WM-Aus beim Public-Viewing in Herten | Video
WDR. 00:29 Min.. Verfügbar bis 30.06.2028.
Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der WM 2026 den nächsten Tiefschlag erlitten. Im Sechzehntelfinale scheiterte das Team von Julian Nagelsmann dramatisch im Elfmeterschießen an Paraguay. Nach einem 1:1 nach Verlängerung behielten die Südamerikaner in Boston die Nerven.
Die Partie begann ungünstig: Trotz deutscher Spielbestimmung traf Julio Enciso in der 42. Minute zum überraschenden 0:1 für Paraguay. Die DFB-Elf bewies nach der Pause aber Moral. Kai Havertz erlöste die Fans in der 54. Minute mit dem hochverdienten Ausgleichstreffer zum 1:1.
Fassungslosigkeit beim Public Viewing in Essen-Rüttenscheid
Paraguay mauerte geschickt, während Deutschland die Durchschlagskraft fehlte. Auch in der intensiven Verlängerung fiel trotz zahlreicher gelber Karten auf beiden Seiten keine Entscheidung mehr. Ein Treffer von Jonathan Tah wurde wegen eines Fouls nach einem Hinweis vom Videoschiedsrichter aberkannt.
Im Nervenspiel vom Elfmeterpunkt wurde es dramatisch. Kimmich, Musiala und Amiri trafen, Neuer parierte stark. Doch die Fehlschüsse von Havertz, Woltemade und Tah besiegelten das Aus. José Canale verwandelte den entscheidenden Elfmeter zum 3:4-Endstand. Für den DFB ist es das nächste sportliche Debakel: 2018 und 2022 gab es das Aus in der Gruppenphase und diesmal ging es auch nicht viel weiter.
Fußball-Frust in Olper Kloster
Schwester Katharina aus Olpe ist großer DFB-Fan.
Wie generationenübergreifend die Fußballliebe ist, bewies beim dramatischen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft der Blick nach Olpe. Dort saß mit Schwester Katharina eine ganz besondere Expertin vor dem Bildschirm: Die 68-jährige Ordensschwester der Franziskanerinnen ist seit Jahren treuer Fußballfan, zitterte im Elfmeter-Krimi gegen Paraguay mit und drückte fest die Daumen - am Ende jedoch vergebens. Nach dem Abpfiff zeigte sich die Nonne aus dem Sauerland tief enttäuscht und analysierte gewohnt fachkundig:
"Wir haben ja so gut wie keine Torchancen herausgespielt, so kann man nicht gewinnen." Schwester Katharina von den Olper Franziskanerinnen
Während sie die Gruppenspiele wegen der späten Anstoßzeiten diesmal ausfallen ließ, war das Sechzehntelfinale für sie ein Pflichttermin bis zum bitteren Ende. Und das trotz des straffen Zeitplans im Kloster, denn eine Verschiebung gibt es nicht: Der nächste Tag begann für Schwester Katharina pünktlich wie immer morgens um 6 Uhr mit dem Morgengebet.
WM-Aus nach Spiel gegen Paraguay | WDR aktuell
WDR. 02:35 Min.. Verfügbar bis 30.06.2028.
Public Viewings in NRW: Große Partys in Münster und OWL
In Münsters Altstadt bebte die Erde schon zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff. Auf dem Rosenplatz versammelten sich hunderte Fans nur für ihn: EM-Kult-Saxofonist André Schnura brachte die Menge im Nationaltrikot zum Toben. Mit Hits wie "Major Tom" verwandelte Schnura den Platz in ein Fahnenmeer.
Ein echtes Stück Dorfgemeinschaft zeigte sich in Börninghausen. Beim SVE Börninghausen kam gefühlt der gesamte Ort im "Bansen" zusammen. In dieser liebevoll umgebauten Scheune wird seit jeher gemeinsam gefeiert - und an diesem Abend vor allem gemeinsam gelitten. Jede vergebene Torchance hallte durch das hölzerne Gebälk.
