Marcus Ehning

Springreit-Gold in Aachen 20 Jahre später - Ehning zeigt's nochmal allen

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Marcus Ehning hat in seiner langen Karriere fast alles gewonnen, bei der WM in Aachen aber ein weiteres besonderes Kapitel hinzugefügt. 20 Jahre nach einem bitteren WM-Erlebnis an gleicher Stelle hatte der 52-Jährige maßgeblichen Anteil am Gold-Triumph der deutschen Springreiter. Und damit nicht genug: Als Vierter hat Ehning am Sonntag auch im Einzel beste Medaillenchancen.

Von Markus Kramer (Aachen)

"Viele in Deutschland haben mich schon abgeschrieben. Aber denen habe ich es, glaube ich, jetzt noch mal gezeigt." Marcus Ehning sagte diesen Satz im Sieger-Interview fast beiläufig. Sein eindringlicher Blick lässt zumindest erahnen, was hinter dem Satz steckt: eine ordentliche Portion Genugtuung.

Zuvor hatte der 52-Jährige mit Coolio über drei Tage eine beeindruckende Leistung gezeigt und entscheidend zum ersten deutschen Mannschafts-WM-Titel seit 2010 beigetragen - damals gehörte Ehning ebenfalls zum Gold-Team.

Deutsches Springreit-Team im Interview nach der Goldmedaille

Bildquelle: WDR

03:01 Min. Verfügbar bis 31.12.2026

Die Sache mit der "Briefmarken-Mauer"

Dass Ehning ausgerechnet in Aachen noch einmal Weltmeister wurde, dürfte ihm besonders viel bedeuten. Vor 20 Jahren hatte der Mann aus dem Münsterland an gleicher Stelle eine seiner bittersten Erfahrungen erlebt. In der entscheidenden Runde des Mannschaftswettbewerbs krachte er mit Küchengirl in die berühmte "Briefmarken-Mauer" und gab anschließend auf.

Deutschland blieb Bronze statt des erhofften Goldes. "Vor 20 Jahren an gleicher Stelle war ich ein bisschen nervöser", erinnerte sich Ehning nun im WDR-Interview. "Küchengirl war damals noch ein etwas größeres Nervenbündel."

Ehning war "innerlich sehr entspannt"

20 Jahre später war von Nervosität wenig zu spüren. "Ich war am ersten Tag fast nervöser als jetzt", sagte Ehning nach seiner starken Runde in der Goldentscheidung. "Irgendwie war ich innerlich sehr entspannt, als ich reingeritten bin." Es ist die Ruhe eines Reiters, der in seiner Karriere nahezu alles erlebt hat: Olympiasieg, WM- und EM-Medaillen, drei Weltcup-Finalsiege und zahlreiche Erfolge in Großen Preisen.

In seiner gewohnt nüchternen Art machte Ehning nach dem großen Sieg ohnehin wenig Aufhebens um die eigene Leistung. Vor allem Wallach Coolio kassierte ein dickes Lob: "Ich bin fasziniert von meinem Pferd, wie der das diese drei Tage abgeliefert hat. Wirklich unglaublich", schwärmte Ehning.

Marcus Ehning - "Bin fasziniert von meinem Pferd"

Bildquelle: WDR

01:18 Min. Verfügbar bis 31.12.2026

Auch kleinere Schwierigkeiten brachten das Duo nicht aus dem Rhythmus: "Ich habe es ein-, zweimal richtig spannend gemacht im Parcours. Aber er hat so toll reagiert und ist eigentlich alles genial gesprungen." Mit nur 1,78 Strafpunkten geht Ehning nun als Vierter in die Einzelentscheidung am Sonntag - weniger als ein Strafpunkt trennt ihn von der Spitze.

Nicht bei Olympia 2024 dabei, in Aachen erst reingerückt

Trotz einzelner großer Erfolge war Ehnings Platz auf der ganz großen Bühne zuletzt nicht mehr selbstverständlich. Zwar wurde er 2022 noch WM-Fünfter und gewann 2023 den Großen Preis von Aachen, für die Olympischen Spiele 2024 in Paris wurde er aber nicht nominiert. 2025 folgte mit Coolio EM-Bronze, doch auch für die Heim-WM in Aachen war das Duo zunächst nur zweite Wahl und rückte erst nach dem Verzicht von André Thieme ins Team.

Gold 2000 in Sydney: Das deutsche Team mit Marcus Ehning (2. v. l.) und Otto Becker (2. v. r.)

Gold 2000 in Sydney: Das deutsche Team mit Marcus Ehning (2. v. l.) und Otto Becker (2. v. r.)

Bildquelle: imago

Dass Ehning auch bei dieser WM wieder im deutschen Team stand, schreibt er nicht zuletzt Bundestrainer Otto Becker zu. Diese gemeinsame Geschichte reicht bis ins Jahr 2000 zurück: Damals gehörten beide zur deutschen Mannschaft, die in Sydney Olympia-Gold gewann. Heute ist Becker Ehnings Bundestrainer.

Ehning bleibt bescheiden - was geht im Einzel?

"Wenn Otto nicht gewesen wäre, dann würde ich jetzt auch nicht hier stehen", sagte Ehning nach dem Triumph. Auch diesen bemerkenswerten Satz sagte Ehning ganz nüchtern. Was er ihm bedeutete, ließ sich dem Routinier kaum ansehen.

Und während Ehning seinen eigenen Kritikern eine Antwort gegeben hatte, nahm er im Moment des Erfolgs noch Teamkollege Richard Vogel in Schutz. "Wenn man Richie Vogel im Hintergrund hat, ist das schon sehr, sehr beruhigend", sagte Ehning. Vogel solle nach seinen nicht ganz perfekten Runden "nicht so tiefstapeln": "Auch mit allen drei Runden von Richie hier wären wir Weltmeister geworden. Er war ein Riesenteil der Mannschaft, und ich habe selten so eine konstante Mannschaftsleistung erlebt."

Die Ritte der deutschen Starter beim Finale im Mannschaftsspringen

Bildquelle: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd

15:06 Min. Verfügbar bis 31.12.2028

Am Sonntag könnte die starke deutsche Springreit-WM noch erfolgreicher werden: Neben Ehning haben auch Daniel Deußer als geteilter Führender mit 0,86 Strafpunkten und die fünftplatzierte Sophie Hinners (1,84) beste Chancen auf eine Einzelmedaille. Und für den Mann, den "viele in Deutschland schon abgeschrieben" hatten, könnte in Aachen noch ein weiteres Erfolgskapitel hinzukommen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort

Sendungwdr.deSport im Westen live: Reit-WM Aachen 2026 - Springreiten Finale Nationenpreis, 21.08.2026, 20:15 Uhr

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