Die Digitalisierung hat zwei Seiten: Einerseits machen Apps und Webseiten viele Dinge des täglichen Lebens einfacher. Andererseits wird das Leben auch ein ganzes Stück unübersichtlicher. Kein Wunder, dass sich genau das auch kriminelle Menschen zunutze machen. Immer wieder ganz vorne mit dabei: Betrugsanrufe die angeblich vom Bezahldienst Paypal kommen.
Wie sieht die Betrugsmasche rund um Paypal aus?
Betrügerische Anrufe, die angeblich von Paypal kommen, gibt es ja immer wieder in regelrechten "Wellen". Aktuell warnt die Bundesnetzagentur gerade wieder vor einer solchen Welle.
Das Festnetz- oder Mobil-Telefon klingelt: Ein Anruf von einer Telefonnummer im Ausland. Man geht dran und hört eine Ansage in nicht ganz fehlerfreiem Deutsch, die offenbar KI-generiert ist.
Inhalt: Es sei eine Zahlung erfolgt, eine Zahlung könne nicht ausgeführt werden –oder auch: eine große Zahlung werde jetzt ausgeführt, das könne man aber noch verhindern. Dazu solle man eine Taste drücken. Erst dann meldet sich ein Mensch – meistens mit starkem Akzent, der irgendwo auf der Welt sitzt.
Warum soll man denn eine Taste drücken?
Dazu muss man wissen: Solche Betrugsanrufe laufen automatisiert ab. Das heißt: Computer rufen gleichzeitig eine Vielzahl von Nummern an. Sie nutzen dabei Nummern entweder auf gut Glück oder solche aus Datenbanken, die im Netz kursieren.
Bei manchen Angerufenen meldet sich ein Anrufbeantworter, bei manchen ist "besetzt", manche Angerufene legen sofort auf. Nur da, wo ein angerufenes Betrugsopfer offenbar eine Taste drückt, ist tatsächlich jemand, mit dem es sich "lohnt" zu sprechen.
Und: Die- oder derjenige hat offenbar ein Paypal-Konto. Und nur dann wird die Verbindung zu einem betrügerischen Call-Center hergestellt.
Und was wollen die Betrüger?
Sie wollen die Zugangsdaten zum Paypal-Konto, also Benutzername und Kennwort. Aber sie wollen auch Geld, dazu gibt es verschiedene Vorgehensweisen, die alle ein bisschen unterschiedlich sind. Oft wollen sie, dass man sich am Smartphone oder Computer bei Paypal einloggt.
Dazu schicken sie einem eine SMS oder E-Mail mit Link, den man anklicken soll. Dadurch installiert sich entweder eine Software, mit der die Betrüger einen Fernzugriff auf mein Gerät bekommen. Oder man sieht eine Website, die aussieht wie die Paypal-Seite, auf der man sich einloggen soll.
So bekommen die Betrüger dann Zugriff auf mein Benutzerkonto oder mein Smartphone bzw. meinen Computer. In der Folge können sie sich selber Geld zusenden und die Zugangsdaten für Betrugskampagnen in Zukunft speichern.
Was kann ich tun, wenn ich auf so etwas reingefallen bin?
Unbedingt bei der Polizei Anzeige erstatten. Sofort Zugangsdaten zu Paypal ändern, und die "Zwei-Faktor-Authentifizierung" einrichten. Dann ist zukünftig nicht nur ein Passwort nötig, sondern es wird auch noch zweites Einmal-Passwort abgefragt – das ist zumindest eine weitere, Hürde für zukünftige Betrüger. Und: Die Bank informieren, Paypal informieren, Kontobewegungen beobachten.
Und wenn ich so einen Anruf bekomme?
Sofort auflegen. Paypal ruft nicht an, auch Amazon oder DHL nicht. Außerdem sollte man alle Familienmitglieder informieren, dass die eigene Nummer offenbar gerade genutzt wird. Denn: Wenn man von dem System nicht erreicht wird, versucht es das sicher noch mehrmals.
Übrigens: Die Nummer sperren zu lassen lohnt sich meistens nicht, weil die Nummern ohnehin gefälscht sind und ständig geändert werden. Was helfen kann: Anrufbeantworter aktivieren. Nur drangehen, wenn jemand anruft, mit der oder dem man wirklich sprechen will. Das funktioniert bei herkömmlichen Anrufbeantwortern, geht aber auch bei DSL-oder Glasfaser-Routern, die gleichzeitig eine Telefonanlage haben.
Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese
Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.