Crash-Kurs für Solarmodule
Bildquelle: WDR/ Veerle SeeligWDR. 02:34 Min.. Verfügbar bis 19.08.2028.
Philip und Larissa ziehen und drücken an den Dachziegeln. "Irgendwie sieht das alles schräg aus", stellt Larissa lachend fest. Für die beiden ist es das erste Mal, dass sie mit Dachziegeln zu tun haben.
"Die gerade zu bekommen ist schwierig, das muss man etwas üben", sagt Philip. "Ich merke auch, dass ich gerade meinen kleinen Perfektionsanspruch bekomme", ergänzt Larissa. Für das Solarcamp in Ennigerloh haben sie sich extra von der Arbeit freigenommen.
Durch das Camp kriegen die Teilnehmenden die Chance als Assistenzkräfte in den Betrieben weiterzuarbeiten.
Bildquelle: WDR/ Veerle SeeligEigentlich haben sie gewöhnliche Büro-Jobs. Deshalb wollen sie im Solarcamp mal etwas ganz Neues ausprobieren. In dem Camp lernen die Teilnehmer eine Woche lang, alles über das Solar-Handwerk. Mit Inhalten über Dachkonstruktion, Elektrohandwerk und Solarenergie.
Als Laie zum Solar-Handwerk
Unter den beiden steht die Holzkonstruktion, die sie mit dreizehn anderen Teilnehmern in wenigen Stunden zusammengebaut haben. Nun geht es an die Dachziegel, damit danach die Module angebracht werden können.
Begleitet werden sie von einem Dachdecker, der ihnen Sicherheitsunterweisungen gibt und in das Handwerk einweist. Selbst auf dem kleinen Übungsdach merken alle, wie viel Arbeit das Handwerk sein kann, trotzdem:
"Mir macht es mega Spaß. Es ist cool zu sehen, was man geschafft hat. Das ist etwas ganz anderes, als bei meinem jetzigen Job, wo ich nur vor dem Computer sitze." Larissa
Fehlende Fachkräfte für Energiewende
Neben den beiden sind Studierende, Auszubildende oder Schüler dabei. Eine ziemlich gemischte Truppe. Für Organisatorin Anne Bussmann ist das ein gutes Zeichen.
"Viele wollen nur in die Büroberufe und da wird es irgendwann nicht mehr so viele geben. Und das Handwerk ist goldener Boden. Das war früher so und das wird auch so bleiben." Anne Bussmann
Dass Deutschland die Energiewende schafft, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa von beschleunigten Genehmigungsverfahren oder Förderungen. Aber ein entscheidender Punkt, da sind sich Experten einig, könnte dazu führen, dass wir es nicht schaffen: Der Fachkräftemangel.
Eine Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer prognostiziert, dass bis 2030 eine halbe Million Fachkräfte für den Ausbau der Erneuerbaren Energien fehlen dürften. Dort möchten die Solarcamps ansetzen.
Das Solarcamp kommt bei den Teilnehmenden gut an.
Bildquelle: WDR/ Veerle SeeligSpätere Assistenzkräfte
Nach dem Solarcamp kriegen die Teilnehmer ein Zertifikat. Dann sind sie Assistenzkräfte und können in Unternehmen unter Aufsicht von Fachkräften mitarbeiten.
Für die Organisatoren ist die Hauptsache, dass der Nachwuchs aufmerksam auf die Jobs wird. Und auch wenn die verlegten Solarmodule am Ende nur eine Übung sind, ist es für viele der erste Schritt in eine neue Branche.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Deutsche Industrie- und Handelskammer
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 19.08.2026, 19:30 Uhr
