Der Regen kommt fast pünktlich. Gerade haben Nils Ehlers und Lui Wüst ihren Platz auf dem Center Court eingenommen, da ziehen die Tropfen über den Revierpark Wischlingen in Dortmund. Auf der anderen Seite des Netzes stehen Max Just und Kalle Pieper, es geht um den Einzug ins Viertelfinale. Die Zuschauer auf den Rängen packen fast synchron ihre bunten Regenponchos aus.
Ein Bild, das typisch ist für die deutschen Meisterschaften im Beachvolleyball. Doch eigentlich nicht in Dortmund, sondern am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. 33 Jahre lang wurde das Jahreshighlight im deutschen Beachvolleyball hier ausgetragen. Zum ersten Mal ist jetzt der Revierpark Wischlingen der Schauplatz. Und der Wechsel hat einen klaren Grund: In Dortmund gibt es mehr Platz für Zuschauer und Veranstaltung. Auch der Standort ist für Fans aus dem ganzen Land besser erreichbar. Der Anspruch des Veranstalters ist groß: Aus Dortmund soll das größte jährlich stattfindende Beachvolleyball-Event Europas werden.
Beachvolleyball für alle
Von Beginn an ist davon schon einiges zu spüren. Wer das Gelände betritt, braucht zunächst kein Ticket. Zwischen den Bäumen und Wiesen stehen Essensstände, Merchandising-Zelte und Werbestände. Überall leuchten die Farben der German Beach Tour: kräftiges Blau, Lila, Rosa und Orange. Dauerbesucher der höchstrangigen deutschen Beachvolleyball-Turnierserie mischen sich mit Menschen, die spontan auf dem Gelände vorbeischauen. Sie bleiben an der Leinwand zum Public Viewing stehen, ziehen weiter zum Side Court oder beobachten die Spieler beim Aufwärmen. Nur wer direkt am Center Court, dem Hauptplatz der Turnieranlage, zuschauen möchte, braucht ein Ticket.
Der Center Court thront über dem Gelände. In dem großen Rondell können bis zu 6.500 Menschen Platz finden. Alle, die das Gelände betreten, werden schon von weitem mit wummernden Bässen, der Stimme der Stadionsprecherin und dem Jubel von den Rängen begrüßt. Und dort geht es gerade um den zweiten Satz zwischen Ehlers/Wüst und Just/Pieper. Den ersten Satz haben die Außenseiter mit 21:19 gewonnen. Jetzt aber stehen Nils Ehlers und Lui Wüst kurz davor, auszugleichen.
Die Meisterschaft als Treffpunkt
Die Tribünen stehen, wie immer zum Satzball. Die Musik treibt das Publikum an, die Fans singen und halten ihre kreativen Plakate in die Luft. Das typische Outfit, das man an diesem Tag immer wieder sieht: Sonnenbrille, Badelatschen und eine kurze Sport- und Badehose. Daran kann auch das Wetter nichts ändern. Die vielen Fans sind längst wie eine eingespielte Mannschaft. Es gibt Sprüche, die jeder kennt. Wer zum ersten Mal dabei ist, braucht nicht lange, um zu verstehen, was zu tun ist. Alle machen mit.
Gelöste Stimmung auf dem ganzen Gelände
Nils Ehlers und Lui Wüst holen sich den zweiten Satz. Und während sich die Spieler für Runde drei sammeln, schaffen es auch die Jubelrufe vom Side Court bis ins Stadion. Nur wenige Meter neben der großen Arena liegt das zweite Spielfeld. Hier finden die Partien abseits des Center Courts statt, kleiner ist deshalb aber die Kulisse nicht. Die gesamte Wiese ist voll. Die Fans stehen am Spielfeldrand, schwenken Fahnen und trommeln. Viele Teams haben ihren eigenen Fanclub dabei.
Und zwischen all dem Jubel ist an diesem Wochenende immer wieder ein Thema zu hören: der Umzug vom Timmendorfer Strand nach Dortmund. Unter den eingefleischten Fans wird er durchaus kritisch gesehen. Das Meer, das Urlaubsgefühl und sogar das Fischbrötchen fehlen. 33 Jahre Timmendorfer Strand lassen sich schließlich nicht einfach ersetzen. Trotzdem wird der neue Standort akzeptiert. Die Fans kommen nach Dortmund und machen hier ihre Stimmung.
Offenes Rennen um den Titel
Sportlich ist ohnehin alles offen. In den vergangenen vier Jahren konnten Cinja Tillmann und Svenja Müller den Titel der Frauen immer für sich entscheiden. In Dortmund hätten sie Geschichte schreiben und den fünften Titel in Folge holen können. Doch wenige Tage vor dem Turnier müssen sie ihre Teilnahme absagen. Svenja Müller, die selbst aus Dortmund kommt und gerne vor heimischer Kulisse gespielt hätte, verletzte sich im Training.
Damit ist bei den Frauen vieles möglich. Und auch bei den Männern gibt es keinen klaren Titelanwärter. Nils Ehlers und Lui Wüst gehören zum Favoritenkreis und das zeigen sie auch im Tie-Break, dem Entscheidungssatz. Kurz lassen sie Max Just und Kalle Pieper noch einmal herankommen, doch dann fällt der letzte Punkt zum 18:16. Ehlers und Wüst ziehen ins Viertelfinale ein. Auch die Sonne ist mittlerweile wieder herausgekommen. Auf den Rängen wird eine Pyrofackel gezündet und die Spieler lassen sich vom Publikum feiern.
Das traditionsreiche Kapitel der deutschen Beachvolleyball-Geschichte am Timmendorfer Strand ist beendet. Die ersten Tage aber zeigen, dass die wichtigsten Voraussetzungen für einen neuen Beachvolleyball-Abschnitt schon da sind: die Fans und die Stimmung.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, "Ausgelassene Stimmung bei Beachvollleyball-DM in Dortmund", 29.08.2026, 16.47 Uhr