Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat für Donnerstag spontan ein Spitzengespräch in Bonn angesetzt. Ziel sei es Wasserstraßen "widerstandsfähiger" zu machen, sagte er dem Kölner Stadtanzeiger. Grund für das Treffen sind das anhaltende Niedrigwasser und neue Tiefststände des Rhein-Pegels.
Der Fluss hatte den Niedrigwasserrekord von 2018 am Dienstagmorgen um einen Zentimeter unterschritten. Auch in anderen großen deutschen Flüssen, wie der Donau, fehlt Wasser und schränkt die Schifffahrt und ihre Transportmengen immens ein.
Neue Tiefstände auf dem Rhein: Bundesverkehrsminister in Bonn
Bildquelle: dpaWDR Studios NRW. 05.08.2026. 00:52 Min.. Verfügbar bis 04.08.2028. WDR Online.
"Handeln, wo Handlungsbedarf besteht"
Bilger will sich daher - nach Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium - unter anderem mit der verladenden Industrie, Vertretern von Binnenhäfen und Verbänden aus der Branche treffen. Auch Unternehmen wie BASF und Thyssen Krupp, welche stark von Lieferungen übers Wasser abhängig sind, sollen anwesend sein.
Sein Ziel sei klar, betonte Bilger: "Wir wollen die aktuelle Lage gemeinsam bewerten, kurzfristig dort handeln, wo Handlungsbedarf besteht, und gleichzeitig die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, um unsere Wasserstraßen widerstandsfähiger gegen zunehmende extreme Niedrigwasserereignisse zu machen."
Taskforce für mehr Maßnahmen?
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer von den Grünen hatte diese Woche bereits eine nationale Taskforce gefordert, die nun schnell Maßnahmen koordinieren solle.
Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums wiederum, verwies vorab auf einen bereits bestehenden Aktionsplan für den Rhein und auf ein - in diesem Sommer erstmalig - deutschlandweites Lagebild zum Niedrigwasser. Außerdem fördere man die „nachhaltige Modernisierung von Binnenschiffen“ welche mit mehr Transportgut flacher im Wasser liegen, so ein Sprecher.
Wirtschaftlicher Schaden groß
Der wirtschaftliche Schaden durch die niedrigen Pegelstände und der Handlungsdruck sind bereits groß. Sowohl für die Binnenschiffahrt, als auch für den Schifffahrtstourismus sind die Folgen bereits finanziell spürbar.
Laut Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte sogar das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei anhaltendem Niedrigwasser um 0,4 Punkte niedriger ausfallen als bisher erwartet.
Ökonom Thilo Schäfer sagte der Bildzeitung: Ein "längerer Ausfall der Schiffbarkeit auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wachstum, das wir haben, komplett ersticken“.
Bilgers erster großer Auftritt
Das Treffen ist gleichzeitig sein erster größerer öffentlicher Auftritt, seitdem Kanzler Friedrich Merz das Kabinett umgebaut hat. Bilger dürfte daher noch einmal stärker unter öffentlicher Beobachtung stehen. Die Gespräche und die Pressekonfernez im Anschluss finden im Bonner Dienstsitz seines Ministeriums statt. Mit Ergebnissen oder konkreten Maßnahmen ist erst am Nachmittag zu rechnen.
Landesverkehrsminister treffen sich parallel
Die Landesverkehrsminister besprechen die Lage am Donnerstag ebenfalls parallel auf einer digitalen Verkehrsministerkonferenz. Ursprünglich sollte es bei dem Termin nur um Bahntrassenpreise gehen, doch auf Initiative des NRW-Verkehrsministeriums wird die Niedrigwasser-Situation dort nun auch Thema.
Unsere Quellen:
- Mitteilungen des BMV
- Informationen aus dem Landesverkehrsministerium
- Kölner Stadtanzeiger
- Nachrichtenagentur AFP
Sendung: WDR.de Spitzengespräch zu Niedrigwasser: Verkehrsminister will schnelle Reaktion, 06.08.2026, 05:30 Uhr