Jede zehnte Person arbeitet an den Festtagen
Aktuelle Stunde . 22.12.2025. 28:45 Min.. UT. Verfügbar bis 22.12.2027. WDR. Von Cedrik Pelka.
Sie schieben Dienst in Krankenhäusern, bei Feuerwehr oder Polizei, fahren Busse, Straßenbahnen und halten gastronomische Betriebe am Laufen. Für Millionen Menschen in Deutschland bedeutet Weihnachten keine Zeit der Ruhe und Besinnung mit der Familie. Sondern Arbeit.
Das geht aus einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Die Forscher hatten 5.800 Erwerbstätige zu ihren Arbeitszeiten zwischen den Jahren befragt.
Demnach sind am Vormittag des 24. Dezember deutschlandweit noch 24 Prozent "im Dienst". Ab 14 Uhr, wenn das Ladenschlussgesetz den Heiligen Abend einläutet, sinkt dieser Anteil auf durchschnittlich neun Prozent.
Besonders häufig müssen dabei Arbeitnehmer und -nehmerinnen in den Branchen Verkehr und Logistik, Handel, Gastronomie sowie im Gesundheits- und Sozialbereich "ran". Männer sind stärker betroffen als Frauen, außerdem wird Feiertagsarbeit in den unteren Gehaltsklassen erheblich häufiger verlangt als von Besserverdienenden.
Die Analyse zeigt außerdem, dass es in der Regel immer dieselben sind, die an den Feiertagen im Dienstplan stehen: Rund 80 Prozent von ihnen mussten bereits in den vergangenen drei Jahren an Heiligabend zur Arbeit.
Große regionale Unterschiede
Auch regional gibt es deutliche Unterschiede: So müssen die Menschen in den Neuen Bundesländer (inklusive Berlin) häufiger an Heiligabend arbeiten als Arbeitnehmer im Rest der Republik.
Während im Westen nur neun Prozent nach 14 Uhr im Einsatz sind, liegt dieser Wert in Ostdeutschland bei 13 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch an den beiden Weihnachtsfeiertagen sowie an Silvester und Neujahr.
Nordrhein-Westfalen liegt in dieser Statistik im oberen Mittelfeld: Am Heiligabend sind zehn Prozent der Arbeitnehmer im Einsatz, am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag sinkt die Quote auf acht beziehungsweise neun Prozent. Zu Silvester müssen ab 14 Uhr rund elf Prozent arbeiten, am Neujahrstag immerhin noch acht Prozent.
Zum Vergleich: Bei Spitzenreiter Sachsen-Anhalt sind an Heiligabend 15 Prozent im Dienst, am Neujahrstag sogar satte 18 Prozent. Die Weihnachtsruhe wird hingegen in Bayern noch hochgehalten: Dort wird bundesweit an den Feiertagen am wenigsten gearbeitet.
Studienautor: "Jemand muss den Laden am Laufen halten"
Die Gründe für die weit verbreitete Feiertagsarbeit seien offensichtlich, meint Mit-Autor der WSI-Studie, Eric Seils: "Jemand muss den Laden an den Feiertagen am Laufen halten."
Eric Seils
Verderbliche Güter könne man nicht einfach bis ins neue Jahr auf einem Parkplatz abstellen, so Seils, und auch die Stromversorgung könne man an den Feiertagen nicht einfach abdrehen.
Unsere Quellen:
- Analysen zur Tarifpolitik: Wer arbeitet an den Festtagen 2025/2026?
- WDR-Interview mit Eric Seils
- Agenturen afp und KNA
Sendung: WDR-Fernsehen, WDR aktuell, 22.12.2025, 12:45 Uhr