07. - 11. September: "Endless" von Adam Bałdych
Adam Bałdych ist ein aufregender Jazzgeiger, aber vor allem ein Musiker, der sich gerne an musikalische Orte begibt, die keiner Kategorie angehören. Offen und frei. Der Titel des neuen Albums von Bałdych könnte also nicht treffender sein: Endless - endlos. Darauf ist Kammermusik vom Feinsten, mal jazzig angehaucht, mal sind da ein paar volksliedhafte Sprengsel. An Bałdychs Seite sind Daniele di Bonaventura am Bandoneon, Jacob Karlzon am Klavier und Michel Benita am Kontrabass, kein alltäglicher Sound, aber einer, dem man gerne folgt. Musik, die Ruhe und Intimität ausstrahlt, genau richtig für so manch volle und laute Tage.
Ein Musiktipp von Julia Spyker
Gespielte Titel:
Montag: Long Way Home
Dienstag: Horizon
Mittwoch: The Stars Are Closer Than We Think
Donnerstag: Rainbow
Freitag: Traveler
CD-Angaben:
"Endless" von Adam Bałdych
European Quartet
Label: ACT
Vö: 28.08.2026
31. August - 04. September: "The Breakdown" von Keb' Mo'
Es ist ein Klischee mit wahrem Kern: der Blues handelt von zerbrochener Liebe, persönlichen Schicksalsschlägen und Ungerechtigkeit. Mit diesen Themen beschäftigt sich auch der US-amerikanische Bluesmusiker Keb’ Mo’ auf seinem neuen und sehr persönlichen Album "The Breakdown". Auslöser für den titelgebenden Zusammenbruch waren eine undichte Herzklappe gefolgt von einer lebensrettenden Operation und das Ende seiner langjährigen Ehe. In kurzer Zeit fiel sein ganzes Leben auseinander. "Die einzige Art, wie ich darauf reagieren konnte, war, auch die Musik auseinanderzunehmen", erzählt der 74-jährige und nahm nach längere Auszeit Songs auf, die auf das Wesentliche reduziert sind: seine Stimme und seine akustische Gitarre.
Aufgenommen im Heimstudio nahe Nashville, verbinden die zehn Songs Blues, Folk, Soul und Gospel zu einer intimen Bestandsaufnahme. Keb’ Mo’ reflektiert Vergänglichkeit, Verlust und Neuanfang, ohne dabei seinen Optimismus zu verlieren. "The Breakdown" ist ein ehrliches und menschliches Album über Resilienz, Dankbarkeit und die Kraft, selbst in schwierigen Zeiten Hoffnung zu bewahren – auch das ist der Blues.
Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz
Gespielte Titel:
Montag: Fussing and Fighting
Dienstag: They Don’t Make ‘Em Like They Used To
Mittwoch: More Yesterdays
Donnerstag: We Make Love
Freitag: Hand It Over
CD-Angaben:
Label: Concord Records
EAN: 0888072776609
24. - 28. August: "What does it take to bloom?" von Somi
Die US-Amerikanische Sängerin, Songschreiberin und Theatermacherin Somi hat nach sechs Jahren endlich wieder ein Album mit eigenen Songs veröffentlicht. Entstanden ist es in unterschiedlichen Teilen der Welt: in Dakar, Lagos, Paris und New York. Und gerade weil diese vielen Orte ein Gefühl von Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit auslösen könnten, stellt sie die Frage nach Heimat. Welche Wurzeln braucht ein Mensch, damit er "blühen" kann? 13 neue Songs über das Ankommen bei sich selbst. Angesiedelt zwischen Jazz und Afropop, mal melancholisch und leise, mal fordernd und laut – und immer geerdet durch ihre großartige geschmeidige Stimme.
Ein Musiktipp von Ulrike Kukula
Gespielte Titel:
Montag: Sometimes love
Dienstag: Aiwah
Mittwoch: We’re all falling
Donnerstag: Throw something
Freitag: Ngayaya
17. - 21. August: "Trip the Night Fantastic" von Terri Lyne Carrington
Auf "Trip the Night Fantastic" trommelt und singt die 1965 in Massachusetts geborene Enkelin des Schlagzeugers Matt Carrington (Fats Waller) und Tochter des Saxophonisten Sonny Carrington (James Brown) nach eigenen Worten gegen die Dunkelheit unter Trump an. Dabei wandelt sie die Gedichtzeile von John Milton "Trip the Light Fantastic" (1632) ab, passend zu ihrer Überzeugung, dass Kunst und Aktivismus schon seit der Talking-Drum zusammengehören. Mit ihrem um Jahrzehnte jüngeren politischen Quintett "Social Science" (Debo Ray, Aaron Parks, Matthew Stevens, Kassa Overall und Morgan Guerin) lotet TLC, wie sie sich abkürzt, dieses Mal also nicht mehr nur instrumental, sondern auch gesanglich aus, wie sich Schmerz, Wut und Verzweiflung in tanzbare, aufputschende Ermutigung umsetzen lassen. Im Sinne einer aktiven Demokratie kommen auch noch einige Gäste von außen mit ins Boot, das da tapfer schaukelt im Ozean von Gender-, Race- und Klimawandel-Issues.
