Nerhar Nurlu

Vor Fußball-WM in Frankfurt "Transplantierte Sportler sind voll leistungsfähig"

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Der Kölner Nehar Nurlu hat die deutsche Nationalmannschaft für transplantierte Fußballer ins Leben gerufen. Der 62-Jährige lebt selbst seit vielen Jahren mit einer transplantierten Leber.

Nehar Nurlu sprüht geradezu vor Energie. Der 62-Jährige ist schließlich in großer Vorfreude auf die Weltmeisterschafts-Woche (13. bis 18.9.2026), den "Transplant Football World Cup". 15 Nationen, sechs Tage Fußball in Frankfurt. Rund 250 organtransplantierte Fußballerinnen und Fußballer aus aller Welt spielen am Main um den Titel. Ein deutsches Nationalteam gibt es natürlich auch, ins Leben gerufen und organisiert von Nehar Nurlu. Bei der ersten Auflage 2024 konnte das deutsche Team den Titel direkt gewinnen, ist nun Titelverteidiger.

Der Kölner Nurlu ist selbst von einer Organtransplantation betroffen, lebt seit mittlerweile 35 Jahren mit einer transplantierten Leber. Wie seine gesundheitlichen Probleme einst entdeckt wurden? "Per Zufall per Ultraschall bei einer Routineuntersuchung", erinnert sich Nurlu im Gespräch mit WDR.de. Von einer Sekunde auf die andere ging es für ihn ganz plötzlich um Leben und Tod. Ein Schock für Nurlu, der selbst ganz nichts von seinen gesundheitlichen Problemen gespürt hatte.

Nehar Nurlu: "Ich hatte Glück"

NRW-Sport 07.09.2026 5 Min. 26 Sek. Verfügbar bis 06.09.2028 WDR Online Von Jörg Strohschein

8000 Patienten warten auf Organe

Dann ging alles ganz schnell: "Ich brauchte so schnell wie möglich eine neue Leber. Ich hatte richtig viel Glück, nach zweieinhalb Wochen habe ein schon ein neues Organ bekommen", sagt Nurlu - und klingt dabei immer noch erleichtert.

Fakt ist: So schnell geht es bei weitem nicht bei jedem Patienten. Derzeit warten rund 8000 Menschen hierzulande auf ein Spenderorgan, teilt die Deutsche Stiftung Organtransplantation mit. Jährlich werden in Deutschland rund 3.000 bis 3.300 Organe transplantiert.

Nach der Transplantation stellte sich auch für seit jeher sportbegeisterten Nurlu die Frage, ob er seinem Hobby weiter nachgehen kann. "Die Ärzte haben mir sogar dazu geraten. Ich musste allerdings ein Jahr warten, habe dann wieder ganz langsam mit dem Training angefangen", sagt Nurlu.

Statistisch hält eine transplantierte Leber rund 20 Jahre

"Sport treiben ergibt auf jeden Fall Sinn. Transplantationen werden ja deshalb durchgeführt, damit die Menschen in ein neues Leben starten können. Man muss immer eine gesunde Portion Gefühl einbringen, also nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. Aber Sport tut grundsätzlich jedem Menschen gut, auch Transplantierten", sagt Dennis Eurich dem WDR.

Der Leiter Lebertransplantations-Ambulanz der Charité Berlin sieht in seinem Patienten Nurlu allerdings eine Speerspitze, die in seinem Haus behandelt wurde. "Herr Nurlu ist natürlich ein sehr gutes Positivbeispiel und nicht ein Einzelfall. Rein statistisch betrachtet hält eine transplantierte Leber mit dem Empfänger als Ganzes durchschnittlich 18 bis 20 Jahre", sagt Eurich. "Herr Nurlu ist, vor allem was den Sport angeht, ein Vorzeigepatient."

Eurich weist allerdings auch darauf hin, dass Sport neben der ausgewogenen Ernährung und maßgeschneiderten Medikation einer von mehreren Faktoren ist, die auf Gesundheit von Transplantierten Einfluss haben. "Das kann nie der Sport allein sein, wohl aber einen großen Beitrag für die Gesundheit der Transplantierten leisten."

Etwas mehr Regenerationszeit

Nurlu, der im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Bonn arbeitet, ist leidenschaftlicher Leichtathlet und Fußballer. Seit vielen Jahren trainiert durchschnittlich sechs bis acht Mal die Woche. "Sport tut nicht nur dem Körper, sondern auch auch der Seele gut, ist ein wunderbarer Ausgleich", sagt Nurlu.

Drei Medikamente muss er täglich einnehmen, damit seine Leber nicht abgestoßen wird. Bis auf ein leichtes Zittern hat Nurlu keine Nebenwirkungen. "Man muss ein bisschen mehr Regenerationszeit einplanen, ungefähr einen Tag länger. Ansonsten ist man, wenn die Blutwerte stimmen, genauso Leistungsfähig wie jeder nicht-transplantierte Sportler", so Nurlu.

Wie gefährlich ist der Kontaktsport Fußball?

Aber ist so ein WM-Fußballturnier, bei dem es regelmäßig zu Zweikämpfen kommt, nicht viel zu gefährlich für die transplantierten Sportler? Schließlich könnte dabei ein Organ getroffen und im schlimmsten Fall verletzt werden.

"Wir haben angepasste Regeln: Es wird auf kleinen Feldern gespielt. Es gibt auch keinen direkten Freistoß. Man achtet also schon darauf. Bisher ist noch nichts passiert. Wir gehen da ganz locker ran und haben auch keine Angst", sagt Nurlu.

Probleme, eine Mannschaft zusammenzustellen, hat Nurlu nicht. "Es gibt leider sehr viele Fußballer, die transplantiert worden sind und die wieder angefangen haben zu spielen. Einen Mangel an guten jungen Spielern haben wir leider gar nicht", sagt Nurlu.

Unsere Quellen:

  • Autoren-Gespräch mit Nehar Nurlu
  • Autoren-Gespräch mit Dennis Eurich, Leiter Lebertransplantationsambulanz der Charité Berlin
  • Deutsche Stiftung Organtransplantation
  • TransDia Sport Deutschland e.V.

Sendung: WDR.de, "Nehar Nurlu: "Ich hatte Glück", 10.09.2026, 09.15 Uhr