Ein breites Grinsen liegt auf ihrem Gesicht, dann folgt die innige Umarmung mit Teamkollegin Joyce Oguama: Favour Adesokan ist nach dem Diskuswurf-Finale bei den Deutschen Meisterschaften die Freude anzusehen. Auch wenn die 53,74 Meter die junge Athletin vom TV Wattenscheid nicht völlig zufriedenstellen. Rang acht steht in der Ergebnisliste.
Für Adesokan spielt das an diesem Abend allerdings nur eine Nebenrolle. Die 18-Jährige Schülerin steht ganz am Anfang ihrer Karriere. Die Titelkämpfe im heimischen Lohrheidestadion von Wattenscheid sind für sie vor allem eine ganz besondere Erfahrung.
Drei Deutsche Meisterschaften in einem Monat
"Es war wirklich ein unbeschreibliches Gefühl", sagt Adesokan im WDR-Gespräch nach dem Wettkampf. "Es ist so ein tolles Stadion. Die Stimmung war krass". Die 18-Jährige kennt die Anlage nicht nur aus dem Training bestens. Schon bei der U18- und U23-DM stand sie hier im Juli im Ring. Nun folgte mit der Aktiven-DM der Höhepunkt dieses außergewöhnlichen Leichtathletik-Monats - für Adesokan ebenso wie für den Deutschen Leichtathletikverband (DLV).
Das Lohrheidestadion bei der DM in Wattenscheid
"Für uns ist das ein Novum gewesen, alle drei großen Meisterschaften, zwei Jugendmeisterschaften und die Aktiven, an einem Standort zu haben", zog DLV-Vorständin Kristin Behrens bereits am Samstagabend ein positives Zwischenfazit: "Das Konzept hat sich bewährt und ich glaube, wir haben einen richtigen Anlauf genommen zu unserem nationalen Saison-Höhepunkt hier in Wattenscheid."
14.000 Zuschauer - Ausverkauftes Lohrheidestadion
Die Veranstalter vermeldeten mit 14.000 Zuschauern ein ausverkauftes Lohrheidestadion, schon früh am Tag waren die Schlangen an den Eingängen lang. Die Sportstätte war nach fast zweijähriger Renovierung erst im Vorjahr wiedereröffnet worden. Mehr als 50 Millionen Euro waren in die Hand genommen worden, um das Lohrheidestadion zur "modernsten Leichtathletik-Arena Deutschlands" zu machen, wie Michael Huke, Manager beim TV Wattenscheid, bei der Wiedereröffnung sagte.
Großer Andrang: Fans am Lohrheidestadion in Wattenscheid
Die "Dreifach-DM" innerhalb weniger Wochen hat gezeigt, dass Wattenscheid als nationaler Leichtathletik-Standort wieder eine wichtige Rolle spielt. Schon 2002, 2005 und 2012 fanden die nationalen Titelkämpfe im Lohrheidestadion statt. Danach wurde die Aktiven-DM viele Jahre nicht mehr in Nordrhein-Westfalen ausgetragen - erst die umfassende Sanierung machte die Rückkehr möglich.
Stimmungsvolle Rückkehr auf die große Bühne
Dass das Lohrheidestadion die Leichtathletik förmlich atmet, spürt man auch bei dieser DM. Auch wenn am langen Wettkampf-Samstag gerade die Nordkurve - trotz ausverkauftem Haus - nur selten ganz voll ist, ist die Stimmung hervorragend.
Laut wird es vor allem dann, wenn die großen Stars vorgestellt werden: Sprinter Owen Ansah etwa, natürlich Gina Lückenkemper, auch die Hochspringer um Tobias Potye bekommen viel Applaus. Nicht jeder Plan der Veranstalter geht auf - die "Dance-Cam" sorgt beispielsweise eher für betretene Blicke als zu den gewünschten Tanzeinlagen. Insgesamt lobt Behrens aber zu Recht die "Riesen-Stimmung" im Rund.
Leichtathletik-DM in Wattenscheid - Die Zusammenfassung
04:46 Min.. Verfügbar bis 26.07.2027.
Athleten und Athletinnen mitten im Publikum
Im Publikum sind Jung und Alt vertreten, viele sind mit der ganzen Familie da. Auf den Rängen und den Wegen im Stadion sieht man immer wieder auch Athleten und Athletinnen selbst, die sich entweder vor ihrem großen Auftritt Mut zusprechen oder mit den Liebsten ihren gerade absolvierten Wettkampf analysieren.
Bei den Fans gefragt: Sprint-Star Rebekka Haase
"Ich dachte, ich kriege sie auf den letzten 30 Metern noch locker", sagt etwa eine ausgeschiedene 400-Meter-Läuferin nach den Halbfinals, mitten auf dem Weg vor dem Stadion und umringt vom eigenen Anhang. Sie hat trotz des Ausscheidens ein Lächeln auf den Lippen. Anders geht es einer Athletin fünf Meter weiter, die sich in Tränen aufgelöst von einem weiteren Wettkämpfer trösten lässt.
"Kurze Wege" überzeugen - Athleten loben die Lohrheide
Laut Behrens ist das Athleten-Feedback zum Veranstaltungsort durchweg positiv. "Die Akustik, die Atmosphäre, die kurzen Wege - es sind alle begeistert", so die Vorständin des Verbands. "Das war auch schon bei den Jugendmeisterschaften so. Man hat den Standort wirklich aus Athletensicht mitgedacht."
"Dieser Standort ist nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in Zukunft ein ganz besonders wichtiger für uns", sagt Behrens auch deshalb und stellt Wattenscheid damit weiterer Großevents in Aussicht.
Diskuswerferin Adesokan: "Es waren Leute aus meiner Schule da"
Favour Adesokan vom TV Wattenscheid wird das erfreut zur Kenntnis nehmen. Die große Unterstützung auf den Rängen habe sie mehrfach gespürt. "Familie und Freunde waren da. Teilweise waren Leute aus meiner Schule da, mit denen ich gar nicht gerechnet habe."
Favour Adesokan
Bei aller Freude über das Erlebnis kommt das Talent aber nochmal auf ihre Leistung zurück: "Ich hätte noch zwei, drei Meter drauflegen wollen, das wäre heute auf jeden Fall drin gewesen. Technisch hat es einfach nicht zusammengepasst." So wie es aussieht, wird Adesokan schon bald wieder die Möglichkeit haben, ihre persönliche Bestleistung anzupeilen. Die Chancen stehen gut, dass sie dafür wieder auf ihre Heimanlage zurückkehren kann.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Leichtathletik-DM in Wattenscheid - die Zusammenfassung, 26.07.2026, 14:15 Uhr