Ein Musiktipp von Elise Schirrmacher
Gespielte Titel:
Montag: Riddim Song
Dienstag: Solidarity Song
Mittwoch: Identity Song
Donnerstag: Climate Song
Freitag: Children Song
CD-Angaben:
Label: Candid Records
VÖ: 14.08.2026
10. - 14. August: "The Womack Sisters" von The Womack Sisters
Ein musikalisches Familienerbe anzutreten kann eine echte Last sein und unter Umständen eine ganze Weile dauern, wie bei "The Womack Sisters". Der Großvater kein anderer als die Soul-Legende Sam Cooke, der Onkel die R&B-Ikone Bobby Womack, die Eltern Linda Cooke und Cecil Womack einst unterwegs als Womack & Womack. Aufgewachsen sind die drei Schwestern Kucha, Zeimani und BG quasi auf Tour, nirgendwo konnten sie Fuß fassen – nur die Musik ihrer Familie hat ihnen so etwas wie ein Zuhause vermittelt. Natürlich könnte man sich musikalisch jetzt abgrenzen, doch für die Schwestern war das keine Option, also warten sie nun mit ihrem Debüt-Album "The Womack Sisters" auf, einer Ode an Musiktradition der Familie. Wunderschöner, erdig-warmer Soul. Retro und dennoch frisch. Der perfekte Soundtrack für den Spätsommer und ein Muss für alle Soulfans.
Ein Musiktipp von Julia Spyker
Gespielte Titel:
Montag: Chauffeur
Dienstag: If I let you
Mittwoch: You went away too long
Donnerstag: All around
Freitag: If you want me
CD-Angaben:
Album: The Womack Sisters mit "The Womack Sisters"
VÖ: 14.08.2026
Label: Daptone Records
03. - 07. August: "Trumpets of Michel-Ange Vol. 2" von Ibrahim Maalouf
Ein Album aufnehmen und veröffentlichen, nur um ein Instrument bekannter zu machen? Na gut, auch um Musik noch grenzenloser spielen zu können. Genau das macht der Trompeter Ibrahim Maalouf – nicht zum ersten Mal.
"Trumpets of Michel-Ange Vol. 2" heißt das neue Album von Ibrahim Maalouf, auch hier steht ein Instrument im Zentrum, die Vierteltrompete, die sein Vater erfunden hat. Ein Instrument, das die Grenzen zwischen der Musik des nahen Ostens und des Westens verschwinden lässt. Denn die Vierteltontrompete hat ein zusätzliches viertes Ventil und ermöglicht – wie es ihr Name schon sagt – Vierteltöne. So entsteht auf diesem Album ein faszinierender Musikmix. R&B und Soul treffen auf Chanson oder palästinensische Tänze. Mit von der Partie sind die palästinensische Sängerin Nai Barghouti, der Posaunist Trombone Shorty oder auch der Weltklasse Akkordeonist Richard Galliano. Alle sind auf dieser Party willkommen und jeder macht sie bunter und faszinierender. Mitten drin Ibrahim Maalouf, verspielt und voller Feuereifer mit seiner Vierteltontrompete.
Gespielte Titel:
Montag: Hold your Peace
Dienstag: Zaatar & Zeit
Mittwoch: Layla's Wedding
Donnerstag: Oui, je le veux
Freitag: Chasing the Sun
CD-Angaben:
"Trumpets of Michel-Ange Vol. 2" von Ibrahim Maalouf
Label: Mister I.B.E.
