Am Steg im Mülheimer Hafen wird gepackt, sortiert und verstaut. Schlafsäcke, Proviant, Ersatzkleidung – alles muss im Ruderboot seinen Platz finden. "Ich habe schon ein mulmiges Gefühl, doch gerade überwiegt die Vorfreude", sagt Sebastian Cordes. Gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern Michael Sünner und Roland Petrick bricht er heute zu dem auf, was er selbst als großes Abenteuer beschreibt.
„Vor zwei Jahren habe ich mich gefragt: Wie weit kann uns reine Muskelkraft bringen?“ Sebastian Cordes, Ruderer
Aus dieser Frage ist die Idee entstanden. In gut 100 Tagen von Köln bis ans Schwarze Meer. Die Ruderer wollen fast jeden Tag durchschnittlich rund 30 Kilometer zurücklegen und nur wenige Pausentage einlegen. Unterwegs wird auf Isomatten, im Zelt oder in den Vereinsheimen anderer Rudervereine geschlafen. Die drei Rentner Cordes, Sünner und Petrick wollen die komplette Strecke durchziehen und werden dabei abschnittsweise von rund 30 weiteren Ruderinnen und Ruderern aus dem Mülheimer Wassersportverein unterstützt.
"Wir machen mit dem Verein oft Ruderwanderungen", sagt Initiator Sebastian Cordes. "Vor zwei Jahren habe ich mich gefragt: Wie weit kann uns reine Muskelkraft bringen?"
(V. l. n. r.) Sebastian Cordes, Roland Petrick und Michael Sünner rudern die gesamte Strecke
Bildquelle: WDR / Niklas Bohlen3200 Kilometer bis nach Rumänien
Seitdem haben sie die Route bis ins Detail geplant. Vom Bootshaus in Köln-Mülheim aus geht es auf dem Rhein und dem Main – gegen die Strömung – weiter. Über den Main-Donau-Kanal geht es weiter bis nach Ingolstadt. "Dort schließen wir uns der Tour International Danubien an. Das ist die längste organisierte Kanu- und Ruderwanderfahrt der Welt, die über die Donau führt", erklärt Cordes.
Insgesamt werden die drei Kölner während ihrer Reise zehn Länder durchqueren oder streifen, vor allem in Südosteuropa. Ihr Ziel ist die rumänische Stadt Brăila, die kurz vor dem Schwarzen Meer liegt. "Aufgrund der Lage in der Ukraine müssen wir spontan entscheiden, ob wir wirklich bis dorthin fahren können", sagt Sebastian Cordes.
Der Start in Köln
Langsam stoßen sich die Ruderer mit ihrem Boot vom Steg ab. Am Ufer stehen Freunde und Vereinskollegen, winken und rufen ihnen letzte gute Wünsche hinterher. Für den Ruderverein ist diese Aktion etwas ganz Besonderes, alle fiebern mit.
Dann setzt sich das Boot in Bewegung – erst langsam, dann im gleichmäßigen Rhythmus der Riemen. Meter für Meter entfernt sich die Crew vom Vereinsheim. Das heutige Etappenziel ist Bad Godesberg, das gut 47 Kilometer gegen den Strom entfernt liegt.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Wassersportverein Mülheim
Sendung: wdr.de, 23.05.2026, 10:00 Uhr
