Auch ein Sieg hätte wohl kaum für mehr Begeisterung sorgen können als dieses 0:0 des FC Schalke 04 gegen den FC Bayern. Die große Mehrheit der 62.094 Zuschauer feierten diesen überaus überraschenden Punktgewinn, als hätten die Königsblauen bereits am 2. Bundesliga-Spieltag den Klassenerhalt geschafft.
Die Freude kannte keine Grenzen, denn mit solch einem Ergebnis hatte wohl niemand gerechnet. Die Schalke-Spieler mussten sich sogar auf eine Ehrenrunde begeben. Der Lärm blieb lange ohrenbetäubend.
Schalke-Trainer Muslic: "Ein fast perfekter Tag"
Als sich die Gemüter wieder ein wenig beruhigt hatten, ging es in den Katakomben der Schalke-Arena um die Analyse dieser außergewöhnlichen Partie. "Das war heroisch. Die Spieler haben gekämpft wie die Löwen", sagte Youri Mulder - und seine Augen strahlten dabei begeistert. Auch Schalkes Sportdirektor hatte mit diesem Punktgewinn nicht gerechnet nach dem trostlosen 3:0 beim FC Augsburg zum Saisonauftakt in der Vorwoche.
Die Schalker agierten tatsächlich, als hätten sie sich ein Gemälde einer Abwehrschlacht aus dem Mittelalter zum Vorbild genommen. Voller Einsatz, kein Zurückweichen, egal wie übermächtig der Gegner auch sein mag. Es ging den Schalkern nur um eines: Das eigene Tor um jeden Preis verteidigen, egal was es koste.
"Wir hatten einen guten Plan. Aber die Jungs mussten das auch perfekt umsetzen. Wir hatten einen fast perfekten Tag und wir hatten auch das nötige Quäntchen Glück", sagte Schalke-Trainer Miron Muslic.
Manuel Neuers letztes Spiel in der Arena?
"Die Schalker haben den Bus hinten geparkt", sagte Manuel Neuer, der bei jedem seiner Ballkontakte von einem frenetischen Pfeifkonzert begleitet wurde. Besonders geschockt hatte ihn das natürlich nicht mehr, das erlebt er in der Arena ja schon seit vielen Jahren, seit er im Jahr 2011 aus Gelsenkirchen zu den Bayern gewechselt ist.
Dennoch: "Das war ein besonderes Spiel für mich. Meine Familie war auch da. Schließlich habe ich hier über 20 Jahre gespielt", sagte der 40-Jährige. Neuer wirkte fast schon ein wenig nostalgisch. Schließlich könnte das sein letztes Spiel in der Schalker Arena in seiner langen Profikarriere gewesen sein.
Muslic sieht überragenden Karius
Für die Schalker war dieser Samstagabend ein Beleg dafür, dass sie es als Aufsteiger schaffen können, in dieser Liga zu bestehen. "Aufgrund des Einsatzes und des Kampfes haben wir uns den Punkt verdient. Wir ziehen unser Ding durch", sagte der mehrfach brillant reagierende S04-Torhüter Loris Karius.
Konnte man aus diesem kämpferischen Team jemanden herausstellen? Vielleicht Loris Karius mit seinen fantastischen Paraden? Oder den unermüdlichen Renner Sanoshi Tanaka? Oder den fast schon bedauernswerten Angreifer Moussa Sylla, der sich alleine gegen Bayern-Spieler behaupten musste? "Loris war einfach überragend", sagte Muslic. "So einen Torhüter brauchst du in so einem Spiel."
Energisch und ernsthaft bis zum Schluss
"Defend till the end" ("Verteidigen bis zum Ende") ist ja ohnehin einer der prägendsten Anweisungen, die der Coach in seinen 14 Monaten auf Schalke als einen seiner wichtigsten Grundsätze herausgearbeitet hat. Und es gab unter in Muslics Ära in Gelsenkirchen noch kein Spiel, in dem seine Spieler diese Maxime so energisch und ernsthaft befolgten, wie gegen die eigentlich übermächtigen Bayern.
Deshalb war es geradezu atemberaubend wie die Schalker ihre Chance darin suchten, dass sie eigentlich keine hatten. Sie warfen sich in jeden Zweikampf, schafften es immer noch einen Fuß, noch eine Stirn, oder auch irgendein anderes Körperteil im Weg der bayerischen Bemühungen zu stellen, um einen Pass noch abzufälschen oder gar zu verhindern.
"Gratulation an Schalke, die haben wirklich alles gegeben", sagte Bayern-Trainer Vincent Kompany, kurz bevor er sich mit seiner Mannschaft auf die Heimreise nach München machte. Dieser Zusammenfassung wollte dann auch niemand mehr widersprechen.
Unsere Quellen
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, "Schalke klaut den Bayern zwei Punkte - die Audio-Highlights", 05.09.26, 08:52 Uhr