Elektroauto des chinesischen Herstellers BYD
Bildquelle: Temilade Adelaja / REUTERSDie Zahlen gehen nach oben: Für das erste Halbjahr 2026 meldet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ein deutliches Plus bei Autos mit Elektroantrieb. Zwischen Januar und Juni wurden nach einer Mitteilung des KBA fast 50 Prozent mehr reine Elektroautos erstmals zugelassen als im selben Zeitraum des Vorjahres.
Der Anteil der reinen Batterieautos an den gesamten Neuzulassungen lag bei 24,8 Prozent. Jeder vierte Neuwagen war also rein elektrisch unterwegs. Daran dürfte die staatliche Förderung einen Anteil haben - aber auch die hohen Preise für Benzin und Diesel, die nach Beginn des Iran-Krieges deutlich gestiegen waren.
Förderung pusht Absatz von E-Autos
Die staatliche Förderung habe für einen Rekordabsatz bei E-Autos in Deutschland gesorgt, schreibt die Beratungsgesellschaft EY.
"Die staatliche Kaufprämie für Elektroautos wirkt aktuell als massiver Booster für den Absatz von E-Autos in Deutschland." Constantin Gall, Autoexperte bei EY
Allerdings komme das Förderprogramm derzeit vor allem ausländischen Autoherstellern zugute. Zwar haben die deutschen Autokonzerne im zweiten Quartal dieses Jahres nach den EY-Zahlen auch deutlich mehr E-Autos verkauft - insgesamt 31 Prozent mehr. Der Marktanteil der deutschen Hersteller bei den Elektroautos ist danach allerdings von Anfang Januar bis Ende Juni deutlich geschrumpft - von 61 auf 51 Prozent.
Weil die ausländischen Hersteller aber ihren Absatz sogar etwa verdoppelten, legte ihr Anteil am deutschen E-Auto-Markt weiter zu. Noch in keinem Quartal seien so viele Elektroautos zugelassen worden wie zwischen März und Juni 2026, so EY-Autoexperte Constantin Gall. "Die Förderung wirkt also: Die Prämie pusht den Hochlauf der Elektromobilität."
Ausländische Hersteller profitieren stärker
Der Autoexperte kritisiert allerdings, dass ausländische Hersteller überproportional von der Förderung profitieren. Das liege an deren aggressiver Preissetzung - und daran, dass sie deutlich günstigere Autos im Angebot haben. Im Segment unterhalb von 25.000 Euro seien deutsche Hersteller nicht vertreten, sagt Gall.
Gerade in diesem Segment bewegt sich seiner Ansicht nach aber die Kernzielgruppe der Förderung: preissensible Käufer mit niedrigerem Einkommen, für die der staatliche Zuschuss häufig kaufentscheidend ist.
"Wir finanzieren gerade mit Steuergeldern das Wachstum ausländischer E-Auto-Marken auf dem deutschen Absatzmarkt." Constantin Gall, Autoexperte bei EY
Auch die offziellen Daten zu den bereits bewilligten E-Auto-Förderungen lassen diesen Schluss zu. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über Zahlen aus dem Bundesumweltministerium, die der Bundestagsabgeordnete Julian Joswig (Grüne) auf Anfrage bekommen hatte.
Demnach wurden bis Ende Juni die meisten Prämien für Autos des US-Herstellers Tesla bewilligt. Es folgen Skoda, Renault, Cupra/SEAT, Hyundai, Kia, Leapmotor (China) und erst auf Platz acht mit Volkswagen der erste deutsche Hersteller - gefolgt von BYD (ebenfalls China) und Citroën auf den Rängen neun und zehn.
Daten nur eingeschränkt aussagekräftig
Die bisherigen Zahlen lassen allerdings noch keine endgültige Aussage darüber zu, wohin die Gelder tatsächlich geflossen sind. Denn die Förderung kann erst seit 19. Mai 2026 für Fahrzeuge beantragt werden, die seit Jahresbeginn neu zugelassen wurden. Bis Ende Juni dürfte daher nur ein kleiner Teil der insgesamt zu erwartenden Anträge gestellt und bereits genehmigt worden sein.
Auch die Lieferzeiten beeinflussen die Daten. Denn der Förderantrag kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erst dann gestellt werden, wenn das Auto zugelassen ist - das könnte das aktuelle Bild verzerren.
Soziale Staffelung der Förderung im Mittelpunkt
Die Höhe der deutschen E-Auto-Förderung bemisst sich nach verschiedenen Faktoren, unter anderem der Größe und dem zu versteuernden Einkommen des Haushalts. Das soll "Mitnahmeeffekte" von Menschen mit höheren Einkommen verhindern. Eine Komponente, mit der speziell deutsche oder europäische Hersteller gefördert werden, ist nicht enthalten.
In Frankreich ist das anders. Dort entscheiden Umweltaspekte darüber, ob ein Auto staatlich gefördert wird oder nicht. Ein hoher CO2-Ausstoß bei der Produktion oder ein langer Transportweg führen zum Ausschluss von der Förderung.
Unterschiedliche Förderung für unterschiedliche Modelle
Das hat zur Folge, dass bei manchen Herstellern nicht alle Fahrzeugmodelle gefördert werden. Im Fall des US-Herstellers Tesla wird in Frankreich beispielsweise nur das Model Y gefördert, das für den europäischen Markt in Grünheide bei Berlin produziert wird. Das Model 3, das im chinesischen Shanghai hergestellt wird, ist in Frankreich nicht förderfähig.
Auch der Dacia Spring fällt damit aus der französischen E-Auto-Förderung. Der rumänische Hersteller gehört zwar zum französischen Autohersteller Renault. Weil der Elektro-Kleinwagen Spring aber in China gefertigt wird, erreicht er die nötigen Voraussetzungen für die Förderung in Frankreich nicht.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung des Kraftfahrt-Bundesamts
- Pressemitteilung der Beratungsgesellschaft EY
- "Süddeutsche Zeitung" vom 14.07.2026
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 15.07.2026, 13:35 Uhr