Liebe COSMO-Fans,
den Rundfunkrat haben in den letzten Tagen Hunderte Zuschriften erreicht. Uns haben Menschen geschrieben, für die COSMO seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil im Alltag und ein Symbol für ein weltoffenes Deutschland ist. Viele erzählen von ihrer persönlichen Familiengeschichte und dass der Sender ein Treffpunkt für alle sei, die mehr als eine Heimat im Herzen tragen.
Ich nehme die Sorge wahr, dass gerade etwas ziemlich Einmaliges in der deutschen Medienlandschaft zur Debatte steht. Und ich bin beeindruckt von dem Engagement. Wann sind zuletzt Menschen für den Erhalt eines Angebots des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die Straße gegangen?
Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht auf jede Mail einzeln eingehen kann. Deswegen schreibe ich als Vorsitzender des Gremiums hiermit eine öffentliche Antwort in der Hoffnung, dass sie viele COSMO-Fans erreicht.
Bevor ich falsche Erwartungen wecke, möchte ich kurz unsere Rolle und Arbeit erläutern: Die 55 Mitglieder des WDR-Rundfunkrats sind an keine Weisungen gebunden. Sie stimmen in einer öffentlichen Sitzung frei und unabhängig über Beschlüsse ab. Komplexe Sachverhalte werden im Vorfeld ausführlich in Ausschüssen beraten und mit Programmverantwortlichen des WDR diskutiert.
Bei der Programmschemaänderung (so nennt sich formell eine strukturelle Änderung im Programmangebot) der jungen Radiowellen – und insbesondere COSMO – hat der WDR den Rundfunkrat, vor allem dessen Programmausschuss, sehr ausführlich über das Vorhaben informiert. Seit Anfang des Jahres gab es Beratungen sowie ein Treffen für intensive Diskussion zwischen Rundfunkratsmitgliedern und Vertreterinnen und Vertretern der Programmdirektion. In der Sitzung am 3. Juni hat der Rundfunkrat über die Neukonzeption von COSMO abgestimmt: 24 Mitglieder stimmten zu, 20 stimmten dagegen.
Dieses Ergebnis gilt es nun zu akzeptieren. Jedes Mitglied hat eine Entscheidung aus eigenen – mit Sicherheit sehr unterschiedlichen – Gründen getroffen. Unser Gremium soll eine große Bandbreite der Gesellschaft in NRW abbilden, entsprechend vielfältig sind auch die Meinungen und Überzeugungen.
Es gibt also nicht den einen Standpunkt, den der WDR-Rundfunkrat vertritt. Was uns aber eint, ist unsere gesetzlich verankerte Aufgabe: den Programmauftrag des WDR zu beaufsichtigen. Beim Thema COSMO geht es dabei vor allem um die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags, ein Hörfunkprogramm mit Themen zum interkulturellen Zusammenleben anzubieten.
Dazu haben wir uns beim Beschluss im Juni entschieden, dem WDR vier Fragen zur weiteren Ausgestaltung mitzugeben, die nicht allein COSMO, sondern das ganze Programmangebot betreffen:
- Wo und wie werden Themen des interkulturellen Zusammenlebens angesprochen?
- In welcher Form werden die mehrsprachigen Angebote aufgegriffen?
- Wo findet die Weltmusik ihren Platz?
- Wie werden die interkulturellen Qualifikationen der Mitarbeitenden in den breiten Programmen abgebildet?
An der konkreten Beantwortung dieser Fragen arbeitet der WDR und hält das Gremium und die Öffentlichkeit (zum Beispiel hier) bereits auf dem Laufenden. Der Gesetzgeber sieht zudem aber auch eine Berichts- und Erfüllungspflicht des Senders mit Blick auf den Programmauftrag, den wir als Kontrollgremium beaufsichtigen. Das bedeutet: Der WDR wird den Rundfunkrat zu gegebener Zeit umfassend und mit Zahlen untermauert im Rahmen der Leistungsanalyse und im Erfüllungsbericht informieren, damit dieser entscheiden kann, ob der Auftrag eingehalten wird. Seien Sie versichert, dass wir uns auch damit intensiv und kritisch beschäftigen werden.
Ich hoffe, ich konnte mit meinem Schreiben verdeutlichen, dass das Gremium eine andauernde Kontrollfunktion wahrnimmt und dass es selbstverständlich das Votum seiner Mitglieder respektiert. Allerdings ist auch klar: Der Rundfunkrat schreibt dem WDR nicht vor, wie genau der Programmauftrag umgesetzt wird.
Ich danke ausdrücklich allen, die sich die Zeit genommen und uns von ihren Sorgen und Wünschen bezüglich COSMO berichtet haben. Denn genau dies hilft uns, die Interessen der Öffentlichkeit wahrzunehmen und in die unabhängigen Entscheidungen unserer Mitglieder einfließen zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Rolf Zurbrüggen (Vorsitzender WDR-Rundfunkrat)