Krankenstand zu hoch? | Aktuelle Stunde

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Aktuelle Stunde 17.01.2026 33:19 Min. UT Verfügbar bis 17.01.2028 WDR Von Andreas Moos

Merz kritisiert den Krankenstand. Sind wir wirklich zu oft krank?

Stand:

Merz kritisiert den Krankenstand in Deutschland. So steht es wirklich um den Krankenstand.

Von Johanna Esch
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Nach Ansicht von Bundeskanzler Merz (CDU) melden sich Menschen in Deutschland zu oft krank. Auf einer Wahlkampfveranstaltung sagte er, dass die Menschen im Job mehr leisten müssen, damit die Wirtschaft besser läuft. Außerdem stellte er die Krankschreibung per Telefon in Frage.

Krankschreibungen zuletzt auf ähnlichem Niveau

Im Schnitt sind Beschäftigte knapp drei Wochen im Jahr krank gemeldet. Diese Zahl liegt seit vier Jahren auf einem ähnlichen Niveau. Davor sind allerdings deutlich weniger Krankmeldungen bei den Kassen eingegangen.

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Bessere Erfassung bei Krankschreibungen

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen | Bildquelle: IMAGO/Lobeca

Der sprunghafte Anstieg von Krankmeldungen von 2021 auf 2022 hat mehrere Gründe. Der Hauptgrund ist wohl, dass vor 2022 Krankmeldungen noch nicht zwingend an die Krankenkassen weitergegeben werden mussten. Inzwischen werden sie automatisch verschickt, dadurch wird laut Statistischem Bundesamt der Krankenstand besser erfasst. Davon geht auch eine Studie der Krankenkasse AOK von Anfang 2025 aus.

Krankenlage durch Corona-Pandemie verändert

Fachleute gehen außerdem davon aus, dass seit der Corona-Pandemie verschiedene andere Krankheiten quasi nachgeholt werden. Das heißt, dass Menschen jetzt vermehrt Krankheiten kriegen, die wegen der Pandemie-Beschränkungen nicht richtig ausgebrochen sind.

Hinzu kommt, dass es mit Corona noch eine weitere, neue Krankheit neben der Grippe und den diversen Erkältungskrankheiten gibt, wegen der man sich krank meldet.

Krankschreibung wegen Atemwegserkrankungen kräftig angestiegen

Insgesamt sind Fehltage seit 2021 am kräftigsten wegen Atemwegserkrankungen angestiegen. Krankschreibungen wegen psychischer Störungen sind in den vergangenen zehn Jahren konstant angestiegen, sind aber zahlenmäßig niedriger als Krankschreibungen zum Beispiel wegen Atemwegserkrankungen. Psychische Störungen sorgen im Einzelfall für besonders lange Ausfallzeiten. Die Werte von Krankschreibungen wegen Erkrankungen im Muskel-Skelett-System bleiben - trotz alternder Belegschaften - seit Jahren stabil. 

Merz und die Krankenschreibungen

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WDR Studios NRW 17.01.2026 02:26 Min. Verfügbar bis 17.01.2028 WDR Online

Betriebskrankenkassen messen Krankentage anders

Auch die Betriebskrankenkassen (BKK) erheben die Zahlen von gemeldeten Krankenfällen. Da sie etwas anders messen, fallen die Zahlen anders aus. Für das Jahr 2024 geben sie rund 22 Krankentage für ihre Versicherten an (Dachverbands der Betriebskrankenkassen für 2024: 22,3 / Statistisches Bundesamt für 2024: 14,8).

Auch die Zahlen der Betriebskrankenkassen zeigen einen deutlichen Ansprung der Krankheitsfälle seit der Einführung der automatischen AU-Meldungen bei den Kassen im Jahr 2022.

Herne belegt Platz 1 bei Krankschreibungen in NRW

Von 2021 bis 2024 sind vier Krankentage dazu gekommen. NRW hat im gleichen Zeitraum noch mehr zugelegt, nämlich knapp über fünf Tage.

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Vor allem Herne und Gelsenkirchen gehören zu den Spitzenreitern unter den NRW-Städten. Laut BKK fehlten in Herne fast die Hälfte der Beschäftigten sogar länger als sechs Wochen. Warum Herne eine so hohe Zahl an Krankschreibungen hat, könnte laut der BKK auch an der Art der Beschäftigung liegen. Es sei ein Unterschied, ob man im Büro oder in der Montage arbeite. Im Ruhrgebiet werde nach wie vor in Industriebetrieben körperlich gearbeitet. Hier ist die Zahl der Krankheitstage laut der BKK-Statistik besonders hoch.

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Merz stellt Krankschreibung per Telefon in Frage

Kanzler Merz stellt im Zusammenhang mit Krankentagen auch die telefonische Krankschreibung in Frage: "Während der Coronazeit begründet richtig, heute immer noch?“.

Union und Arbeitgeberverbände fordern schon länger das Ende der telefonischen Krankschreibung. CSU-Chef Markus Söder sagte zuletzt, die Abschaffung sei ein wichtiger Ansatz: "Das Blaumachen muss reduziert werden.

Krankmeldung per Telefon bleibt bestehen

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist jedoch nicht von der Abschaffung der Telefonkrankmeldungen die Rede, sondern von einer Korrektur. Gleiches gilt für Online-Krankschreibungen über private Plattformen.