27. - 31. Juli: Ella Fitzgerald - Live At Falkoner Theatre Copenhagen 1966
Vor 30 Jahren starb die "First Lady des Jazz", Ella Fitzgerald. 60 Jahre Karriere, 13 Grammys, mehr als 40 Millionen verkaufte Alben – sie gehörte zu den erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten. Man könnte meinen, dass von so einem Superstar mittlerweile jeder mitgeschnittene Ton veröffentlicht worden sei. Glücklicherweise ist das ein Trugschluss: Denn nun sind verschollen geglaubte Aufnahmen aus Dänemark wiederentdeckt worden, auf denen sie einmal mehr mit ihrer Energie, Spielfreude und Leidenschaft begeistert. Zusammen mit der Bläsersektion des Duke Ellington Orchesters und dem Jimmy Jones Trio singt sie völlig losgelöst und ausgelassen ihre bekannten Klassiker.
Ein Musiktipp von Ulrike Kukula
Gespielte Titel:
Montag: Satin Doll
Dienstag: Wives and Lovers
Mittwoch: Mack the Knife
Donnerstag: So Danco Samba
Freitag: Lover Man
20. - 24. Juli: "Em Julho" von Elsa Johanna Mohr und Flávio Nunes
Das Album "Em Julho" von Elsa Johanna Mohr und Flávio Nunes ist die schnellstmögliche Verbindung zwischen dem Rheinland und Brasilien – direkt durch das Ohr. Schon auf ihrem ersten gemeinsamen Album "Passadinha" präsentierten die Sängerin und Gitarristin aus Köln und der in Düsseldorf lebende brasilianische Gitarrist eine wunderbare Mischung aus Bossa Nova- und Choro-Klassikern und Eigenkompositionen. Diese Rezeptur liegt auch ihrem neuen Album zugrunde. Wieder hat Mohr die vielfältige brasilianische Musikliteratur durchstöbert und dabei Schätze u.a. von Marcos Valle, Milton Nascimento und Antonio Carlos Jobim gehoben, die sie für eine intime Duo-Besetzung arrangiert hat. Dabei ist es ihr gelungen, die Songs behutsam zu modernisieren und sie für Einflüsse aus Jazz und Pop zu öffnen, so dass sie zusammen mit ihren eigenen Kompositionen ein organisches Gesamtwerk zwischen Leichtigkeit und Tiefe ergeben.
Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz
Gespielte Titel:
Montag: Água de Coco
Dienstag: Beijo da Lua
Mittwoch: Que Bandeira
Donnerstag: Nem Um Dia
Freitag: Tico Tico no Fubá
CD-Angaben:
VÖ: 17.07.2026
Label: Double Moon Records
Bestellnr.: DMCHR71484
EAN: 0608917148428
13. - 17. Juli: "The Hero´s Journey" von Daniel García
"The Hero´s Journey" bezieht sich inhaltlich nicht nur auf Garcías Vater, der letzten Winter nach einjähriger Krankheitsphase starb, sondern auch auf die Herausforderungen, die das Leben prinzipiell für jeden einzelnen Menschen mit sich bringe, erklärt García im Pressetext. Ein Held sei für ihn, wer ein Hindernis nach dem anderen überwinde.
Vielleicht ist es diese zugewandte Resilienz, die das vierte Studioalbum des zeitgenössischen Jazzpianisten so neugierig und offen klingen lässt. Außerdem liebt Daniel García nicht nur Jazz und Flamenco, sondern auch noch Klassik, mittelöstliche Musik, Rock und Singer-Songwritertum. Und wenn er bei manchen "Stationen" – so nennt er seine Stücke – dann noch dezent aus der Ferne dazu summt, steht ganz unverhüllt Keith Jarrett am Wegrand dieser Heldenreise.
Ein Musiktipp von Elise Schirrmacher
Gespielte Titel:
Montag: Tests
Dienstag: Allies
Mittwoch: Approach To The Inmost Cave
Donnerstag: Meeting The Mentor
Freitag: The Sacrifice
CD-Angaben:
VÖ 26.06.2026
Label: ACT
06. - 10. Juli: "Beleza" von Muca & Roberto Menescal
Der Gitarrist, Komponist und Produzent Muca verfolgt auf seinem neuen Album "Beleza" die Bossa Nova zurück auf ihre wörtliche Bedeutung: "Neue Welle".
Was in den späten 1950er Jahren an der Copacabana als jazzige Spielart der Samba begann, trat bald darauf seinen weltweiten Siegeszug an. Einer der von Anfang an dabei war und die Bossa Nova maßgeblich mitentwickelt und geprägt hat, ist der heute 88-jährige Gitarrist, Komponist und Produzent Roberto Menescal. Als sein junger Landsmann Muca ihn für ein gemeinsames Album anrief, blitzte Menescals Pioniergeist auf und er sagte direkt zu:
"Ich sehne mich nach dem Neuen, und ich glaube, genau das haben wir mit diesem Album erreicht."
