Unter Flutlicht im Aachener Hauptstadion lief auch am Freitagabend aus deutscher Sicht alles bestens: Während die Konkurrenz mit dem schwierigen Kurs des zweiten Umlaufs zu kämpfen hatte, schien die lautstarke Unterstützung der Zuschauer die deutsche Equipe zu beflügeln. Mit nur 4,48 Fehlerpunkten holte das Team um Marcus Ehning, Sophie Hinners, Daniel Deußer und Richard Vogel Gold.
Deußers Goldritt im Finale des Mannschaftsspringens
Bildquelle: dpa03:59 Min.. Verfügbar bis 31.12.2026.
"Es ist einzigartig, hier in Aachen ... Es war ein unglaubliches Gefühl", freute sich Deußer im WDR-Interview. "Ob sich das in meinem Leben noch mal wiederholt, weiß ich nicht." Bundestrainer Otto Becker war "total happy und stolz". "Das war Werbung für den Springsport. Man soll sich nicht selbst loben, aber das war sowas von verdient, wie die vier hier die Goldmedaille geholt haben", so Becker.
Deutsches Springreit-Team im Interview nach der Goldmedaille
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Deutschland souverän - Silber geht an Belgien
Besonders beeindruckend: Die deutsche Mannschaft benötigte ihr Streichergebnis nicht einmal. Nur die besten drei Wertungen pro Team zählen für das Mannschaftsergebnis, da aber alle vier Reiter nahezu ihre Topleistung abrufen konnten, konnte Deutschland fast schon entspannt frühzeitig den ersten WM-Titel seit 2010 in den USA bejubeln. Zweiter wurde Belgien mit 11,69 Strafpunkten, Bronze ging an Großbritannien (12,98).
Die guten Leistungen der deutschen Reiter haben eine weitere positive Folge: Im Individualranking darf sich Deutschland erneut große Medaillenhoffnungen machen. Deußer führt die Einzelwertung gemeinsam mit dem Schweizer Steve Guerdat an (0,86 Fehlerpunkte). Ehning hat das Podium auf Rang vier im Blick, direkt dahinter folgt Hinners. Auch Vogel, dessen WM für ihn persönlich noch nicht perfekt läuft, wird trotz Rang 14 im Zwischenranking eine Einzelmedaille am Sonntag noch nicht abgeschrieben haben.
Ehning und Hinners fast makellos
Bundestrainer Becker hatte auf die bewährte Start-Reihenfolge gesetzt. Wieder ritt Ehning zu Beginn, erneut blieb der Routinier trotz allen Drucks ruhig. Mit Coolio ritt der 52-Jährige nicht mit höchster Geschwindigkeit und mit dem ein oder anderen Galoppsprung mehr als die Konkurrenz, doch die Ruhe zahlte sich aus: Ehning blieb fehlerlos und gerade noch im Zeitlimit. "Der Druck ist groß", sagte Ehning nach seinem Ritt. "Ich war aber am ersten Tag fast nervöser als jetzt. Ich war heute innerlich sehr entspannt."
Marcus Ehning - "Bin fasziniert von meinem Pferd"
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Während die anderen Nationen sichtlich zu kämpfen hatten, ließ sich auch Hinners vor 45.000 Zuschauern im Aachener Hauptstadion nicht beirren. Mit Singclair ritt die 29-Jährige gewohnt konzentriert und bedacht, sodass das Paar einen Abwurf vermeiden konnte. Weil Hinners aber das Zeitlimit nicht ganz erreichte, musste Deutschland einen Strafpunkt hinnehmen. Hinners und das Publikum bejubelten den starken Ritt dennoch frenetisch. "Es ist eine abnormale Stimmung da draußen", so Hinners direkt nach ihrem Auftritt.
Sophie Hinners - "Es ist eine abnormale Stimmung da draußen"
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Deußer wieder souverän, auch Vogel fehlerfrei
Es folgte Deußer, der bei seinen bisherigen Auftritten mit Otello schon begeistert hatte. Die Anspannung im Rund war greifbar, aber wieder schien dem Paar weder Druck noch der schwierige Kurs Probleme zu bereiten. Nur einmal war die Berührung einer Stange zu vernehmen, was die Zuschauer zu einem Raunen veranlasste - doch der Abwurf blieb aus, Deußer brachte die fehlerfreie Runde ins Ziel. Der WM-Titel war perfekt.
Für die anderen Nationen ging es beim letzten Ritt um die Medaillen. Der deutsche Schlussreiter Vogel hingegen konnte auf United Touch seinen Ritt fast schon genießen - aber eben nur fast. In der Einzelwertung ging es für das Paar im einsetzenden Aachener Regen noch um einiges. An diesem Abend aber schien dem deutschen Team alles zu gelingen: Auch Vogel beeindruckte mit einem hochklassigen Ritt. Die zwei Strafpunkte des Europameisters für die leicht überschrittene Zeit waren nur eine Randnotiz an diesem für das deutsche Team rundum gelungenen Abend.
Einzel-Entscheidung am Sonntagnachmittag
Mit der Mannschaftswertung ist damit die erste große Entscheidung bei den Springreitern gefallen. Am Sonntag wartet am Ende der Weltmeisterschaften mit der Einzelentscheidung noch ein letztes sportliches Highlight der Titelkämpfe (14.15 - 16.52 Uhr live im ZDF und im ZDF-Livestream).
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: wdr.de, Sport im Westen live: Reit-WM Aachen 2026 - Springreiten Finale Nationenpreis, 21.08.2026, 20:09 Uhr