Live hören
Jetzt läuft: Espiral von Ela Minus feat. Nick León
The Womack Sisters: "The Womack Sisters" - die drei Womack Schwestern  gemeinsam an einem Tisch.

Drei Soul-Erbinnen auf ihrem eigenen Weg The Womack Sisters: "The Womack Sisters"

Stand:

Wer auf handmade Retro-Soul & -R&B steht, kommt an The Womack Sisters aus den USA aktuell nicht vorbei. Die drei Schwestern aus der berühmten Musik-Familie bleiben mit ihrem selbst betitelten Debüt-Album der Womack-Tradition auf ihre Weise treu.

Von Kai Brands

The Womack Sisters: "The Womack Sisters"

COSMO Album der Woche 17.08.2026 2 Min. 33 Sek. Verfügbar bis 17.08.2027 COSMO


Kein Druck, aber Verantwortung

Dass der Weg einer Musikkarriere vorgezeichnet war, ist im Zusammenhang mit The Womack Sisters regelmäßig zu hören. Immerhin kommen die drei Schwestern BG, Zeimani und Kucha Womack aus einer Musik-Familie, die an Berühmtheiten und Welthits so einiges aufzuweisen hat. Ihr Großvater war Soul-Legende Sam Cooke, der zum Beispiel mit "A Change Is Gonna Come" in den 60er-Jahren eine Hymne des Civil-Rights-Movement erschaffen hat. Ihr Onkel war Bobby Womack – ebenfalls Soul-Ikone mit Hits wie dem Klassiker "Across 110th Street". Als Kinder von Linda und Cecil Womack, die mit ihrem eigenen Pop- & R&B-Duo "Womack & Womack" vor allem in den 80ern erfolgreich waren, haben sie schon früh Einblicke in eine Musiklaufbahn gehabt. Zeimani ist sogar als Baby mit auf dem Cover des Womack-& Womack-Albums "Conscience" von 1988, auf dem mit "Teardrops" ihr wohl bekanntester Song ist.

BG, Zeimani und Kucha sind als Kinder dabei, während es für die Eltern um die Welt geht. Sie wachsen zwischen Paris, Amsterdam oder Bangkok auf und leben lange in London. Am Ende der Shows ihrer Eltern kommen sie auf die Bühne und saugen grundsätzlich die Energie dieser Zeit auf, sagt Zeimani:

Diese Erfahrungen haben uns gezeigt, dass wir das auch in unserem Leben haben wollen. Den Impact, den die Musik auf die Menschen hatte. Es war schön zu sehen, dass unsere Eltern diesen Effekt auf Menschen hatten. Dass Menschen zusammenkommen – das ist die Power von Musik." Zeimani Womack

Der Traum einer Musikkarriere war für die drei von insgesamt sieben Kindern früh klar. Mit Blick auf die eigene Familiengeschichte sprechen sie aber nicht von Druck, sondern von Verantwortung. Sie möchten Musik machen, die "heilt", und zwar im Stil des Soul und R&B vergangener Jahrzehnte. "Mit dieser Musik sind wir großgeworden, haben es zuhause ständig gehört und wollten es selbst immer machen", sagt BG. In Anlehnung an das Duo ihres Vaters und ihres Onkels, die auch als The Womack Brothers Musik gemacht haben, nennen sie sich The Womack Sisters und ihr Debüt-Album klassisch genauso.

Daptone + Womack = perfect fit

Dass der Traum der Musikkarriere nicht leicht umzusetzen ist, wissen die Womack-Schwestern. Sie ziehen nach L. A., sind als Songwriterinnen für verschiedene Artists aktiv. In den 2010er-Jahren gründen sie ihr Trio. Auf ihre erste Single "Darling" von 2017 folgt 2022 die EP "Legacy". Zwischendurch sind sie als Uber-Fahrerinnen tätig, um über die Runden zu kommen und den Traum weiterverfolgen zu können. Den Struggle besingen sie auch direkt im Opener-Song "Chauffeur". "Wir haben dafür gesorgt, dass wir ein Dach überm Kopf haben. Ich bin stolz darauf, dass wir darauf geachtet haben, dass es uns gut geht. Denn viele in diesem Business setzen zu viel aufs Spiel. Und du wirst niemanden an deiner Seite haben, wenn du nicht dafür sorgst, dass die Leute auf deinem Weg nach oben bei dir bleiben", sagt BG.

So richtig Fahrt nimmt ihre Karriere dann 2025 auf, als die ersten Songs in Zusammenarbeit mit dem Retro-Kultlabel Daptone Records erscheinen. Mehrere Jahre zuvor gab es die Connection mit Grammy-Preisträger Gabriel Roth, a. k. a. Bosco Mann: Musiker, Daptone-Mitgründer und mitverantwortlich für den Retro-Sound von Artists wie Sharon Jones, Charles Bradley oder Amy Winehouse. Letztendlich kommt es zur Kollaboration und vor rund zwei Jahren zur akribischen Arbeit am Album. Die analoge Arbeitsweise, der musikalische Style – von außen wirkt der Move Richtung Daptone und Bosco Mann nur logisch. "Wir wollten schon immer einen klassischen Soul-Sound machen. Und als wir ihn getroffen haben, meinte er nur: 'Das ist genau, was ich mache!'", erinnert sich Kucha, über deren Bekannten das erste Kennenlernen zustande kam.

Analog & live

Auf dem Album hört man die Wärme des Sounds, den sie immer haben wollten. Es rauscht, die Songs sind organisch, die Instrumente live und der Gesang der Schwestern ist mal kraftvoll und roh, mal gefühlvoll und sanft, aber immer akribisch aufeinander abgestimmt. Sie singen von ihrer besonderen Schwestern-Bindung ("My Sisters And Me") und vor allem von den Ups und Downs in Liebesbeziehungen. Es geht zum Beispiel um die Anziehung („I Am Your Season“), ums geduldige Kennenlernen ("If I Let You"), das Gefühl von Entfremdung ("You Went Away Too Long") oder den Umgang mit Trennungen ("Didn’t Mean Much To Me"). Beim Songwriting haben sie diskutiert, geschrieben und komponiert, analysiert und sehr lange mit der Band geprobt. Erst als alles saß, ging es an die finalen Aufnahmen – live und auf Tonband.

So wird der Sound mit Vintage-Charme verstärkt, den The Womack Sisters mit den Musiker:innen bemerkenswert kreiert haben – mehr Retro geht kaum. The Womack Sisters haben mit Daptone ihr musikalisches Zuhause gefunden. Und sie haben es sich scheinbar genauso eingerichtet, wie sie es sich vorgestellt haben. Mit ihrem Debüt-Album führen die drei Schwestern die Tradition ihrer berühmten Musik-Familie weiter, verbreitern und festigen aber ihre ganz eigenen Fußabdrücke auf ihrem Weg in der Musik, auf dem sie mit Sicherheit viele Hörer:innen gerne begleiten.