Muca, bürgerlich Murillo Sguillaro, erklärt das Projekt mit dem Drang, nach 16 Jahren in Großbritannien seine brasilianischen Wurzeln in Musik und Kultur wiederzuentdecken. Zwischen London, Rio de Janeiro und São Paulo entstanden 12 Songs, die von eben so vielen Gastsängerinnen zur Hälfte auf Portugiesisch und auf Englisch interpretiert werden. "Beleza" ist eine generationen- und genreübergreifende Kollaboration auf der Bossa Nova mit Folk, Elektro, Indiepop und Elementen der Música Popular Brasileira kombiniert wird – sozusagen eine Bossa Nova Nova.
Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz
Gespielte Titel:
Montag: A Beleza de Ser (feat. Ilessi)
Dienstag: Dance With You (feat. Alice SK)
Mittwoch: Versos Singelos (feat. Mirella Costa)
Donnerstag: Ladeira (feat. Josyara)
Freitag: Playing on the Loose Fields (feat. anaiis)
CD-Angaben:
VÖ: 12. Juni 2026
Label: The Secret Warehouse of Sound
EAN: 4995879255377
29. Juni - 03. Juli: "Ombrelloni & Gru" von der Crucchi Gang
Was vor sechs Jahre als Schnapsidee begann, geht nun in die dritte Runde. Einmal mehr macht sich die Crucchi Gang überwiegend deutschsprachige Lieder zu eigen und übersetzt sie nicht nur sprachlich sondern auch musikalisch nach Italien. Dabei wildern sie in allen möglichen Stilen und Epochen: etwa bei Ideal, Fettes Brot oder Hildegard Knef. Stimmlich unterstützt wird die vierköpfige Band rund um den Sänger Francesco Wilking unter anderem von Alli Neumann und Sven Regener. Und erstaunlicherweise funktioniert das (trotz - oder gerade wegen des Hauchs von Kitsch und ein bisschen Klischee) ganz wunderbar.
Ein Musiktipp von Ulrike Kukula
Gespielte Songs:
Montag: Oggi Qui Domani La
Dienstag: Occhi Blu
Mittwoch: Mille Rose
Donnerstag: Emanuela (Giu La Mani)
Freitag: Ragazza Solo Ragazz Sola
22. - 26. Juni: "Better Tomorrow" von The Ediacaran
Bis 2021 hat der diplomierte Sound-Ingenieur an der SAE in Köln studiert, danach zog er in die Hauptstadt Kataloniens und produziert, mischt und mastert seither für andere lofi Hip-Hop und alternative R´n´B, sowie für sich selbst und seinen Musik-Kollegen Florian Hausner das Gemeinschaftsprojekt "The Ediacaran". Den Bandnamen hat er aus der Erdgeschichte geklaut: Das Erdzeitalter Ediacarium gilt als eine fast hundert Millionen Jahre währende, ausgesprochen friedliche Zeit der Koexistenz abertausender Arten. Das passt tatsächlich. Denn in seinen chillig dahingemurmelten englischsprachigen Songs kritisiert Bastido nicht selten die heutige Zeit mit all ihren Auswüchsen (Social-Media-Konsum, Klimawandel, Kriege), eingebettet aber in einen aufmunternden, indiefolkigen happy-go-lucky-Sound. Immer wieder singen dabei auch weibliche Stimmen mit, auf dem Debütalbum "A Summer On The Brink" im kontrastreichen Song "Butterfly" zum Beispiel die katalanische Folksängerin Raquel Lúa.
Ein Musiktipp von Elise Schirrmacher
Gespielte Titel:
Montag: Better Tomorrow
Dienstag: Sepia
Mittwoch: Butterfly
Donnerstag: Chroma
Freitag: Paradox
CD-Angaben:
VÖ: 19.06.2026
Label: Besser-Samstag
15. - 19. Juni: "Camaïeu" von TON-SUR-TON
TON-SUR-TON, also Ton in Ton, das sind die niederländische Sängerin Sylvie Klijn und der Schweizer Kontrabassist Christoph Utzinger. Auf ihrem Debütalbum "Camaïeu" beweisen sie, dass man manchmal nicht mehr als Stimme und Kontrabass benötigt, um Musik zu machen, die das Ohr bei Laune hält und noch vielmehr überrascht. Frisch, leicht und auf neuen Pfaden bewegen sich die beiden Musiker. Und es ist wahre Freude ihnen dabei zu folgen. Hin und wieder taucht ein Gastmusiker bei den Songs auf, wie Lenni Torgue am Vibraphon und an den Percussions, Jürg Bucher an der Altklarinette und Matthias Kohler am Glockenspiel. Es gibt Alben, bei denen man sich direkt fragt, wann wohl das nächste herauskommen wird, weil man einfach direkt mehr davon hören möchte. Genau so ist es bei TON-SUR-TON.
