"Der Mann, der die Krone trägt" : Davido - "Oriadé"
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Davido ist einer der wichtigsten Stars aus Nigeria. Er hat Afrobeats auf der Welt popularisiert. Auf seinem sechsten Album "Oriadé" besinnt er sich auf seine afrikanischen Roots und liefert positive Songs über Liebe, Erfolg und Gott.
Von Adrian Nowak
"Never seen a bigger miracle than myself!", behauptet Davido in seinem Song "Constantly". Nun ja, Bescheidenheit geht anders. Doch Davido kann nach fünfzehn Jahren im Musikgeschäft durchaus stolz sein auf das Erreichte, auch wenn sein Weg zum Erfolg sich stark unterscheidet von der Rags-to-Riches-Geschichte, die viele in der nigerianischen Musikszene gerne hören.
Son of a rich man
David Adedeji Adeleke ist 1992 in der US-Metropole Atlanta geboren. Aufgewachsen ist er zwischen Nigeria und den Staaten. Sein Vater ist Adedeji Adeleke, ein millionenschwerer Geschäftsmann, Leiter des Energie- und Immobilien-Konzerns Pacific Holdings Limited. Seine zwei Onkel sind beide in der nigerianischen Politik tätig. Eigentlich war angedacht, dass Davido so wie seine vier älteren Geschwister ins Familiengeschäft einsteigt, doch er hatte andere Pläne. Er studierte erst BWL an der Oakwood Uni in Alabama, schmiss dann das Studium, um sich gegen den Willen seines Vaters seiner Musikkarriere zu widmen. "Omo Baba Olowo" nannte er 2011 sein Debüt-Album, was auf Yoruba "Sohn eines vermögenden Mannes" heißt. Später sorgten Hits wie "Skelewu", "Fall", "If" und "Unavailable" dafür, dass der Afrobeats-Hype um die Welt ging. Denn auch wenn Davido mit dem goldenen Löffel im Mund zur Welt kam – sein Gespür für Melodien und Hits kann man mit Geld nicht kaufen …
Back to Africa
Nach fünfzehn Jahren im Musikgeschäft und zahlreichen international erfolgreichen Alben, Tourneen und Kollabos kehrt Davido auf "Oriadé" zu seinen nigerianischen Wurzeln zurück. Als Erstes fällt der Albumtitel auf, der nicht auf Englisch ist – wie seine drei Vorgänger –, sondern auf Yoruba. "Ori" bedeutet Kopf und "Adé" Krone, so dass man den Titel als "der Kopf, der die Krone trägt" übersetzen kann. Ein klares Statement zu Davidos königsgleichem Status, immerhin gehört er neben Burna Boy und Wizkid zu den so genannten "Big Three" der Afrobeats-Szene. Auf "Oriadé" sind zahlreiche frische Talente wie Fola aus Nigeria, Jazzwrld aus Lesotho und Black Sherif aus Ghana vertreten. Musikalisch geht es einerseits in die Zukunft mit aktuellen 3-Step-Beats aus Südafrika oder zurück mit Afro-R'n'B und vielen sanften Gitarren, die an Highlife aus Ghana erinnern. Inhaltlich geht es um Erfolg und Reichtum oder um Liebe und Beziehungen.
Afro-Liebe
Einer der freshesten Lovesongs ist"„B4 B4", das auf einem klappernden Afrobeats-Rhythmus mit sanften Klaviermelodien basiert. Hier singt Davido zusammen mit Mayorkun, einem Künstler, den er 2016 selbst entdeckt hat, und mit Fola, einem der wichtigsten jungen Sänger aus Nigeria. Die Vokalisten spielen sich die Bälle zu, wechseln sich geschmeidig ab und singen hauptsächlich auf Yoruba, kaum auf Englisch. "Already Falling" nutzt die Melodie aus Elvis Presleys "Can't Help Falling In Love" und mixt sie mit treibenden Afro-Rhythmen. Gerade der Mix aus sanfter Melodie und flotten Beats macht hier den Reiz aus. Ein weiteres Highlight ist "Yaya" mit Aya Nakamura, Superstar aus Frankreich mit malischen Wurzeln. Auf einem triolischen Coupé-Décalé-Beat umgarnt Davido die Pariserin und versucht sogar, ein paar Worte auf Französisch zu singen. Doch Aya hat hohe Erwartungen: Ihr Verehrer soll nicht viel reden, sondern seine Liebe lieber mit Taten beweisen. Ziemlich charmanter Schlagabtausch zweier Big Names der internationalen Afro-Szene.
Erfolg und Weisheit
Ein Schlüsseltrack auf Oriadé ist die breitbeinige Single "I Know Who I Be", produziert von Jazzwrld, Pionier der neuen Afrohouse-Strömung Three-Step. Davido feiert hier seinen Reichtum und teure Markenklamotten und bekräftigt: "Ich bin einzigartig, legendär und weiß, wer ich bin." Daneben grüßt er seine Crew, die 30 BG (Thirty Billion Gang), und beschreibt, wie er bei seiner Ehefrau Chioma zur Ruhe findet. In eine ähnliche Richtung geht „Gimme Dat Ting“ mit Newcomer NO11 aus Abuja, eine selbstbewusste Hymne über Erfolge, Plattenverträge und gefeierte Auftritte. Dazu pumpt ein hypnotischer Afrohouse-Beat, perfekt für eine ausgelassene Rooftop-Party.
Zum Ende hin wird Davido überraschend nachdenklich. In "Guide" geht es um Lektionen, die ihn das Leben gelehrt hat, und wie diese ihm als Leitfaden gedient haben. Der Closing-Track "My Light" wirkt wie ein gesungenes Gebet, in dem er beschreibt, dass Gott und Glaube ihn immer durch sein Leben begleiten, selbst wenn er teure Juwelen kauft oder auf Tour ist. "Oriadé" ist eine sonnige Afroparty, auf welcher der 33-Jährige zeigt, dass er immer noch ordentlich feiern kann – doch Davido vermittelt auch, wie er als Mensch und Songwriter in den letzten fünfzehn Jahren gewachsen ist.