Seit sechs Jahren wird das Distanz-Elektroimpuls-Gerät, auch bekannt als Taser oder Elektroschocker, in den NRW Polizeibehörden genutzt. Zumindest in einigen. Zunächst gab es eine Pilotphase, dann wurde das kleine Gerät in den Großpräsidien zur Verfügung gestellt und Stand jetzt können die Beamten in 18 Kreispolizeibehörden den Taser einsetzen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, in 29 Kreispolizeibehörden steht er den Beamtinnen und Beamten weiterhin nicht zur Verfügung.
Gutachten liegen vor
CDU und Grüne haben im Koalitionsvertrag eine Evaluation der Taser vereinbart. Seit Ende vergangenen Jahres liegen alle drei Gutachten vor. Darin wurden die medizinischen Folgen, der einsatztaktische Nutzen, sowie die sozialwissenschaftlichen Bewertungen untersucht. Die Ergebnisse sind überwiegend positiv. Gelobt wird zum Beispiel die deeskalierende Wirkung. Allein die Androhung, das Gerät einzusetzen, könne eine Situation bereits entschärfen.
Taser nicht immer und überall einsetzbar
Konkret kündigt der Beamte den Einsatz des Tasers mündlich an. In einer zweiten Stufe kann der Beamte oder die Beamtin dann per Knopfdruck einen Lichtbogen und ein Geräusch auslösen. Ein, wie es heißt, sehr lautes martialisch wirkendes Knattern. Das hat häufig genug bereits eine abschreckende Wirkung.
Taser-Training mit VR-Brille
Bildquelle: WDR, Moritz BörnerErst in einer dritten Stufe würden dann tatsächliche zwei kleine Elektroden abgeschossen – durch dann Strom fließen kann. Der Angreifer wird so für kurze Zeit handlungsunfähig und kann überwältigt werden. Bis September vergangenen Jahres kam der Taser in NRW 1.079 mal zum Einsatz, davon reichte in 855 Situation allein die Androhung.
Allerdings können die Taser nicht immer und überall eingesetzt werden. Die Situation muss, kurz gefasst, übersichtlich und statisch sein. In größeren Gruppen oder wenn Menschen sich schnell bewegen, ist der Taser nicht sinnvoll.
Gewerkschaft macht Druck
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW macht schon lange Druck, dass der Taser allen Polizistinnen und Polizisten zur Verfügung gestellt wird und eben nicht nur in 18 Kreispolizeibehörden. Patrick Schlüter ist Vorsitzender der GdP und vermisst konsequentes Handeln. Schlüter sagt "entweder gibt es wirklich große Bedenken gegen die Taser, aber dann müsste das auch in den 18 Kreispolizeibehörden gelten, in denen die Taser bereits zum Einsatz kommen und sich sehr bewähren."
Patrick Schlüter, Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW
Bildquelle: GdP NRW / dpaSchlüter vermutet eher politische Spielchen zu sein. Das führe, sagt Schlüter dazu, dass die Reaktion der Beamten aktuell davon abhänge, wo ein Einsatz stattfindet. Also ob ihnen die Taser zur Verfügung stehen oder nicht. "Beispielsweise steht der Taser in der Kreispolizeibehörde in Gütersloh den Beamten zur Verfügung, in Bielefeld dagegen nicht. Im Schlimmsten Fall wird dann dort zu Schusswaffe gegriffen, weil eben der Taser nicht zur Verfügung steht."
"Ziel der CDU-Landtagsfraktion ist die flächendeckende und zügige Einführung des Tasers" Gregor Golland, stellvertretender CDU Fraktionsvorsitzender
Für den CDU-Innenexperten Gregor Golland schließt das Einsatzmittel "die Lücke zwischen Pfefferspray, Schlagstock und Dienstpistole." Und Gollands Parteikollege und NRW-Innenminister Herbert Reul sagt: "Der Taser kann eine gefährliche Situation in Sekunden drehen, deeskalieren und Leben schützen."
Auch die FDP-Opposition hier im Landtag fordert die rasche flächendeckende Einführung und lässt nicht locker. Zahlreiche An- und Nachfragen etwa im Innenausschuss belegen das. Bleibt also die Frage, warum der Taser den Polizistinnen und Polizisten immer noch nicht flächendeckend zur Verfügung steht.
Grüne haben noch weiteren Klärungsbedarf
Marcel Hafke ist FDP-Innenexperte und meint, Innenminister Reul lasse sich von den Grünen am Nasenring durch die Manege führen. Für Hafke verschleppt Schwarz-Grün eine sachlich gebotene Entscheidung aus Sorge um den Koalitionsfrieden. Denn obwohl die überwiegend positiven Gutachten vorliegen, haben die Grünen noch Bedenken. Etwa was die gesundheitlichen Risiken angeht. Und auch, dass es klarere gesetzliche Regelungen zu den Einsatzvoraussetzungen geben müsse, wie es in den Gutachten auch gefordert werde.
Dorthea Deppermann ist für die Grünen im Innenausschuss und sagt, der Taser sei in bestimmten Situationen sinnvoll und deeskalierend aber "keine Alternative zur Schusswaffe und für dynamische Einsatzsituationen nicht geeignet." Es werde sorgfältig geprüft, heißt es. Danach werde man in der Koalition eine gemeinsame politische Lösung finden.
Unsere Quellen
- Statements von FDP, CDU, Grünen
- Statement des Innenministeriums
- Gewerkschaft der Polizei NRW
- eigene Recherche
Sendung: WDR.de & WDR 5 Morgenecho, Taser lässt in NRW auf sich warten, 06.08.2026, 05:30 Uhr