Ein Musiktipp von Julia Spyker
Gespielte Titel:
Montag: Tied
Dienstag: I Repeat
Mittwoch: Bullet
Donnerstag: Summer Rays
Freitag: Haut Cuisine
CD-Angaben:
TON-SUR-TON: Camaïeu
Label: Unit Records
VÖ: 05.06.2026
09. - 12. Juni: "Tailspin" von Eleni Mandell
Sieben Jahre, eine Pandemie und mehrere tiefe Einschnitte in ihrer Biografie sind seit ihrer letzten Veröffentlichung vergangen, somit lässt sich "Tailspin" von Eleni Mandell getrost als Comeback bezeichnen. Allerdings eins unter veränderten Vorzeichen – es ist keine laute Rückkehr ins Rampenlicht, sondern eher ein leises und sehr persönliches Lebenszeichen. "Ich wusste nicht, ob ich jemals wieder ein Album veröffentlichen würde", erzählt sie. Seit den späten 1990er Jahren veröffentlicht die 1969 in Los Angeles geborene Singer-Songwriterin Platten mit einem eigenwilligen Mix aus Folk, Westcoast-Country und Pop Noir. Auch "Tailspin" trägt diese besondere musikalische Handschrift, mit der sie ihre Songs zwischen Lakonie und Melancholie balanciert. Die Arrangements sind auf eine kleine Begleitband, manchmal auch nur auf Klavier oder Gitarre reduziert. So konzentrieren sich die Stücke mehr denn je auf ihre Stimme und die Texte, die Geschichten von Zusammenbruch und dem unbedingten Drang, weiterzumachen, erzählen.
Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz
Gespielte Titel:
Dienstag: Life Is Sometimes
Mittwoch: Lemon Tree
Donnerstag: Teardrop Ghost
Freitag: Go Look At The Sky
CD-Angaben:
VÖ: 29.05.2026
Label: Schoolkids Records
EAN: 0634457240605
01. - 05. Juni: "Neath Beat" von Joe Webb
Joe Webb ist ein Meister des aus dem Ragtime entwickelten Stride-Piano-Stils. Aufmerksam begleitet vom Schlagzeuger Sam Jesson und vom Kontrabassisten Will Sach sitzt er (auch gerne in Trainingsjacke) am Steinway-Flügel oder an der Hammondorgel, und während seine linke Hand zwischen Basstönen und Akkorden hin- und herfliegt, verbeugt er sich vor Duke Ellington, Oscar Peterson und Fats Waller. "Neath Beat" ist nach dem für den Mercury Prize nominierten Album "Hamstrings & Hurricanes" von 2024 das zweite Album auf dem Indie-Jazzlabel Edition Records, und wieder kommen Webbs Kompositionen so tiefschürfend und leichtfüßig daher, dass die britische Jazzszene ganz aus dem Häuschen ist. Joe Webb gilt als eines der vielversprechendsten Nachwuchstalente, Gilles Peterson bescheinigte ihm "a unique space in today´s jazz landscape".
Wie schon auf seinem vorigen Album variieren die Längen der Stücke von eingeblendeten Minuten-Impressionen (in der Hommage an "Duke") bis hin zu Sechs-Minuten-Nummern. Aber was noch mehr auffällt, ist Joe Webbs Lust am Untermischen von Live-Aufnahmen in die ansonsten cleane Studio-Ästhetik. Außerdem gehen die Stücke manchmal ineinander über, so dass ansatzweise ein DJ- bzw. Mixtape-Eindruck entsteht. Diese Details laufen unter dem Radar, beneath the beat, sozusagen - wie man es eben macht im walisischen Neath, wo der Wahl-Londoner aufgewachsen ist.
