WDR 5 Tagesgespräch : Nofretete nach Hause – wem gehören die Museumsschätze?
Ägypten hat ein neues Museum eröffnet, es zeigt mehr als 100.000 Exponate. Nur die berühmte Nofretete-Büste fehlt – sie steht weiter im Neuen Museum in Berlin. Eine Petition aus Ägypten fordert ihre Rückgabe. Raubkunst oder Kulturerbe – wer darf was behalten? Diskutieren Sie mit Nanette Snoep, Künstlerische Leiterin des Rautenstrauch-Joest-Museums, im WDR 5 Tagesgespräch!
Streit um die berühmteste Königin
Das Grand Egyptian Museum in Gizeh ist eröffnet – ein Millionenprojekt, das 7.000 Jahre ägyptischer Geschichte zeigt. Doch ausgerechnet die berühmteste ägyptische Königin fehlt: Nofretete steht weiter in Berlin. Seit Jahren gibt es immer wieder Forderungen nach einer Rückgabe – allerdings nicht von offizieller ägyptischer Seite. Die Position der deutschen Seite ist klar: Die Büste sei nach dem Fund 1912 rechtmäßig nach Berlin gekommen. Fast 50.000 Menschen in Ägypten haben dennoch eine Petition für Nofretetes Rückkehr unterschrieben.
Die Debatte zeigt exemplarisch den schwierigen Umgang mit Kulturgütern in unseren Museen. Viele stammen aus fernen Ländern und gelangten einstmals auf fragwürdige Weise in unseren Besitz. "Heute würde kein Land der Welt akzeptieren, dass die Hälfte seiner archäologischen Funde in ausländische Museen verschleppt wird", kritisiert der Historiker Sebastian Conrad.
Problematische Rückgaben
Restitution ist das Stichwort – die Rückgabe der Kunstwerke an ihre Herkunftsländer. So etwa bei den Benin-Bronzen: Nach jahrelangen Diskussionen reisten 2022 die ersten 20 kostbaren Bronzen aus deutschen Museen nach Nigeria zurück. Doch weitere Rückgaben stocken mittlerweile. Denn einige zurückgegebene Bronzen sind verschwunden oder in privaten Sammlungen gelandet.
2023 etwa übergab der nigerianische Präsident Bronzen direkt dem Oba von Benin, dem traditionellen Oberhaupt. Auch argumentiert eine New Yorker Organisation von Nachfahren westafrikanischer Sklaven, dass viele Bronzen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit "Blutmetall" der Sklavenhändler entstanden seien, da das Königreich Benin 300 Jahre lang am Sklavenhandel partizipiert habe.
Wie umgehen mit Kulturschätzen in unseren Museen? Haben Sie schon einmal die Nofretete-Büste oder andere umstrittene Kulturgüter in Museen besucht – und welche Gedanken gingen Ihnen dabei durch den Kopf? Sollen deutsche Museen alle Kulturgüter aus der Kolonialzeit zurückgeben oder gibt es berechtigte Ausnahmen? Wie bewerten Sie das Argument, dass manche Benin-Bronzen aus Geldern des Sklavenhandels entstanden sind? Bereitet es Ihnen Sorgen, dass zurückgegebene Kunstwerke verschwinden könnten, oder sollte das Eigentumsrecht der Herkunftsländer Vorrang haben? Können Kompromisse wie Leihgaben eine Lösung sein?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Nanette Snoep, Künstlerische Leiterin des Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln
Redaktion: Birgit Becker und Alina Eckelmann