Anfang und Ende in einem : Alewya – "Zero"
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Mit nur einer Handvoll Singles und einer EP schaffte es Alewya Anfang des Jahrzehnts auf den Radar vieler Global Pop Fans und Club DJs. Dann trat sie einen Schritt zurück – bis jetzt. Mit "Zero" erscheint das langerwartete Debut, auf dem Alewya ihre äthiopisch-ägyptischen Roots miteinfließen lässt. Es entpuppt sich Werk einer als Musikerin, deren ganzes Sein von Kunst durchdrungen ist.
Von Vincent Lindig
Atmosphärische Klangreise
2021 veröffentlichte Alewya ihr erstes Projekt "Panther in Mode", das sie als neue Stimme der britischen Musikszene etablierte. In atemberaubender Geschwindigkeit folgten Auftritte beim Glastonbury Festival, der COLORS Show und im Vorprogramm von Rapperin Little Simz.
Danach gab es nur noch vereinzelte Singles – ein Album? Fehlanzeige. Mit "Zero" kehrt Alewya nach 5 Jahren Funkstille zurück – und zwar ganz bewusst ohne Knall. Auf dem Song "Simian Mountains" eröffnet sie ihr Debutalbum mit sanftem Grillenzirpen, atmosphärischen Gesprächsfetzen und einem reduzierten Synthie-Arrangement. Dazu intime Gesangspassagen auf Amharisch, der offiziellen Amtssprache Äthiopiens.
"Ich war 2002 in den Simien-Bergen im Norden Äthiopiens und habe diese Grillen selbst aufgenommen", erzählt Alewya. "Damit wollte ich dem Album erstmal eine Grundlage, eine Farbe und vor allem Wurzeln geben". So setzt Alewya ganz nebenbei auch ein Zeichen gegen auf Algorithmus-getunte Songs. Sie schafft bewusst den musikalischen Backdrop für ihr Album – und entführt uns in ihre ganz eigene musikalische Welt. Willkommen zu "Zero".
M.I.A. Rebell-Sound trifft auf Fugees Zitate im Discosound
"Zero" glänzt durch eine musikalische Vielfalt, die sich wie die bunte Auswahl auf einem Straßenmarkt im Schatten von Markisen anfühlt. Nach dem sphärischen Einstieg führt sie uns in "City of Symbols" voller Sehnsucht in die brodelnden Straßen Londons, in denen sie aufgewachsen ist. Auf "Maktoub" geht es in den Staub der äthiopischen Wüste. Hier tritt Alewya über einem ostafrikanischen Sample selbstbewusst in die musikalischen Fußstapfen der Global Pop Ikone M.I.A. – mit rebellischen, halligen Vocals und großer Bildsprache, die den Widerstandsgeist Äthiopiens besingen.
Auf "Red Clay" wird es sexy, wenn Alewya über verträumtem R’n’B Sound über eine fesselnde Liebe singt – nur, um uns in "Selah" über einem atemlosen Dance-Instrumental in einen stickigen, heißen Klub zu führen. "Cairo FM" bringt ein dezentes Zitat von Nas und Lauryn Hill auf den Disco-Dancefloor Ägyptens, wo ihr Vater geboren wurde. Eine musikalische Vielfalt, die von ihrem Producer-Team auf den Leib geschneidert wurde – und der Sound passt wie angegossen.
Zusammenarbeit mit alten Bekannten
Für das Album hat sich Alewya mit dem legendären britischen Jungle-DJ und Produzenten Shy FX sowie Busy Twist aus London zusammengetan, der für seine Fusion von elektronischen Klängen mit traditionellen Rhythmen und Sounds bekannt ist. Mit ihnen hat Alewya schon ihre ersten musikalischen Schritte um 2020/2021 gemacht.
Eine Vertrautheit, die für Alewya wie ein Safe-Space wirkt – und ihr Platz für freie Entfaltung macht. "Ich habe mit diesen Jungs von Anfang an gearbeitet", erzählt sie dazu. "Unsere Beziehung ist stark, wir kennen uns gut und sie wissen, worum es mir geht. Ich fühle mich einfach sicher, wenn ich mit ihnen arbeite. Sie sind sehr freigeistige, mutige Artists".
Sängerin, Malerin, Tänzerin, Model – Gesamtkunstwerk
Alewya ist nicht nur Musikerin, sondern auch Tänzerin – und bezeichnet sich selbst als Malerin, die Musik macht. Auch als Modell hat sie bereits für Jean Paul Gaultier oder H&M gearbeitet. Für sie keine unterschiedlichen Kunst-Disziplinen – sondern unterschiedliche Facetten eines größeren Ganzen. "Wenn ich all diese Wörter lese: singen, tanzen, malen, modeln – das hört sich erstmal viel an, aber in Wirklichkeit sind sie ein und dasselbe", sagt Alewya.
"Es gibt keine Trennung zwischen ihnen. Ich versuche nichts darzustellen, ich bin das einfach. Das ist meine Berufung und ich versuche nur, meiner Natur zu folgen". Dazu passen die beeindruckenden Visuals zu ihrer Musik, in denen Alewyas Style zwischen Streetwear und High Fashion oszilliert. Auch das verschafft ihrem neuen Album "Zero" ästhetisch einen Platz zwischen urbaner Musik-Kultur und künstlerischer Avantgarde.
"Zero" – die Null als Anfang und Ende von Allem
Als philosophischen Fixpunkt des Albums hat Alewya sich die Zahl Null gewählt, mit der sie eine tiefe Faszination verbindet. Die rührt von einem Buch, das Alewya früher gelesen hat: "Darin stand, dass die Null der Zwilling der Unendlichkeit ist", erzählt sie. "Und als ich das gelesen habe, hat etwas in mir sich mit diesem Gedanken verbunden – und mit dem Gefühl der Grenzenlosigkeit. Die Null ist ein Konzept, in dem so viel steckt – obwohl ihr Wert Nichts ist".
Alewyas Debut "Zero" ist jedenfalls eindeutig ein Anfang – und fordert selbstbewusst einen Platz an der Spitze des Global Pop ein.