Ein Musiktipp von Elise Schirrmacher
Gespielte Titel:
Montag: Corrèze
Dienstag: Uncle Paul
Mittwoch: Goalmouth Scramble
Freitag: Fantastic Mr. Cox
CD-Angaben:
Label: Edition Records
VÖ: 22.05.2026
25. - 29. Mai: "Love Myself" von Tal Arditi
Es fühle sich an wie sein Debütalbum als Singer-Songwriter, lässt Tal Arditi verlauten. Dass sein Label ihn mit dem großen Nick Drake vergleicht, mag weit hinausgelehnt sein, findet aber hier und da seine Berechtigung, melodisch und gesanglich zum Beispiel in den Strophen von "In My Head". Das liegt aber auch daran, dass Tal Arditi auf seinem Ausfallschritt in den Indiepop ausgesprochen folkig die Gitarre zupft. Zum Drake-Kosmos passen außerdem die intimen Song-Inhalte. Der missverständliche Albumtitel "Love Myself" ist ein Zitat aus dem gleichnamigen Song, der so beginnt: "Maybe some day I will love myself". Ein Zweifeln also, kein sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen. Trotz aller suchenden Vorsicht hören wir auf "Love Myself" einen selbstbewussten Tal Arditi, der noch nie dermaßen angedickt und zugleich aufgeräumt klang.
Ein Musiktipp von Elise Schirrmacher
Gespielte Titel:
Dienstag: Whatever You Want
Mittwoch: Into The Ocean
Donnerstag: In My Head
Freitag: In Between World
CD-Angaben:
Tal Arditi - "Love Myself"
VÖ 29.05.2026
Label: Mouthwatering Records
18. - 22. Mai: "Have I lost my Magic" von To Athena
To Athena wächst inmitten von Musik auf. Ihre Eltern bauen Geigen und dennoch ist die klassische Musik zunächst gar nicht ihres. Doch das ändert sich, denn Streicher findet man in ihrer Musik, einer Art Kammermusikpop, den sie immer wieder neu kreiert. Genau das macht die Musik von To Athena so wunderbar. Keine festgetretenen Pfade, sondern immer wieder ein paar neue Ecken zu entdecken. Und trotzdem fragt sie sich auf ihrem neuen Album "Have I lost my Magic?", zu Deutsch: Habe ich meine Magie verloren? Man mag es kaum glauben, wenn man das Album hört, spielerisch wechselt sie zwischen englischen und schweizerdeutschen Texten. Vor allem das Schweizerdeutsch gibt eine hübsche Nuance, ganz sanft und bei sich. Ein Album voller Zweifel und Lichtblicke.
Ein Musiktipp von Julia Spyker
Gespielte Titel:
Montag: Ready
Dienstag: Ergendeinisch
Mittwoch: Hebe
Donnerstag: Ech bieg do mol ab
Freitag: Shut the Door
CD-Angaben:
To Athena - "Have I lost my Magic"
VÖ: 21.05.2026
Label: Mouthwatering Records
11. - 15. Mai: "Time" von Taj Mahal & The Phantom Blues Band
Im vergangenen Jahr bekam der Blues- und Rootsmusiker Taj Mahal, bürgerlich Henry St. Claire Fredericks, den Grammy Lifetime Achievement Award für sein Lebenswerk. Jetzt, kurz vor seinem 84. Geburtstag am 17. Mai, erscheint sein neues Album "Time", wobei "neu" auf die Veröffentlichung zutrifft, die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2010.
Zusammen mit seinen langjährigen Begleitern "The Phantom Blues Band" nahm er zehn Songs auf, in denen er Blues mit Soul, Reggae, Salsa, Afro und New Orleans Jazz kombiniert. Mit dieser musikalischen Offenheit und Experimentierfreude ist Taj Mahal Ende der 1960er Jahre bekannt geworden. Seitdem hat er in verschiedenen Besetzungen über 40 Platten veröffentlicht, auf denen er vom Blues ausgehend verschiedene Musiktraditionen der Welt erforscht und sich damit zu einem kulturellen Botschafter entwickelt hat. ist. Das Album "Time" in seiner stilistischen Vielfalt ist da keine Ausnahme. Im Begleittext zum Album "Time" heißt es sehr treffend: "Dreh die Anlage auf – das ist Deep-Groove-Musik für Erwachsene von einer Band, die immer noch so spielt, als sei die Nacht noch jung."
Ein Musiktipp von Sebastian von Haugwitz
Gespielte Titel:
Montag: Life of Love
Dienstag: Crazy About A Jukebox
Mittwoch: Time
Freitag: Rowdy Blues
CD-Angaben:
VÖ: 01.05.2026
Label: Resonatin' Records
EAN: 0732388023288