Normalerweise werden rund 80 Prozent der Güter, die in Deutschland per Binnenschiff unterwegs sind, über den Rhein transportiert. Wegen des niedrigen Wasserstands können die Schiffe aktuell aber nur noch etwa 60 Prozent ihrer üblichen Ladung mitnehmen.
Die Folge: Lieferungen verzögern sich und in Industrie und Produktion fehlen wichtige Materialien. Das bekommen am Ende auch die Verbraucher zu spüren, denn die höheren Transportkosten treiben die Preise nach oben. Um die Folgen abzufedern, sollen jetzt mehr Güter auf die Straße und die Schiene verlagert werden.
LKW sollen aushelfen
Die große Kapazität der Binnenschiffe macht eine Verlagerung auf die Straße nicht gerade einfach. Rund 100 bis 150 Lkw sind nötig, um die Ladung eines einzigen Schiffes zu transportieren. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) zufolge muss die Politik unterstützen, um das aufzufangen.
"Die nächsten Wochen werden anspruchsvoll. Die Wasserstände an Rhein und Donau bleiben vorerst sehr niedrig. Deshalb müssen wir jetzt pragmatisch handeln". Steffen Bilger (CDU), Bundesverkehrsminister
Sonntagsfahrverbot für LKW aufgehoben
Um den Transport auf der Straße flexibler zu machen, wurde in einigen Bundesländern das Sonntagsfahrverbot für Lkw aufgehoben. Zunächst galt das nur in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. An diesem Wochenende ziehen acht weitere Bundesländer nach, darunter auch Thüringen und Sachsen. Die Ausnahme gilt für alle Güter, deren Transport vom Niedrigwasser betroffen ist.
Wegen des Niedrigwassers im Rhein können Schiffe derzeit deutlich weniger laden.
Bildquelle: WDR / dpaLogistikverband begrüßt die Regelung
Trotz der logistischen Hürden punktet die Straße durch Ihre Flexibilität, sagt Bernhard Philipps, Vorsitzender das Verbands Spedition und Logistik NRW. "Wir sind im Gegensatz zu Schiff und Bahn nicht an feste Wege gebunden und werden die Waren dorthin bringen, wo der Kunde sie benötigt." Auch die Befürchtungen vieler Autofahrer, die zusätzlichen Lkw könnten zu längeren Staus auf den Autobahnen führen, teilt der Verband nicht.
Speditionen sehen Probleme in der Logistik
Die Speditionen sehen in der Sonderregelung einen ersten Schritt, um die Lieferketten instandzuhalten. Das alleine reicht allerdings nicht aus, um die Schiffe zu ersetzen, sagt Daniele Sanzone, Speditionsleiter beim Transport Service Düsseldorf TSD.
"Klingt einfacher als getan, weil gewisse Güter, die momentan über den Rhein fahren, nicht einfach auf die Straße gesetzt werden können - zum einen weil sie teilweise lose auf dem Binnenschiff unterwegs sind und zum anderen, weil auch die Logistikkette, die dahinter steckt, einfach für den Moment noch viel zu kurz gedacht ist." Daniele Sanzone, Transport Service Düsseldorf TSD
Mehr LKW im Einsatz
Das Unternehmen ist aktuell mit zwei zusätzlichen Fahrzeugen unterwegs, um die benötigten Güter transportieren zu können, sagt Daniele Sanzone: „Zurzeit haben wir konkret die Haferflocken, die wir vom Fluss auf den Lkw bringen.“ Die kommen im Hamburger Hafen an und werden normalerweise per Schiff bis nach Düsseldorf transportiert.
Jetzt müssen die losen Flocken extra für den Transport mit dem Lkw verpackt und auf Paletten geladen werden. Das bedeutet nicht nur mehr logistischen Aufwand, sondern auch höhere Kosten.
Auf die Dauer unrealistisch
Der Verband Spedition und Logistik NRW schätzt, dass sich rund ein Drittel des Schiffsverkehrs auf die Straße verlagern wird. Das hält Daniele Sanzone für unrealistisch: "In der Theorie vielleicht, aber es gibt zwei Faktoren, die immer wieder da entgegenspielen. Zum einen dieser drastische Fahrermangel, den es schon seit Jahren gibt und sich nicht verbessert. Und zum anderen ist die Infrastruktur einfach in Nordrhein-Westfalen nicht dafür ausgelegt, noch mal 30% von dem Binnen vom Binnenschiff auf die Straße zu verlagern."
Unsere Quellen:
- WDR Interview mit Daniele Sanzone, Transport Service Düsseldorf TSD
- Bernhard Philipps, Vorsitzender Verband Spedition und Logistik NRW
- DPA Meldung
- Bundesverkehrsminister Steffen Bilger
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 13.08.2026, 13:35 Uhr