Natürlich ist Klara Bleyer meistens im Wasser. Stundenlang. Doch zuletzt trainierte die erste deutsche Synchronschwimm-Europameisterin vermehrt im Trockenen. "Ich arbeite viel vor dem Spiegel an meiner Mimik", erzählt die 22-Jährige. "Da kommt man sich ein bisschen doof vor, aber es gehört halt dazu."
Lächeln auch bei sportlicher Schwerstarbeit, bei körperlichen Höchstleistungen mit Atemnot ist angesagt. Denn die "Artistic Impression", der künstlerische Eindruck, gibt den Wertungsrichtern den größten Spielraum - und Bleyer das größte Verbesserungspotenzial.
Als erste Deutsche EM-Gold im Solo gewonnen
Was die technischen Schwierigkeiten angeht, ist die Bochumerin schon Weltspitze. Dennoch reichte es bei der WM im vergangenen Jahr "nur" zu fünften Plätzen in den Solo-Finals. Bei der EM in Paris geht die Sportsoldatin als Titelverteidigerin im freien Solo an den Start und findet es "ein bisschen surreal".
Dass sie vor einem Jahr auf Madeira als erste Deutsche EM-Gold im Solo - nach dem Titel 2024 in Belgrad mit dem Akrobatik-Team - gewann, sei "noch immer krass". Damals war es "ein bisschen überraschend", jetzt sei "mehr Druck dahinter, es nochmal zu schaffen". Zumal die Konkurrenz größer ist: Die belarussische Vizeweltmeisterin Wassilina Chandoschka und die Russinnen um Walerija Plechanowa dürfen auch bei der EM wieder starten.
Ziel: Die Olympischen Spiele 2028
Perspektivisch wichtiger ist aber das Duett mit ihrer neuen Partnerin Maria Denisova, das am Freitag (9.00 Uhr) im Centre Aquatique Olympique am Stade de France mit dem Vorkampf beginnt. Denn ihre Paradedisziplin Solo ist nicht olympisch. Und Bleyer möchte als erste deutsche Synchronschwimmerin nach Monika Müller und Margit Schreib 1992 in Barcelona wieder an den Sommerspielen teilnehmen. Die Qualifikation für Los Angeles 2028 beginnt bei der WM im kommenden Jahr in Budapest und endet beim Weltcup-Finale kurz vor Olympia. Ihre Prognose: "Wir werden uns um die letzten vier Plätze prügeln."
Im Weltcup hat sie sich in dieser Saison mit drei Solo-Erfolgen und dem Gesamtsieg einen Namen gemacht. Als Deutsche, die aus keiner der klassischen Synchronschwimmnationen kommt, müsse sie "tausendmal stärker" sein als ihre Konkurrentinnen, um "in die Köpfe der Wertungsrichter" zu kommen - und so auch im Duett bessere Chancen auf Olympia zu haben.
Spendenaktion für WM-Start
Dabei ist auch finanziell viel Eigeninitiative gefragt. Im vergangenen Jahr musste Bleyer trotz Unterstützung durch den DSV, den Landesverband NRW und die Sporthilfe "rund 20.000 Euro" selbst zuschießen. Um bei der WM in Singapur starten zu können, sammelte der DSV bei einer Spendenaktion 17.000 Euro ein. Ihre Weltcup-Prämien investiert sie sofort wieder - etwa für Flüge zur spanischen Ex-Weltmeisterin Ona Carbonell, mit der sie an ihrer Choreografie arbeitet. Sponsoren hat sie bislang nicht gefunden, die nähmen "lieber Influencer" oder statteten den "zehntausendsten Fußballer mit dem tausendsten Vertrag" aus. Doch klagen will sie nicht, lieber lächeln - vor dem Spiegel und im Becken.
Unsere Quellen:
- Sport-Informationsdienst
- Deutsche Presse-Agentur
Sendung: WDR.de, "Klara Bleyer bei der Schimm-EM" , 30.07.2026 16:46 Uhr