Gänsehaut lügt nicht - Gentleman mit "Gratitude"
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Gentleman ist der erfolgreichste Reggae-Export aus Deutschland und auf "Gratitude" zelebriert er das auch richtig. Er singt über Dankbarkeit für das Erreichte, inspirierende Begegnungen und die Freude am Leben. Mit Gästen wie Reggaestar Capleton oder Popsänger Michael Patrick Kelly feiert er zu Reggae, Dancehall, HipHop und sogar Mento.
Von Adrian Nowak
"Life is nice so me nah worry / Full a grace every time so me nah hurry" - Gut gelaunt singt Gentleman in "Nah Worry" über ein sorgenfreies Leben und Entschleunigung. Nach über 30 Jahren erfolgreicher Karriere hört man wie dankbar und geerdet der 52-jährige Tilmann Otto ist.
Doch auch ein internationaler Reggae-Botschafter hat manchmal Zweifel: "Ich wurde auf einmal müde von diesem Gentleman-Ding und habe gemerkt, irgendwie wiederholt sich gerade alles und ich bin in so einem Kreislauf drin seit Jahren und vielleicht hat sich das jetzt auch irgendwann mal ausge-gentlemant und jetzt muss mal was anderes kommen."
Den Weg aus diesen Zweifeln fand er unter anderem mit dem britischen Sänger und Produzenten Clayton Morrison a. k. a. Claye. Seit gut zehn Jahren schreiben die beiden gemeinsam Songs, und sie verbindet auch eine enge Freundschaft. Als Claye Gentleman in seiner Wahlheimat Mallorca besucht, ist der Plan zunächst nur zusammen abzuhängen und gut zu kochen. Doch irgendwann zieht es die Beiden doch ins Homestudio.
"Er meinte: Let's have fun again! Und auf einmal haben wir die schönsten Songs gemacht. Am Anfang war es nur Vibe. Doch In dem Moment, wo eine Gänsehaut da ist, dann stimmt es auch. Gänsehaut lügt nicht." Gentleman zur Zusammenarbeit mit Claye
So entsteht unter anderem "What If", welches unsere Konsumgesellschaft hinterfragt und wirkt wie John Lennons "Imagine" für das Jahr 2026: "What if we never have no borders no rules […] What if we never burn fossil fuel?" fragt Gentleman da auf einem entspannten Reggae-Rap-Beat. Auf der Island Pop-Nummer "Fireflies" singt Claye auch selber, gemeinsam mit dem Jamaikaner Jahmiel singen die drei über die Verwirklichung ihrer Träume und die Segnungen des Lebens.
Alte und neue Freunde
Die andere Hälfte des Albums produzierte der jamaikanische Star-Producer Donovan Bennett a. k. a. Don Corleon, der auch schon mit Rihanna, Sean Paul und Migos gearbeitet hat.
2004 war er verantwortlich für "Intoxication" von Gentleman, ein Song, der mitverantwortlich dafür ist, dass Gentleman bis heute rund um den Globus tourt. Don Corleon prägte mit seinen lockeren Hochglanz-Reggae-Riddims maßgeblich die Modern Roots Szene der 00er Jahre, und an diesen Style erinnern auch Songs wie das spirituelle "Never Fail" oder "Friends", in dem er mit Collie Buddz aus Bermuda über die Höhen und Tiefen einer Freundschaft sinniert.
Das Glas ist halbvoll
Neben diesen beiden Hauptproduzenten gibt es noch zwei Stücke, die von anderen Beatbastlern stammen. Einmal die Single "Unity", in der Gentleman auf einem melodiösen Dancehall-Riddim des Stuttgarters Jopez über Einigkeit und Liebe singt. Und dann wäre da noch der anfangs erwähnte Hit "Nah Worry". Der basiert auf dem "Hill & Gully"-Riddim von Stephen McGregor, in dem man ein Sample aus dem Mento-Klassiker "Hill And Gully Ride" von Lord Composer hört.
Gentleman erzählt darauf seine eigene Geschichte. Davon wie Jamaika ihn inspiriert hat, von Gigs in Südafrika und Surinam und von der Dankbarkeit, die er empfindet für all das, was er erreicht hat. Denn auch wenn es kein Lied gibt, dass "Gratitude" heißt, zieht sich der Albumtitel durch viele der 17 Songs. In "So Good" ist er dankbar für eine Partnerin, die ihn versteht, in "Warrior" für Motivation und Kreativität, und in "Open My Eyes" freut er sich über seine Familie oder einfach den Sonnenschein am Morgen.
Auf "Gratitude" zeigt Tilmann Otto, dass es sich noch lange nicht "ausge-gentlemant" hat. Das Album überzeugt mit einem modernen und gleichzeitig zeitlosen Sound, und ist ein kraftvolles Plädoyer für eine positive Perspektive auf das Leben.