Marlene Meier

DM in Wattenscheid Marlene Meier – mit Lockerheit und Nervosität zum EM-Ticket

Stand:

Marlene Meier peilt bei den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid den Titel und das EM-Ticket an. Lockerheit statt Druck ist das Erfolgsrezept der Leverkusener Hürdenläuferin.

Von Anke Feller

Vor vier Jahren gelang Marlene Meier ein Überraschungscoup: Gerade erst der U20 entwachsen, wurde sie im Berliner Olympiastadion Deutsche Meisterin über 100 Meter Hürden. Schon im Vorlauf stellte sie mit 13,20 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit auf, im Finale steigerte sie sich auf 13,15 Sekunden und gewann vor der Wattenscheiderin Monika Zapalska (13,21 sec) und ihrer Leverkusener Trainingspartnerin Franziska Schuster (13,31 sec). 

Gereift in den vergangenen Jahren

Gereifter, entspannter und mit mindestens genau so viel Vorfreude wie vor vier Jahren fährt sie am Wochenende zu den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften nach Bochum. Wobei das mit dem entspannt sein so eine Sache ist, wie sie im WDR-Interview schmunzelnd berichtet. "Das wechselt gerade täglich: An einem Tag bin ich super aufgeregt, am nächsten freue ich mich riesig auf den Wettkampf."

In den vergangenen vier Jahren ist die Leverkusenerin gereift. Sie sammelte internationale Erfahrung, wurde 2025 und 2026 Deutsche Hallenmeisterin. Dieses Mal ist die Ausgangslage vor den nationalen Titelkämpfen für sie neu.

Die Norm für die Leichtathletik-EM im englischen Birmingham (10.-16.08.2026) hat die Tochter von Hochsprung-Olympiasiegerin Heikel Henkel und Zehnkämpfer Paul Meier in der Tasche, mit einer Zeit von 12,84 Sekunden geht sie im Wattenscheider Lohrheidestadion als zweitschnellste Hürdensprinterin an den Start und hat gute Chancen, sich mit einem ersten oder zweiten Platz das EM-Ticket zu sichern.

Marlene Meier peilt zweiten deutschen Meistertitel an

NRW-Sport 22.07.2026 01:58 Min. Verfügbar bis 21.07.2028 WDR Online

Motivation durch Konkurrenz

Zusätzliches Selbstbewusstsein sammelte Meier in der vergangenen Woche in der Schweiz. Beim Meeting in Luzern setzte sie sich gegen ihre deutschen Konkurrentinnen durch und gewann das B-Finale.

Marlene Meier sprintet in Berlin zur Deutschen Meisterschaft über die 100m-Hürden

Marlene Meier wird 2022 in Berlin Deutsche Meisterin über die 100m-Hürden

Druck bremst die 24-Jährige nicht aus, sondern beflügelt sie. Besonders motiviert ist die Studentin, wenn die Leistungsdichte hoch und die Konkurrentinnen dicht beieinander liegen. "An Meisterschaftsrennen habe ich riesen Spaß, da profitiert auch die Leistung von."

Marlene Meier - "An Meisterschaftsrennen habe ich riesigen Spaß"

NRW-Sport 22.07.2026 00:35 Min. Verfügbar bis 21.07.2028 WDR Online

Das, so verrät die Studentin, habe sie auch ihren Eltern zu verdanken. Von Vater Paul habe sie die Nervosität geerbt, von Mutter Heike die Lockerheit und die Fähigkeit, sich auf den Punkt konzentrieren zu können – für Marlene ist es die perfekte Mischung.

Bekannte Eltern sind keine Bürde

Dass ihre Eltern bekannte Weltklassesportler waren, habe sie nicht belastet. "Es ist ja Fakt, dass beide so erfolgreich waren. Es ist vielleicht auch ein Segen, dass ich eine andere Disziplin mache. Dadurch, dass ich Hürden laufe, kann man die Leistungen gar nicht vergleichen."

Familie Meier im Manforterstadion Leverkusen

Familie Meier im Manforterstadion Leverkusen

In ihrer Kindheit haben ihre Eltern versucht, die Aufmerksamkeit und den Druck der Öffentlichkeit möglichst von ihrer Tochter fernzuhalten. Nachdem sich Marlene ebenfalls für die Leichtathletik begeisterte und sich anfangs im Hochsprung, Weitsprung und auch im Mehrkampf versuchte, waren sie erleichtert, als sich ihre Tochter schließlich für das Hürdenlaufen entschied.

Marlene Meier spricht über die Unterstützung ihrer Eltern

NRW-Sport 22.07.2026 00:53 Min. Verfügbar bis 21.07.2028 WDR Online

Mutter Heike: "Als Zuschauer ist es hart"

Auch in Wattenscheid werden sie am Wochenende dabei sein. Die Zuschauerrolle fällt den ehemaligen Weltklasseathleten allerdings nicht leicht. "Als Mutter ist es schon hart, auf der Tribüne zu sitzen und nicht zu wissen, wie es in ihr ausschaut. Man hat als Zuschauer nicht so viel Einfluss. Als Athlet weiß man, was man noch ändern kann. Als Eltern sitzt man da so ein bisschen hilflos. Das ist viel schrecklicher, als wenn man selber Sport macht", erzählt die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin.

Heike Henkel über ihre Zuschauerrolle - "Man sitzt da so ein bisschen hilflos."

NRW-Sport 22.07.2026 00:32 Min. Verfügbar bis 21.07.2028 WDR Online

Sie weiß, dass es nicht so häufig vorkommt, dass Kinder von erfolgreichen Hochleistungssportlern den Weg ihrer Eltern einschlagen. "Der Druck wird mit in die Wiege gelegt. Wir haben versucht, ihn von ihr fernzuhalten." Entscheidend ist für die ehemalige Hochspringerin: "der Wille des Kindes. Es ist wichtig, dass sich junge Athleten selber für den Leistungssport entscheiden. Unabhängig von irgendwelchen Wünschen von Trainern oder Eltern."

Studienabschluss und Olympia 2028 als Ziele

So zielstrebig wie ihre Mutter als Sportlerin war, ist es auch Marlene Meier. Die 24-Jährige studiert "Nachhaltiges Design" in Köln, sie hat in diesem Sommer das nachgeholt, was sie durch Wettkämpfe und Trainingslager verpasst hat und hat alle Kurse abgeschlossen. Im Wintersemester will sie ihren Bachelor machen – nach neun Semestern und damit nur einem Semester mehr als die Regelstudienzeit beträgt. "Ich bin da ganz straight, das habe ich auch von meiner Mutter".

Heike Henkel über ihre Tochter - "Wir versuchen den Druck von ihr fernzuhalten"

NRW-Sport 22.07.2026 00:50 Min. Verfügbar bis 21.07.2028 WDR Online

Wie es danach weitergeht, steht für sie ebenfalls fest. Nach dem theoretischen Teil bis Ende Dezember steht im Januar noch die Praxisprüfung an. Wenn alles klappt, sollte die Leverkusenerin den Bachelor Ende Januar in der Tasche haben. "Mit dem Start der Hallensaison möchte ich dann endlich mal frei sein – und nur Sportlerin sein! Ich will 100 Prozent geben und gucken, was passiert!" Eineinhalb Jahre will Marlene Meier den Fokus ausschließlich auf dem Sport legen. Mit dem klaren Ziel vor Augen: Olympische Spiele 2028 in Los Angeles.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Marlene Meier und Heike Henkel

Sendung: WDR.de, "Marlene Meier peilt zweiten Deutschen Meistertitel an" 22.07.2026 16.30 Uhr

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