Was genau verbindet man im Sport mit der Stadt Duisburg? Das Erste, was vielen einfällt, dürfte der Meidericher SV sein - schließlich besitzt der Fußball-Drittligist eine große Fangemeinde. Doch nicht weit dahinter könnten einem schon die Wassersportarten einfallen. So zum Beispiel Rudern. Zumindest am Wochenende steht diese Sportart im Fokus, wenn auf der Regattabahn die U23-WM stattfindet. Mit dabei ist auch Melina Reinke vom Neusser Ruderverein.
Lange unklar, welche Kombination antritt
Die 19-Jährige qualifizierte sich mit ihren Ergebnissen für den leichten Doppel-Zweier - starten wird sie gemeinsam mit Charlotte Bergmann aus Limburg. Allerdings war bis kurz vor der WM gar nicht klar, wer genau im Doppel-Zweier an den Start geht. Denn mit der Berlinerin Nathalie Sendjuk und der Hannoveranerin Jette Lisdat gab es noch zwei weitere potenzielle Starterinnen.
Bei den Jahrgangsmeisterschaften hatten Sendjuk und Lisdat als Duo die Nase vorne gehabt und hätten sich eigentlich das WM-Ticket verdient. Beim Ruder-Rennen in Ratzeburg dagegen waren Bergmann und Reinke schneller. Eigentlich gab man daher Sendjuk für die Einer und Bergmann/Reinke für den Zweier als Nominierungsvorschlag an.
Bergmann/Reinke in Testrennen die Schnellsten
Doch in der Nominierungskommision fand das keine Mehrheit. So veranstaltete der DRV kurzerhand ein kleines Ausscheidungsturnier vor der WM. "Das war für uns irgendwie etwas blöd. Erst hieß es, Charlotte und ich fahren. Dann doch nicht. Und dann mussten wir nach Ratzeburg, wo alle Kombinationen einmal getestet wurden", erklärte Reinke im WDR-Interview.
Lieber hätte sie die Woche normal trainiert. Über die Test-Rennen erzählte Reinke: "Die Bedingungen waren teilweise nicht ganz einfach und etwas unfair. Aber am Ende sind Charlotte und ich bei den schlechtesten Bedingungen die beste Zeit gerudert." So durfte sich das Duo letztlich über die WM-Teilnahme freuen.
Reinke: "Manche Freunde haben Urlaub deswegen verschoben"
So selbstverständlich wie die Nachwuchsathletin das alles erzählt, ist es für sie noch nicht - denn Bergmann und Reinke sind mit 19 Jahren so etwas wie die "Küken" im Team. "Es ist mein erstes Jahr in der U23 und da ist die WM natürlich schon ein Traum", lässt die Nachwuchs-Athletin viel Vorfreude auf das Event in Duisburg erkennen.
Zumal es dazu noch ein Heimspiel ist: Nur etwas mehr als 30 Minuten vom heimischen Neuss entfernt. "Das ist natürlich schon schön, dass jetzt Freunde oder Familie mit dabei sein können. Sonst hätten sie das eher im Livestream verfolgt. Manche haben sogar den Urlaub verschoben, das ist so toll", freut sich die 19-Jährige.
Nach der WM folgt die EM
Bei der WM hofft Reinke auf eine Medaille - die erfahrenere Konkurrenz kommt aus Italien, Frankreich und Griechenland. "Wir sind definitiv nicht da, um jetzt Letzter zu werden", gibt sie sich selbstbewusst. Wohlwissend, dass die Chance auf das Podest gar nicht schlecht ist - bei vier Teams für drei Podiumsplätze. Ein erstes Kräftemessen gab es am Donnerstagmorgen. Beim Rennen um die Bahnbelegung für das Finale belegten Reinke und Bergmann den dritten von vier Plätzen. Das große Finale findet am Sonntagmorgen statt.
Übrigens: Nach der WM ist für Reinke vor der EM. Denn dort darf sie aufgrund ihrer starken Einzel-Ergebnisse mit Lisdat im Doppel-Zweier antreten. Ihr großes Vorbild ist dabei die nur ein Jahr ältere Konkurrentin Sendjuk - die sie auch zu ihrem Ziel für die Zeit nach der EM und WM motiviert: "Ich möchte sie endlich einholen, noch ist sie etwas fünf Sekunden schneller. Und so ganz nebenbei: Wieder international fahren zu dürfen, wäre auch toll!"
Unsere Quellen:
- Interview mit Melina Reinke
- World Rowing
- Webseite des Deutschen Ruder-Verbandes
- RP Online
Sendung: WDR.de, "Rudern - Reinke fiebert auf U23 WM in Duisburg hin", 23.07.2026 11:18 Uhr