Der Film, mit dem 1968 das Genre des modernen Zombiekinos beginnt, ist eine Low-Budget-Produktion des vollkommen unbekannten Werbefilmers George A. Romero. "Er und seine Partner wollten einen Film machen, mit dem sie genug Geld für den nächsten Film verdienen konnten. Dass sie gerade einen Filmklassiker schufen, war ihnen vermutlich nicht klar", sagt der Filmjournalist Jamie Russell, Autor des Buches "Book of the Dead – The Complete History of Zombie Cinema".
Verschiedene Stadien der Hysterie
In dem Film "Die Nacht der lebenden Toten" haben sieben Menschen in einem Bauernhaus Zuflucht gefunden. Ringsherum stolpern halbverweste Untote herum, mit großem Appetit auf Menschenfleisch. Die Überlebenden befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Hysterie. Beim Versuch, ein Fluchtfahrzeug zu organisieren, sterben Tom und Judy, zwei der Protagonisten. Zum Schrecken der Überlebenden werden sie prompt von den lebenden Toten verspeist. "Es ist der erste Film, in dem Zombies fleischfressende Kannibalen sind. Vorher waren sie einfach Tote, die herumgelaufen sind. Hier wollen sie Menschen fressen! Und das ist der Beginn des modernen Zombiefilms", erklärt Jamie Russell.
Schafsdarm und Schinken
Das Publikum ist schockiert: Die Zombies – gespielt von Freunden und Bekannten der Filmcrew – hantieren mit echten Gedärmen und Fleischbrocken. Dass es sich um Schafsdarm und Schinken handelt, spielt keine Rolle: Am Ende der 1960er-Jahre sind die Zuschauer diese Szenen nicht gewohnt. Wie die Nachrichtensendungen dieser Zeit, ist der Film in schwarz-weiß gedreht, was ihn in Zeiten des Farbfilms noch realistischer macht. "In dem Film ist viel von der politischen Wut der 60er-Jahre zu spüren: Er zeigt die Rückkehr der Unterdrückten. Im Vietnamkrieg starben viele Menschen – und im Film kommen die Toten zurück, um die Lebenden anzugreifen. Es sind die unterdrückten Schuldgefühle der USA, die den Film so beeindruckend machen", sagt Russell.
"Ein kleiner Film mit körnigen Bildern"
An diese kulturhistorische Deutung denkt keiner, als "Die Nacht der lebenden Toten" am 4. Dezember 1968 in die Kinos kommt. Am Tag danach erscheint in der New York Times eine vernichtende Kritik: "Ein kleiner Film mit körnigen Bildern, dessen Darsteller anscheinend alles Laien sind und von weiteren Laiendarstellern belagert werden, die steifbeinig herumstolpern und so tun, als wären sie fleischfressende Untote". Doch der Film wird ein Kassenschlager und später sogar in die Sammlung des New Yorker Museums of Modern Art aufgenommen. "Er ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Horrorfilme aller Zeiten – und hat den Zombiefilm revolutioniert", sagt der Filmexperte Jamie Russell.
Stand: 04.12.2013
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"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.05 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 4. Dezember 2013 ebenfalls an "Die Nacht der lebenden Toten". Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.