Wechselbad der Gefühle in Mönchengladbach
Sommerliche Temperaturen und pure Vorfreude lockten rund 1.000 Fans zum Public Viewing an die Mönchengladbacher Kaiser-Friedrich-Halle. Auf Liegestühlen und Picknickdecken fieberten die Menschen mitten in der Nacht optimistisch mit der deutschen Elf. Doch nach einem frühen Rückstand geriet die erhoffte Fußballparty zunächst zu einer echten Geduldsprobe für alle Beteiligten.
In der zweiten Hälfte kam die Stimmung zurück: Nach dem Ausgleich durch Kai Havertz drückte Organisator Philipp Johnen die App für die Tormusik und brachte den Platz mit "Major Tom" zum Kochen. Als Manuel Neuer im dramatischen Elfmeterschießen sensationell parierte, herrschte unbändige Jubel-Ekstase. Deutschland schöpfte mitten im Drama wieder Hoffnung.
Viele Fans sind zum Public Viewing am Bunten Garten in Mönchengladbach gekommen.
Nur zwei Minuten später folgte der Schock: Nach einem Fehlschuss von Jonathan Tah war Endstation. Sprachlosigkeit und absolute Stille machten sich breit, während sich das Gelände blitzartig leerte. Fan Robin Vogel beschrieb seine Gefühlslage als total enttäuscht. Es sei zwar nur Fußball, doch das bittere Ausscheiden schmerze einfach riesig.
Einlasskontrollen in Duisburg, Ernüchterung in Essen
Hannah und Freundin Nora (v.r.) beim Public Viewing in Essen-Rüttenscheid.
Auch im Ruhrgebiet haben sich viele Fans an zahlreichen Orten zum Rudelgucken versammelt. In Essen-Rüttenscheid war der Fußball-Hotspot an diesem Abend vor einem Irish Pub. Nach erster Euphorie hat sich auch hier schnell Ernüchterung breitgemacht. Hannah und ihre Freundin Nora haben schnell einen Grund für die Niederlage herausgefunden:
"Das eine Tor, was dann noch zurückgezogen wurde, sage ich, war schon unfair." Fußball-Fan Hannah beim Public Viewing in Essen-Rüttenscheid
Unter genauer Beobachtung stand derweil die Kneipe "Coupé 1900" in Duisburg-Großenbaum. Nach einem Vorfall um ein rechtsextremes Trikot beim letzten WM-Spiel der deutschen Mannschaft hatte sich der Wirt deutlich distanziert. Mit schärferen Einlasskontrollen setzte das Lokal ein Zeichen für ein friedliches Miteinander.
Fußball-Fan Ralf haderte mit dem aberkannten Tor und den schwach geschossenen Elfmetern.
Sportlich überwog in der Kneipe nach dem DFB-Aus der Frust: "Peinlich peinlich! Paraguay hat seine Chance genutzt", sagte Fan Ralf im Deutschlandtrikot ernüchtert. Viele blieben fast regungslos auf ihren Plätzen sitzen. "Das muss man erst einmal verarbeiten", sagte ein anderer Fan. Das hatten sich hier alle ganz anders vorgestellt.
Unterbrechung des Rudelguckens in Solingen
Überschattet wurde derweil das Public Viewing am alten Bahnhof in Solingen: Während der Verlängerung kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männern, bei der ein Mann am Kopf verletzt wurde. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.
Die Fans wurden per Durchsage gebeten, das Gelände ruhig zu verlassen, was ein Großteil auch tat. Das Spiel lief weiter, einige blieben bis zum Schluss. Nach dem Aus verließen auch die restlichen Fans das Gelände zügig und friedlich.
Hinweis der Redaktion, 20.06.2026, 15:06 Uhr
In einer vorherigen Version berichteten wir von einem „Abbruch des Rudelguckens“ in Solingen. Das Public Viewing wurde allerdings nur kurzzeitig unterbrochen und lief nach Klärung des Vorfalls weiter. Wir haben das an der entsprechenden Stelle korrigiert.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Sportschau
Sendung: WDR5, WDR aktuell, 30.06.2026, 02:15 Uhr