Christian Kukuk

"Schwer nachzuvollziehen" Warum Olympiasieger Kukuk bei der WM nur zuschaut

Stand:

Olympiasieger Christian Kukuk gehört bei der Heim-WM in Aachen trotz guter Form nicht zum deutschen Quartett. Seine Nichtnominierung kann der 36-Jährige noch immer nur schwer nachvollziehen. Bundestrainer Otto Becker zeigt Verständnis - und sieht in der schwierigen Entscheidung auch einen Beleg für die Stärke des deutschen Teams.

Von Markus Kramer (Aachen)

Viel zu lachen hatte Christian Kukuk am Dienstag beim Pressetermin der deutschen Springreiter nicht. Der Olympiasieger beantwortete geduldig die Fragen der Journalisten, wirkte dabei aber ernst und zurückhaltend. Dass Kukuk mit seiner Rolle bei dieser WM nicht glücklich ist, ist verständlich. Auch Kukuk selbst machte aus seiner mäßig guten Laune keinen Hehl.

"Ich brauche jetzt niemandem zu erklären, dass ich super happy bin, mit der Situation hier als Backup nur in Aachen zu sein", sagte Kukuk im WDR-Gespräch. Ausgerechnet der aktuelle Olympiasieger gehört bei der Heim-WM nicht zum deutschen Quartett - obwohl er mit seinem Gold-Pferd Checker wenige Tage zuvor noch den Grand Prix der Global Champions Tour in London gewonnen hatte.

Start der Springreitwettbewerbe bei der Reit-WM

NRW-Sport 18.08.2026 00:39 Min. Verfügbar bis 17.08.2028 WDR Online

Kukuk: "Wir haben es eindrucksvoll bewiesen"

Dass Kukuk und Checker rechtzeitig zur WM in Topform sein würden, war laut Kukuk kein Zufall. "Es war ja immer der Plan und eigentlich die Absprache, dass der Höhepunkt der Form im August erreicht werden sollte", so der für seine akribische Arbeitsweise bekannte Reiter. "Ich glaube, wir haben letzte Woche in London eindrucksvoll bewiesen, dass wir unseren Job in der Hinsicht getan haben.“

Umso schwerer fiel es dem 36-Jährigen, die Entscheidung gegen ihn zu verstehen. Bereits nach der ursprünglichen Nominierung hatte Kukuk von einer "völlig überraschenden" Entscheidung gesprochen. Daran hat sich offenbar wenig geändert. "Von daher war die Entscheidung in den letzten Wochen natürlich schon irgendwo schwer nachzuvollziehen. Die ist aber nun mal so getroffen worden."

Ein weiteres Gespräch über seine Nichtnominierung zu den ersten vier Reitern habe es anschließend nicht gegeben, sagte Kukuk. Diskutieren möchte er darüber während der WM aber nicht mehr: "Am Ende müssen die vier das jetzt richten und können das auch richten, ohne Frage."

Bundestrainer Becker: "Habe vollstes Verständnis"

Bundestrainer Otto Becker kann Kukuks Reaktion nachvollziehen. "Ich habe da vollstes Verständnis, dass er enttäuscht ist und vielleicht auch ein bisschen ein komisches Gefühl hat, hier zu sein", sagte Becker dem WDR. Der Bundestrainer kennt die undankbare Position aus seiner eigenen aktiven Karriere. "Ich war auch schon Fünfter. Das ist für einen Reiter keine schöne Situation."

Zweifel an Kukuks sportlicher Qualität waren laut Becker nicht der Grund für die Entscheidung. Im Gegenteil: "Er ist Olympiasieger. Das Pferd hat genau wie die anderen Topleistungen gebracht. Aber wir mussten eine Entscheidung treffen." Deutschland habe in diesem Jahr sechs Toppaare gehabt, "die alle gut genug gewesen wären, Deutschland hier zu vertreten".

WM-Präsenz - aber wohl kein Einsatz

Getroffen hat es zunächst Kukuk. Erst durch den freiwilligen Verzicht von André Thieme verschob sich die Reihenfolge noch einmal. Marcus Ehning rückte in die Mannschaft, Kukuk nachträglich auf die Position des ersten Reservisten.

Bis kurz vor Beginn der ersten Prüfung könnte Kukuk noch in die Mannschaft rücken, sollte eines der vier deutschen Paare ausfallen. Bleibt es bei der aktuellen Besetzung, ist die WM für Kukuk sportlich beendet, bevor sie für die deutschen Springreiter richtig begonnen hat.

Die Team- und Einzel-Qualifikation im Springreiten bei der Reit-WM

Bildquelle: IMAGO/Stefan Lafrentz

Sport im Westen 19.08.2026 Verfügbar bis 19.08.2026 WDR

Auf diesen Fall hat sich der Olympiasieger längst eingestellt. "Dann heißt es Daumen drücken für den Rest, die Kollegen hier und da zu unterstützen", sagte Kukuk. Am Freitag zum Teamfinale will Kukuk wieder in Aachen sein. Zwischenzeitlich wird er auch nach Hause fahren. Seine Pferde fliegen in dieser Woche in die USA, Kukuk hat deshalb noch einige Dinge zu organisieren.

So unangenehm die Situation für Kukuk persönlich ist, so viel sagt sie über die Qualität der deutschen Springreiter aus. Das sieht auch der Olympiasieger selbst so. "Allein die Tatsache, dass der amtierende Olympiasieger in Höchstform nicht im Team ist, spricht ja für die Stärke des ganzen Teams", sagte Kukuk. "Von daher glaube ich, spricht auch nichts gegen eine Medaille."

Starkes deutsches Team um Richard Vogel

Für Deutschland starten Richard Vogel mit United Touch, Sophie Hinners mit Singclair, Daniel Deußer mit Otello und Marcus Ehning mit Coolio. Ein Quartett, das allerhöchste Ambitionen haben darf.

Der Springsport hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten unheimlich global entwickelt. Alle reiten mittlerweile auf höchstem Niveau. Da zählt jeder Fehler, vielleicht schon ein Zeitfehler. Otto Becker, Springreit-Bundestrainer

Trotz der starken Konkurrenz formuliert Becker die deutschen Ansprüche entsprechend klar: "Unser Hauptziel ist es, erst mal als Team auf dem Treppchen zu stehen. Das ist unser erklärtes Ziel", sagte der Bundestrainer. Was am Sonntag in der Einzelentscheidung noch hinzukomme, sei "die Zugabe".

Kukuk wird dann aller Voraussicht nach nur zuschauen können. Dass ihm diese Rolle gefällt, behauptet der Olympiasieger erst gar nicht. Seinen Kollegen traut er den Erfolg trotzdem zu.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort

Sendung: WDR, Sport im Westen live: Reit-WM Aachen 2026 - Springreiten Fehler-Zeit-Springen, 19.08.2026, 14:20 Uhrr

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