Matthias Mink hat dem Interviewer ein Fläschchen Wasser mit nach draußen gebracht. Es ist schließlich nochmal warm geworden an diesem frühen Septembertag. Bei Fortuna Köln kellnert der Trainer noch selbst, könnte man sagen. Das Verhalten passt zum Image. "Wir sind ein familiärer Klub. Hier packt jeder mit an. Dort, wo gerade etwas zu tun ist", sagt Mink.
Mink und Fortuna - das ist eine Art Langzeitbeziehung. Vor 34 Jahren tauchte der gebürtige Schwarzwälder erstmals in der Kölner Südstadt auf, wurde beim damaligen Zweitligisten als geschickter Innenverteidiger verpflichtet. Sieben Jahre und 156 Zweitligaspiele später verließ er Köln - um allerdings als Trainer wiederzukommen. 2007 das erste Mal, 2022 dann erneut. Seit Mitte 2022 ist der 59-Jährige auch noch Sportlicher Leiter des Vereins. Heißt: Bei Fortuna geht aus sportlicher Sicht aber nun wirklich alles über den Schreibtisch Minks.
Aufstieg nach sieben quälenden Jahren
Aus Vereinssicht scheint das keine allzu schlechte Ausrichtung zu sein - die jüngsten Erfolge sprechen da für sich. Im Sommer schafften die Südstädter nach sieben teils quälenden Jahren in der viertklassigen Regionalliga den Sprung zurück in Liga drei.
Dort scheint das Team, das nach dem Aufstieg zunächst kaum verändert wurde, durchaus angekommen zu sein: Beim jüngsten 0:0 gegen Zweitliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf holte Minks Team den fünften Punkt im vierten Spiel. Man hat sich nach einem Sieg, einer Niederlage und zwei Remis vorerst im Tabellen-Mittelfeld der Liga einsortiert. "Wir haben gezeigt, dass wir in der Liga mehr als konkurrenzfähig sind", sagt Mink.
"Fortuna Köln ist wieder in"
Das ist wichtig, schließlich will man alles dafür tun, der 3. Liga länger erhalten zu bleiben. Beinahe noch wichtiger, und das betont Mink im Gespräch mit wdr.de, ist die gestiegene Akzeptanz des Klubs, der sich in Köln hinter dem unantastbaren 1. FC und der Viktoria von der anderen Rheinseite lange auf Platz drei der stadtinternen Rangfolge einreihen musste. "Fortuna Köln ist wieder in", sagt Mink.
"Die Fans mögen das hier. Die Südstadt ist ein Arbeiterviertel und hier bei uns wird noch ehrlicher Fußball gespielt. Mit viel Leidenschaft und Einsatz. Das wollen die Leute sehen und das honorieren sie", glaubt Mink. Die bisherigen Zuschauerzahlen bestätigen diese Einschätzung: Sowohl im Heimspiel gegen Alemannia Aachen (8.660 Zuschauer) wie nun auch gegen Düsseldorf (9.544) war das betagte Südstadion bestens besucht.
Problemzone Stadion
Es wären noch mehr Zuschauer gekommen - aber mit dem Stadion das ist so eine Sache bei der Fortuna. Die städtische Anlage gleich hinter dem schmucken Vorgebirgspark hat halt eine begrenzte Kapazität. Außerdem ist sie in die Jahre gekommen, gelinde ausgedrückt. Der Rasen im Stadion ist ramponiert, trotz jahrelanger Planung einer überdachten Stehplatztribüne stehen die Fans bei schlechtem Wetter nach wie vor im Regen. Und: Wo andere Profiklubs ihre Nachwuchstalente in schmucken Leistungszentren verwöhnen, kickten die Jüngsten der Fortuna bis zuletzt noch auf dem legendären Aschenplatz am Eingang des Vereinsgeländes.
Mink weiß um all diese Defizite, sie nerven ihn und dennoch: er bleibt. Kürzlich verlängerte er seinen Vertrag um weitere zwei Jahre und schmiss sich mit aller Verve in die Arbeit: "Alle Spielerverträge galten nach dem Aufstieg auch für die 3. Liga, das hieß: Wir hatten das Ruder in der Hand, waren in der Kaderzusammenstellung diejenigen, die entscheiden", erklärt er. Herausgekommen ist eine Mannschaft, die zunächst einmal gar nicht groß verändert wurde. "Mit einer eingespielten Mannschaft in die ersten Wochen zu gehen - da haben wir schon einen Vorteil für uns gesehen", erklärt Mink.
Zwei erfahrene Kräfte dazugeholt
Neu-Fortune: Cedric Harenbrock
Bildquelle: IMAGO/Beautiful SportsAllerdings: Kurz vor Toreschluss wurden dann doch noch zwei erfahrene Profis verpflichtet, die das sportliche Niveau spürbar anheben sollen. Der 28-jährige Mittelfeldspieler Cedric Harenbrock bringt jahrelange Drittliagerfahrung mit in die Südstadt, der gleichaltrige Angreifer Jannik Mause, den Fortuna vom 1. FC Kaiserslautern verpflichtete, ist ein Torjäger par excellence. Im Trikot des FC Ingolstadt holte er vor wenigen Jahren sogar mal die Torjägerkrone der 3. Liga.
"Das macht uns schon stolz, dass wir hier am letzten Tag des Fensters noch zu solchen Transfers fähig sind. Zumal wir, was die finanziellen Möglichkeiten betrifft, sicherlich zu den Abstiegskandidaten der Liga zu zählen sind", glaubt Mink.
Klassenerhalt 3. Liga - das große Ziel
Drinbleiben in der Liga - das ist das vorrangige Ziel Fortuna Kölns. Anschließend will sich der Verein als Drittligist etablieren, um danach vielleicht mal wieder dorthin zu schielen, wo man vor vielen Jahren war: in die 2. Liga. "Wir wollen die Strukturen nach und nach aufbauen", sagt Mink und er freut sich: "Wir sind noch nicht so viele Leute hier, aber diejenigen die da sind, bringen unwahrscheinlich viel Motivation mit und packen an." Sagt es und verabschiedet sich vom Gast. Um aber auch noch rasch den benutzten Tisch abzuräumen.
Unsere Quellen:
- Autorengespräch mit Matthias Mink
Sendung: WDR.de, "Fortuna Köln ist in der Dritten Liga angekommen", 08.09.2026, 12:15 Uhr