaten eingeleitet." Nachdem ursprünglich nur geprüft wurde, ob es ausreichend Hinweise auf Straftaten gibt, laufen nun also Ermittlungen gegen vier zum möglichen Tatzeitpunkt bei Falck beschäftigte Mitarbeiter.
Gutachten im Auftrag von Falck: "Fehlverhalten einzelner"
Auch Falck selbst hat jetzt Ergebnisse der Untersuchung einer externen Anwaltskanzlei veröffentlicht, die laut Unternehmen 18 Gespräche mit aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern von Wache 3 führte und schriftliche Unterlagen auswertete. Das Unternehmen betont: "Wo Fehlverhalten nachgewiesen wurde, hat Falck konsequent gehandelt: Arbeitsverhältnisse wurden beendet und Strafanzeige bei der Polizei erstattet."
Festgestellt worden sei aber lediglich "Fehlverhalten einzelner", es gebe "keine Anhaltspunkte für ein systematisches Fehlverhalten von Falck - insbesondere kein bewusstes Wegsehen (...) seitens der Unternehmensführung". Eingestanden werden jedoch "Defizite in der Weiterleitung" von Informationen über Fehlverhalten an übergeordnete Stellen. Das Problem wird damit ganz "auf Standortebene in Duisburg" verortet.
Was bisher geschah
- Ausgangspunkt sind mutmaßliche Vorfälle auf Rettungswache 3 in Duisburg, etwa seit April 2025. Eine WDR-Recherche deckte auf: Aus dem Kreis der Wache wurde Mitarbeitern dort schweres Fehlverhalten vorgeworfen. Sie sollen Patientinnen und Patienten heimlich fotografiert, verspottet und in einzelnen Fällen möglicherweise sogar bewusst gefährdet haben.
- Laut Stadt Duisburg hatte die Falck-Geschäftsführung selbst eingeräumt, dass es seit Oktober 2025 Gerüchte über Fehlverhalten gab - die Stadt aber erst im Mai 2026 informiert.
- Ende Juni 2026 machten WDR-Berichte die Vorwürfe öffentlich. Zwischenzeitlich hatte Falck eine externe Anwaltskanzlei mit der Aufklärung beauftragt. Die Staatsanwaltschaft prüfte die Aufnahme von Ermittlungen.
- Anfang Juli erreichte der Fall den Duisburger Stadtrat: Die Politik forderte schnelle und transparente Aufklärung.
Interne Auswertung: Starke Gruppenbildung auf der Wache
Aus der internen Auswertung des Gutachtens der Kanzlei erfuhr der WDR zudem, dass auf der Wache eine starke Gruppenbildung ausgemacht wurde - demnach ständen sich zwei Gruppen und deren Aussagen unvereinbar gegenüber. Bei manchen der Vorwürfe stand deshalb wohl Aussage gegen Aussage - und die Kanzlei konnte sie nicht abschließend aufklären.
Unternehmen bestätigt Patientenaufnahmen
Rettungswagen von Falck in der Wache 3 in Duisburg
Bestätigt wird vom Unternehmen mittlerweile, dass Mitarbeitende in zwei Fällen Patientenaufnahmen angefertigt hätten. In einem Fall sei eine solche Aufnahme auf der Wache rumgezeigt worden. Es wird als wahrscheinlich angesehen, dass der Mitarbeitende in weiteren Fällen Bilder rumzeigte, von Patienten und auch Verstorbenen. Er wurde entlassen.
Zu dem Vorwurf, dass eine Patientin im Rettungswagen bewusst abgeschnallt und dann scharf gebremst worden sei, heißt es: Beweise für diesen Vorgang lägen nicht vor. Ein Mitarbeiter habe jedoch eingeräumt, dass es vorgekommen sei, dass er Patienten nicht wieder angeschnallt habe, die sich eigenständig abgeschnallt hätten. Auch hier sei der Betreffende nicht mehr im Unternehmen.
WDR-Informationen: Weitere personelle Konsequenzen möglich
Die Staatsanwaltschaft ermittelt jedoch gegen vier Beschuldigte und nach WDR-Informationen wurde auch innerhalb des Falck-Teams angekündigt, dass es weitere Gespräche geben soll und weitere personelle Konsequenzen möglich seien. Offiziell äußert sich das Unternehmen auf unsere Nachfrage dazu nicht.
Angekündigt wird, dass "bestehende Regeln zum Foto- und Videofilmverbot" künftig "noch konsequenter" durchgesetzt würden. Auch solle es organisatorische Veränderungen im Team auf Wache 3 geben:
"Durch Rotationsmodelle, Supervision und gezielte Reflexion von Gruppennormen stellen wir (...) sicher, dass problematische informelle Strukturen künftig frühzeitiger erkannt und aufgebrochen werden." Falck
Stadt Duisburg prüft weiter "vertragliche Konsequenzen"
Die Stadt Duisburg als Auftraggeber des Rettungsdienstes schreibt, sie begrüße, "dass die Mitarbeiter, bei denen Fehlverhalten festgestellt wurde, nicht mehr für Falck eingesetzt werden". Die Ergebnisse der internen Untersuchung würden in den nächsten Tagen genauer ausgewertet und die "von Falck angekündigten Veränderungen in der Organisation des Rettungsdienstes an der Wache 3 werden (...) hinsichtlich ihrer Umsetzung überprüft."
Rathaus Duisburg
Zuletzt hatte das Verhältnis von Stadt und Unternehmen sehr gelitten. Die Stadt hatte immer wieder deutlich gemacht, dass ihr bisherige Aufklärungsschritte von Unternehmensseite nicht ausreichten, sie sich zudem zu spät informiert fühlte. Auch jetzt macht sie deutlich, dass der Fall für sie noch nicht abgeschlossen ist:
"Die Stadt Duisburg prüft den Untersuchungsbericht derzeit mit externer rechtlicher Unterstützung auf mögliche vertragliche und organisatorische Konsequenzen." Stadt Duisburg
Das Unternehmen Falck betont also, es habe Fehlverhalten Einzelner festgestellt - und darauf reagiert. Es kämpft um seinen Ruf und seine Zukunft in Duisburg. Die Stadt prüft derweil weiter, welche rechtlichen Möglichkeiten sie hat, auf die Probleme im Team in Wache 3 zu reagieren.
Unsere Quellen:
- WDR-Recherchen
- Stellungnahme des Unternehmens Falck
- Stellungnahme der Stadt Duisburg
- Staatsanwaltschaft Duisburg
Sendung: WDR.de, 31.07.2026, Ermittlungen gegen vier Beschuldigte, 17:27 Uhr
