Clara Bielefeld - das größte deutsche Basketball-Talent
Bildquelle: IMAGO/Hansjürgen Britsch02:02 Min.. Verfügbar bis 19.08.2027.
Am 4. September starten die deutschen Basketballerinnen gegen Spanien in die Heim-WM in Berlin. Dann würde auch gerne Clara Bielefeld auf dem Feld stehen. Die Aufbauspielerin, die in Recklinghausen geboren wurde und unter anderem für den Herner TC spielte, wird am 28. August 19 Jahre alt und gilt als eines der größten Talente im Frauen-Basketball. Der Weltverband FIBA führte sie im Vorjahr als einzige deutsche Spielerin in der "20 under 20"-Liste mit den größten europäischen Talenten.
"Eine Teilnahme an der WM wäre eine supergroße Ehre für mich - es ist schon ein Traum, den man hat", sagte Bielefeld dem WDR. "Es ist was Besonderes, weil Deutschland sich seit Langem wieder qualifiziert hat und eine Heim-WM sehr selten ist. Das wird in meinem Leben hochwahrscheinlich nicht noch einmal kommen. Deswegen wäre eine Teilnahme schon sehr, sehr cool."
"Wir wollen eine Medaille gewinnen"
Bielefeld ist eine von 14 Nationalspielerinnen, die Bundestrainer Olaf Lange für eine Reihe von Testspielen vor der WM nominiert hat. Nach dem Test gegen Spanien (60:65) folgen noch Vergleiche gegen Ungarn und die Türkei.
"Ziel unseres Teams ist es, eine Medaille zu gewinnen", sagt Bielefeld. "Wir wollen aber auf jeden Fall weit kommen. Das mit den Zuschauern in Berlin wird uns extrem helfen. Es ist schon krass, bei einer WM dabei zu sein, aber eine Medaille zu gewinnen wäre unglaublich. Wir haben ein supergutes Team. Wir haben viele Spielerinnen in der WNBA, in der auch unser Trainer coacht. Es gibt gerade viele Puzzlestücke, die zusammenpassen. Wir fungieren gut als Team, haben eine gute Team-Chemie."
Sport und Studium nehmen viel Zeit ein
Bielefeld spielt und studiert seit einem Jahr an der Texas Christian University. Mit ihrem Team TCU Horned Frogs verpasste sie Ende März den Einzug ins Final Four der "March Madness" und schied im Viertelfinale aus. Nach ihrem Wechsel vom Herner TC in die USA hat Bielefeld einen vollgepackten Alltag.
"In des USA habe ich ein Basketball-Stipendium für das College. Wir haben 30 bis 40 Spiele im Jahr. Für mich war das ein super Moment, Basketball und Studium zusammenzubringen, weil mir immer klar war, dass ich nur auf die Basketball-Karte setzen kann", so Bielefeld. "Es wird auch sehr darauf geachtet, dass man mit dem Studium hinterherkommt. Und das Basketball-Level und die Professionalität sind einfach sehr gut dort."
"Habe mich in den USA sofort wohl gefühlt"
Nach ihrem Sprung über den großen Teich sei sie gut aufgenommen worden, berichtet Bielefeld. "Ich hab mich in den USA sofort wohlgefühlt. Das Team und die Trainer haben mich super aufgenommen - deswegen habe ich mich auch für diese Uni entschieden. Ich habe erst einmal auf dem Campus und dadurch auch nicht komplett alleine gelebt."
Die Kombination aus Studium und Sport lässt der 18-Jährigen wenig Zeit für andere Dinge. "Wir haben oft erst Krafttraining, aber meistens mache ich vorher noch ein Individual-Training. Dann haben wir noch ein Team-Training. Danach, so gegen 12 Uhr, fängt die Schule an - manchmal nur zwei Stunden, manchmal mehr. Und abends ist immer frei, wo man noch mal werfen gehen kann oder mit Freunden was machen. Das ist der Alltag."
Während der Saison werde aber auch sehr viel gereist. "Pro Woche haben wir meistens ein Auswärtsspiel, für das wir zwei, drei Tage unterwegs sind. Während der Saison hat man viel zu tun und ist dann oft auch einfach müde, aber College-Leben geht auch ein bisschen", sagt Bielefeld.
Mit 1,92 Meter als Point Guard unterwegs
Was bei Bielefeld sofort auffällt: Für eine Aufbauspielerin ist sie ungewöhnlich groß - 1,92 Meter. "Ich war früher nicht so groß und bin relativ spät gewachsen. Ich war immer jemand, der es mochte, den Ball zu passen und das Spiel aufzubauen. Daher habe ich von der U10 an immer Point Guard gespielt. Ich hatte zum Glück Trainer, die gesehen haben, dass meine Stärken auf der Point-Guard-Position sind. Als ich 14 oder 15 war, habe ich noch einmal einen Schuss gemacht. Aber da habe ich auf der Position schon zu Hause gefühlt."
Profi-Basketballerin zu werden, habe sie erst relativ spät ins Auge gefasst. "Als Kind habe ich gar nicht so viel darüber nachgedacht, das professionell zu machen. Ich habe es für eine sehr lange Zeit gemacht, weil es einfach Spaß gemacht hat. Erst in den letzten Jahren hat es sich so entwickelt, dass ich das auch professionell machen könnte. Und seit ich angefangen habe, in der Jugendnationalmannschaft zu spielen, hatte ich das Ziel, Damen-Nationalmannschaft zu spielen."
Label "Supertalent" haftet an Bielefeld
Dass sie von vielen Experten als "Supertalent" betitelt wird, sieht Bielefeld eher entspannt. "Eine Last ist es nicht, aber es kommt ein gewisse Art an Druck dazu. Druck ist aber auch ein Privileg, das extrem viel hilft. Deswegen würde ich sagen: Es ist ein Mittelding aus Last und Befreiung. Es ist natürlich auch eine Ehre und cool das zu hören, aber ich mache mir nicht zu viele Gedanken darüber."
Sie selbst geht mit ihren Leistungen aber eher kritisch um. "Es ist immer schwierig zu sagen 'Ich bin richtig gut' oder 'Ich sehe mich eher nicht so gut', weil ich immer mehr erreichen möchte. Ich bin eher eine Person, die sagt: 'Ich weiß, dass ich es besser machen könnte'. Aber ich habe in den letzten Jahren daran gearbeitet und gelernt zu sagen: 'War aber auch nicht so schlecht.'"
Jüngste deutsche Nationalspielerin
Erfahrung im Nationaltrikot durfte sie schon bei der EM 2025, bei der Deutschland Fünfter wurde, und bei der U20-EM (Rang 10) sammeln. Bei der EM 2025 war Bielefeld die jüngste deutsche Nationalspielerin, die je das Trikot getragen hat. "Ich wusste das erst gar nicht. Das habe ich erst im Nachhinein durch die Medien erfahren. Es war eine super Erfahrung letztes Jahr. Ich war sehr nervös vorher, aber das Team war sehr nett und hat mich mega aufgenommen. Schon das Training hat viel Spaß gemacht. Und weil ich so jung war, wusste ich auch, dass ich nichts zu verlieren habe und konnte locker da rein gehen."
Nun hofft Bielefeld auf eine Nominierung und eine gute WM - allzu weit nach vorne möchte sie nicht schauen. "Ich konzentriere mich auf das Hier und Jetzt. Ich möchte professionell Basketball spielen - ob das in den USA oder Europa sein wird, weiß ich noch nicht."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Clara Bielefeld
Sendung: WDR, "Mittagsmagazin", 20.08.2026, 12:00 Uhr