Die Mannschaftaufstellung 1956

70-jähriges Jubiläum Trotz Verbots - Erstes Frauenfußball-Länderspiel in Essen

Stand:

Der DFB behauptete, Fußball sei schlecht für den weiblichen Körper. Also organisierten Frauen ihre eigene WM, 18.000 schauten zu.

Renate Breß klopfte das Herz vor dem Einlaufen bis zum Hals: "Wir sind rein, die Nationalhymne wurde gespielt und da hatte ich natürlich Gänsehaut pur", erinnerte sich Breß im Interview mit der WDR Lokalzeit anlässlich des 50. Jubiläums im Jahre 2006.

23. September 1956: Das erste Länderspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft

NRW-Sport 23.09.2026 1 Min. 10 Sek. Verfügbar bis 22.09.2028 WDR Online Von Mareike Zeck

Nun jährt sich das erste inoffizielle Frauen-Länderspiel zum 70. Mal. Am 23. September 1956 liefen Breß und Co. bei der Weltmeisterschaft für die deutsche Fußballnationalmannschaft im Essener "Stadion Mathias Stinnes" auf. Die Gegnerinnen aus Holland schlug das deutsche Team mit 2:1, Breß war Vorlagengeberin für beide Tore. Wenige Tage vor dem Jahrestag ist Breß verstorben, wie ihr langjähriger Verein Borussia Dortmund mitteilte.   

In Erinnerung bleibt sie als eine Pionierin, und eine Kämpferin gegen Widerstände. "Renate Breß hat den Weg für nachfolgende Generationen Fußballerinnen mitgeebnet", schrieb der BVB anlässlich ihres Todes. Denn der DFB hatte Frauen das Fußballspielen im Verband untersagt. Bress und ihre Mitspielerinnen traten deshalb mit einem inoffiziellen Team an.

23. September 1956: Das erste Länderspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft

Bildquelle: IMAGO / Horstmüller

31 Sek. Verfügbar bis 23.09.2028

Trotz DFB-Verbot und Selbstorganisation war das WM-Spiel besser besucht, als so manches Frauen-Bundesligaspiel heute. Rund 18.000 Zuschauende waren ins Stadion gekommen, viele von ihnen Männer. "Wir haben das nicht so für bare Münze genommen", erinnert sich Zeitzeuge Henner Bodden. "Damenfußball - das war für uns Hollywood." Das habe sich im Verlauf des Spiels aber geändert. "Nach dem Spiel wurde doch schon mit Achtung davon gesprochen", so Bodden.

Manche dachten, wir machen uns lächerlich Anne Droste, Verteidigerin in der inoffiziellen Nationalmannschaft
Das Teamfoto 1956

"Die Zuschauer haben gejubelt, manche dachten auch, wir würden uns jetzt lächerlich machen", erinnert sich Spielerin Anne Droste. "Die wurden dann aber eines Besseren belehrt" ergänzt die ehemalige Abwehrspielerin. In den 50er Jahren als Frau in Deutschland Fußball zu spielen, erforderte Mut. Wie auch in anderen Lebensbereichen wurden Frauen im Fußball diskriminiert, nicht zuletzt durch die Verunglimpfungen des DFB. Der hatte seinen Vereinen 1955 verboten, Fußball für Frauen anzubieten. Der Sport sei dem Wesen der Frau fremd, würde den Körper schädigen und gegen den Anstand verstoßen, hieß es in der Begründung. "Was man mit uns gemacht hat, das war ganz entsetzlich", so die ehemalige Stürmerin Christa Kleinhans, die vor 70 Jahren an der Seite von Droste und Brest auf dem Platz stand.

Dass Männer Frauen Zugang zu bestimmten Lebensbereichen verwehrten, war zu dieser Zeit üblich und hat sich erst durch von Frauen organisierten Widerstand verändert. So auch im Fußball - immer mehr Frauen erkämpften sich den Zugang zum Platz und spielten selbstorganisiert. Ende der 60er Jahre waren es geschätzte 60.000. 1970, 14 Jahre nach dem WM-Spiel in Essen, änderte der DFB schließlich seinen Kurs und erlaubte den Frauenfußball im Rahmen des Verbands.

Pionierarbeit für kommende Generationen

Er führte allerdings ein spezifisches Regelwerk ein: Frauen bekamen einen kleineren Ball und weniger Spielzeit, eine Halbzeit dauerte nur 30 Minuten. Mittlerweile spielen Frauen mit einem herkömmlichen Ball 90 Minuten lang in Stollenschuhen. Und der Frauenfußball hat sich ein eigenes Image erarbeitet. Zwar bekommt er bei weitem nicht dieselbe mediale Aufmerksamkeit wie der Männerfußball, aber immerhin können inzwischen nahezu alle Bundesligaspielerinnen von ihrem Gehalt leben. Vor wenigen Jahren mussten viele von ihnen neben dem Fußball noch Vollzeit arbeiten. Solche Fortschritte wurden in den letzten Jahrzehnten sukzessive erarbeitet und wurzeln nicht zuletzt in der Pionierarbeit von Breß, Droste und Co. in den 50er Jahren.

Spielszene aus der Partie Deutschland - Niederlande 1956

Doch auch die Professionalisierung des Frauenfußballs hatte ihren Preis. Die meisten Vereine, die solche Bedingungen heute für Frauen anbieten können, haben eine erfolgreiche, professionelle Männerabteilung. Hießen die Bundesligameisterinnen bis in die 2010er Jahre hinein noch TSV Siegen, FFC Frankfurt oder Turbine Potsdam, so heißen sie seit 2013 ausnahmslos VfL Wolfsburg oder FC Bayern München. Es scheint, als wäre Frauenfußball auch heute nur vermarktbar, wenn er vom Glanz des Männerfußballs profitiert. In der letzten Saison ist mit der Spielgemeinschaft Schönebeck der letzte Traditionsverein des Frauenfußballs aus der Bundesliga abgestiegen. Die SGS hat ihre Heimat ausgerechnet im für den Frauenfußball legendären Essen im Ruhrgebiet.

Unsere Quellen:

  • ARD Recherchen

Sendung: "Trotz Verbot - Erstes Frauenfußball-Länderspiel in Essen", WDR, 23.09.2026 13:00

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