Krankenkasse sieht bei Krankschreibung per Telefon keinen Missbrauch

Telefonische Krankschreibungen werden immer wieder kritisiert, dabei machen sie einen recht kleinen Teil der Krankschreibungen aus.

Eine Studie der Krankenkasse AOK von Anfang 2025 sieht bei der telefonischen Krankschreibung "keinerlei Anzeichen für einen systematischen Missbrauch“. Drei von vier für die Studie befragten Beschäftigten nannten die telefonische Krankschreibung damals sinnvoll oder sehr sinnvoll, weil man nicht krank zum Arzt oder zur Ärztin müsse und Kontakt zu anderen Menschen im Wartezimmer vermeiden könne.

Auch Ärztinnen und Ärzte finden die telefonische Krankschreibung eher gut. Es entlaste ihre Praxen. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, forderte zuletzt sogar generell Lockerungen bei Krankschreibungen. Die derzeitigen Regelungen führten oft zu unnötigen Arztbesuchen.

Karenztag-Idee

Der Chef des Allianz-Versicherungskonzerns Oliver Bäte hatte 2025 einen Karenztag vorgeschlagen. Demnach sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Kosten für ihren ersten Krankheitstag selbst tragen. Mit einem solchen Karenztag könnten laut Bäte pro Jahr 40 Milliarden Euro eingespart werden.

Überblick zur telefonischen Krankschreibung

  • Bei leichteren Erkrankungen kann man sich telefonisch bis zu fünf Kalendertagen krankschreiben lassen.
  • Voraussetzung ist, dass man in der Praxis, etwa beim Hausarzt schon bekannt ist.
  • Ärztinnen und Ärzte stellen am Telefon Fragen zu den Beschwerden.
  • Für eine Folgebescheinigung muss man in die Praxis kommen.
  • Wer seine Versichertenkarte in der Praxis im entsprechenden Quartal noch nicht eingelesen hat, muss dies nach der Erkrankung nachholen.
  • Auch bei kranken Kindern kann man eine telefonische Krankschreibung bekommen.

Überblick zu Online-Krankschreibungen

  • Auch in einer Videosprechstunde ist es in vielen Fällen möglich, dass durch Befragungen eine Arbeitsunfähigkeit feststellt wird.
  • Hier geht eine Krankschreibung je nach Fall bis zu sieben Kalendertagen.

Hinweis der Redaktion vom 20.07.2026, 14.25 Uhr: Wir haben anlässlich der Veröffentlichung von Daten der Betriebskrankenkassen (BBK) über zunehmende Krankentage in Deutschland berichtet. Ein Grund für den Anstieg der Zahlen zwischen 2021 und 2022 könnte die Einführung der elektronischen Krankmeldung (eAU) sein, die seit dem 1. Januar 2022 verbindlich an die Krankenkassen weitergeleitet werden muss. Diese Information fehlte in einer früheren Version in der eingebauten Grafik "NRW bei Fehltagen über dem Bundesdurchschnitt". Wir haben die entsprechende Visualisierung angepasst.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Statistisches Bundesamt
  • Dachverband Betriebskrankenkassen
  • Aussagen Kanzler März zu KRankenstand in Baden-Württemberg
  • Tagesschau zu Studie zum Krankenstand

Sendung: WDR 5, Der Tag um zwölf, 17.01.2026, 12:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 17.01.2026, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Franziska 1 22.07.2026, 14:23 Uhr

    Merz kritisiert, sind wir wirklich zu oft krank? Heute nehme ich Mal die News im TV, im Internet näher ins Auge. Seid Corona, wie viele schlechten Nachrichten bekommt das Volk zuhören, zu lesen täglich egal in welchen Bereichen des Lebens? Psychisch aufbauende News gibt es nicht mehr zu hören, darum werden Arbeiter krank die jeden Tag ihr Bestes geben, aber keinen Dank dafür bekommen. Aber Schelte vom Kanzler Merz. Die Regulierungs­wut von der Politik macht es nicht besser, jedes Glied der Versorgungskette für die Gesellschaft wird verbogen. Es gibt nichts mehr, was die Politik auf den Weg bringt was Nägel mit sicheren Köpfen schafft. Politik- Fehler wurde in der Ampel mit „Wumms- Zahlung“ besänftigt, eine militärische Zeitenwende wurde eingeleitet, was weiter brutale Kriegs- Krallen zeigt, was nur eine Mega- Zerstörung und viele Menschen tötet, aber keinen Frieden bringt. Wer kann bei der Politik- Glaskugel eine gute Zukunft sehen? Moderne Waffen schaffen weniger krank zu sein?

  • Anonym 22.07.2026, 11:16 Uhr

    Es ist bemerkenswert, was sich die Menschen in Deutschland so alles gefallen lassen - zu viel krank, zu faul. Typische Manageräußerungen, aber eines Kanzlers unwürdig. Die CDU sollte sich um einen fähigen Kanzler kümmern, der die Bürger als Menschen und nicht als Produktionsfaktor sieht.

  • Geppetto 21.07.2026, 22:27 Uhr

    Die Regierung sucht nach Verantwortlichkeit für die Stagflation und die zahlreichen Jobverluste. Reine Ablenkung! Der Krankenstand ist nicht Ursache der Krise und deshalb müssen Arbeitnehmerrechte weiterhin verteidigt werden. Auch internationale Krisen erklären nicht unseren wirtschaftlichen Abwärtstrend. Entscheidend ist, wie wie uns zu den Krisen außenpolitisch verhalten haben.